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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Der Küchen- und Gemüsegarten Grundlagen für Anfänger

Etwas über das Pflanzenleben

Pflanzenleben

Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

In welcher Weise wirkt der Dünger? Wir müssen lernen, die Pflanze als ein lebendes Wesen zu betrachten, dann werden wir auch imstande sein, sie richtig zu behandeln. Wer aber die Lebensvorgänge im Pflanzenkörper, vor allem die wichtigen Wechselbeziehungen zwischen Wurzeln und Blättern nicht kennt, macht leicht die schlimmsten Fehler in der Pflege.
Blatt und Wurzel, das sind die notwendigen Teile zur Erhaltung des Lebens. Eine Wurzel kann nicht leben ohne ein Blatt und das Blatt verdorrt sofort, wenn die Wurzel die Arbeitstätigkeit einstellt.
Die Wurzel saugt die Nahrungsbestandteile in Wasser gelöst aus dem Boden und unter Druck wird der rohe Saft nach oben geleitet zu den Blättern. Hier findet unter Einfluss des Sonnenlichtes eine Umbildung mit dem rohen Bodensaft statt: er wird zur brauchbaren Pflanzennahrung verwandelt und strömt dann als solche in die Früchte, um diese zu ernähren, oder er wird von der Pflanze verwendet, um neue Triebe und neue Wurzeln zu bilden. Je mehr Nährstoffe wir den Wurzeln im Boden zur Verfügung stellen, um so mehr können sie aufnehmen und den Blättern zuführen. Die neuen Triebe und Blätter werden sich üppiger entwickeln und die Früchte schöner, größer und süßer werden. Doch alles hat seine Grenzen. Es kann der Fall eintreten, dass wir den Pflanzen mehr Nährstoffe verabreichen, als sie verarbeiten können. Zu diesem Verarbeiten sind Wärme, Luft, Licht nötig, und wenn Wärme, Luft und Licht spärlich sind, nützt auch die üppigste Nahrung nichts.
Wärme ist nötig, weil erstens nur bei günstiger Wärme die Blätter Feuchtigkeit (Wasser) verdunsten. Diese Verdunstung durch die Blätter bietet aber für die Wurzeln die Anregung, neues Waser und mit ihm Nährstoffe aufzunehmen.

Die Wärme ist aber zweitens nötig, weil nur bei Wärme und Licht die Umwandlung der Stoffe in den grünen Blättern stattfinden kann. Viel Luft braucht die Pflanze ebenfalls zum Umbilden der Stoffe, denn es findet bei diesem Stoffwechsel ein Austausch mit der umgebenden atmosphärischen Luft statt. Eine Pflanze, die eingeschlossen oder unter Druck steht und nur spärlich den Zutritt der frischen Luft erhält, kann auch nur langsam und spärlich die Umwandlung der Stoffe vornehmen.
Wärme und Luft bedürfen aber nicht allein die oberirdischen Teile, die Stengel und Blätter zu ihrer Lebenstätigkeit, sondern ebenso sehr die Wurzeln. Deshalb spricht man so lobend von den Vorzügen eines warmen, durchlässigen Bodens als Gartenboden. Je günstiger diese drei, die Wärme, die Luft und das Licht zusammenwirken, um so besser kommt auch die Nahrung zur Geltung, um so besser arbeitet, um so besser gedeiht unsere Pflanze.


Man hat die Blätter oft schon als Lungen der Pflanzen bezeichnet und das ist ein ganz passender Vergleich. Die Blätter sind den Pflanzen zum Atmen und zum Leben ebenso nötig wie die Lungen für die warmblütigen Tiere, allerdings gilt das nur für die Wachstumszeit. Jedes einzelne Blatt ist in dieser Zeit von Wert, und wenn wir aus diesem oder jenem Grunde Blätter beseitigen, so greifen wir störend in die Lebenstätigkeit der Pflanze ein und hemmen wenigstens für einige Zeit das Wachstum, und wenn Raupen die Blätter zusammenwickeln oder abfressen, oder wenn eine dicke Staubschicht oder anderes die Blätter bedeckt, so bringt dies alles der Pflanze für lange Zeit hinaus großen Schaden.
Anders ist es in der Zeit der winterlichen Ruhe. Der Baum, der Strauch, die niedrige ausdauernde Pflanze pflegt im Herbst mit Hilfe der Blätter im festen Pflanzenkörper Nahrungsstoffe, sogenannte Reservestoffe, anzuspeichern. Hat dann das Blatt seine Pflicht erfüllt, so bildet sich zwischen ihm und den bleibenden Teilen eine dünne Korkschicht. Das Blatt fällt ab. Die aufgespeicherten Stoffe aber schützen die Pflanze vor der Kälte des Winters. Das Leben hört in der Pflanze auch jetzt nicht völlig auf, aber es äußert sich nur schwach. Die schlafende Pflanze braucht keine Wärme, kein Licht, nur etwas Luft, dann hält sie aus bis zum Frühjahre und im neuen Frühjahr dienen dann die aufgespeicherten Stoffe für die ersten Lebensbedürfnisse und reichen aus, bis die Pflanze wieder imstande ist neue Nahrung zu bilden.

 

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Mehr Informationen zu Johannes Böttner finden Sie unter:

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Ein Hinweis in eigener Sache:

Das Projekt Uropas Bauerngarten rettet altes und wertvolles Wissen, in dem es historische und in Vergessenheit geratene Bücher rund um die Themen Garten, Haushalt und Küche digitalisiert und von der damals üblichen Frakturschrift in eine leichter lesbare Schriftart übersetzt. Bitte beachten Sie, dass wir keine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit des abgedruckten Inhaltes geben können. Auch ist dieser weder durch uns geprüft, noch nach heutigen Standards auf die sachliche Richtigkeit bzw. Durchführbarkeit kontrolliert. Sie sollten die Informationen daher lediglich als historischen Abdruck mit Übersetzung und nicht als Handlungsanweisung verstehen. Die Anwendung bzw. Weitergabe der Inhalte geschehen in eigener Verantwortung.

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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Der Küchen- und Gemüsegarten Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Feinde und Freunde – Nützlinge im Garten

Feinde und Freunde unseres Gartens.

Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Unser Garten würde uns zum Paradies werden, wenn alles darin nach unseren Wünschen gedeihen und keinerlei feindliche Störungen eintreten wollte. Leider sind die Pflanzen des Gemüse-, Obst- und Blumengartens so mancherlei Schädigungen unterworfen, dass wir unsere ganze Kraft einsetzen müssen, den Garten in tadellosem  Zustande zu erhalten.

Hunterterlei verschiedener Ungeziefer frisst und knabbert an allen Ecken und bringt uns oft in schlimme Verlegenheit.

Was sollen wir tun, um dieses unheimliche Gesindel, das wir häufig gar nicht einmal kennen, von dem wir nur die Verwüstung sehen, zu vertreiben?

Ein hervorragender Gartenfreund und Kenner gärtnerischer Kultur schrieb mir vor einiger Zeit: „Es wird immer noch nicht genug beachtet, dass der beste Schutz der Pflanzen gegen alle Angriffe darin besteht, dass man sie gut und richtig kultiviert.“ Ich muss ihm Recht geben in dieser Auffassung. Die gut kultivierte Pflanze vermag den auf sie eindringenden Angriffen großen Widerstand entgegenzusetzen, weil sie kräftig ist. Ja, ich habe oft an Pflanzen in ungeeigneten Verhältnissen beobachten können, dass die Schmarotzer sofort verschwanden, als die Pflanzen in bessere Verhältnisse gebraucht oder die vorhandenen Übelstände beseitigt wurden, z.B. ein junger verlauster Baum machte sofort gesunde Triebe, als er eine kräftige Düngung erhielt, an anderer Stelle verschwand das Ungeziefer durch ein wiederholtes Abspritzen der Pflanzen mit reinem, klarem Wasser ohne irgend sonstige Maßnahmen.
Ein weiterer wichtiger Grundsatz ist, durch rechtzeitiges Eingreifen vorzubeugen und die Plage sich nicht ausbreiten zu lassen, sondern schon im Entstehen zu unterdrücken. Eine Massenplage kommt nie plötzlich, stets hat sich, wenn auch häufig unbemerkt, das
Ungeziefer, welches in Massen auftritt, zuvor vereinzelt gezeigt. Die Vermehrungskraft manches Schädlings ist allerdings eine gewaltige.
Mit einem Druck des Fingers könnten wir im Frühjahre oft die Stammeltern einer bis zum Herbst in das tausendfache wachsende Schaar vernichten. Es gilt also aufmerksam sein, die Pflanzen häufig absuchen und das Ungeziefer rastlos bekämpfen, so lange es noch vereinzelt vorkommt. So kann unvorbereitet eine große Plage nur den treffen, der unaufmerksam gewesen ist.
So mancher hätte nun gern ein Pülverchen oder eine Flüssigkeit, durch die all die Hallunken von unseren Lieblingen vertrieben werden. Kluge Fabrikaten haben sich das zu Nutze gemacht und Mittel fabriziert und zu teuren Preisen in den Handel gebracht. Wer aber die große Verschiedenheit der Insektenleiber kennt, wer es weiß, wie gut zum großen Teile diese Tiere bepanzert sind, wer andererseits die Verschiedenartigkeit ihrer Lebensweisen beachtet, der wird zugeben, dass ein Mittel für alle Zwecke von vornherein ein Unding ist.

Mittel zur Bekämpfung von Ungeziefer

Einige Mittel haben sich für verschiedene Zwecke gut bewährt, z.B. ist Tabaksaft sehr gut, auch Petroleum-Seifenbrühe kommt neuerdings sehr in Aufnahme. Die Bordelaiser Brühe, das ist eine Mischung von Kupfervitriol, Kalk und Wasser, wird gegen allerlei Pilzerkrankungen als sicherstes Schutzmittel bezeichnet. Diese Mittel finden sich an geeigneter Stelle angeführt. Das ist aber in keinem Fall die Hauptsache, dass man den Geldbeutel öffnet und irgendein gutes Mittel kauft, mit Wasser verdünnt und auf die Pflanzen spritzt. Auf die Sorgfalt kommt es an, mit der das Mittel angewendet wird. Ein einmaliges Verfahren wirkt nicht durchschlagend. Jedes Ungezieferbekämpfungsmittel muss wiederholt werden und zwar in kurzen Zeiträumen häufig und gründlich wiederholt.
Als Ungezieferbekämpfungsmittel obenan stelle ich das unmittelbare Absuchen des Ungeziefers. Es kostet nichts als Arbeit und ist dadurch in den meisten Fällen das billigste, außerdem ist es das sicherste, denn die Raupe, der Käfer, die Schnecke, die ich von der Pflanze oder vom Gartenbeet ablesen und dann vernichtet habe, kann sicher keinen Schaden mehr anrichten. Nun habe ich oft die Klage gehört: was nützt mir das Absammeln, am nächsten Tage sind neue Schaaren da. Sehr wohl, das ist richtig. Wir müssen am nächsten Tage wieder absammeln, am folgenden noch einmal, denn wir erwischen immer nur einen Teil der Missetäter. Nach dem wir aber einige Tage geduldig und unermüdlich gearbeitet haben, sehen wir schließlich erfreulichen Erfolg. Das Übel lässt nach – Wenn wir das Absuchen durch bezahlte Arbeitskräfte haben ausführen lassen, so ist es uns nicht so teuer geworden als die Anschaffung käuflicher Insektenmittel geworden wäre.

Der Nutzen von Kalk bei der Schädlingsbekämpfung


Ein erfahrener Gartenfreund, ein Lehrer, der auf dem Lande lebt, hat herausgefunden, dass der Kalk in seinen verschiedenen Formen, besonders der Staubkalk, zwar nicht in allen, aber doch in vielen Fällen Hilfe bringt. Zweifellos ist das Bestäuben der befallenen Pflanzen mit Staubkalk ein gutes Mittel, wenn man keine andere Hilfe weiß.
Das sind nur einige Andeutungen. Wer in allen Fällen das richtige treffen will, wird ohne Kenntnis der betreffenden Insekten meist wenig ausrichten können. Es ist von Freiherr von Schillig eine vorzügliche Schrift über die Schädlinge des Obst- und Weinbaues herausgegeben worden, die sollte jeder Gartenfreund besitzen. Wir wollen die schlimmsten
Schädlinge immer bei den Pflanzen nennen, denen sie am lästigsten werden und dann angeben, welche Wege zu ihrer Vernichtung einzuschlagen sind.

Hilfe durch Schlupfwespen

In einzelnen Fällen kann eine Plage so schlimm werden, dass unsere Kräfte nicht ausreichen zur durchgreifenden Bekämpfung. In solchen traurigen, aber glücklicherweise seltenen Fällen bleibt uns nichts weiter übrig, als die Hoffnung auf Besserung in der Zukunft. Solche Plagen verschwinden oft schneller als sie gekommen sind. Die vielen Feinde unserer Pflanzen haben auch wieder ihre Feinde, Raub- und Mordinsekten, die Schlupfwespen. Das sind kleine Wespen, die ihre Eier an oder in die Körper von Raupen legen. Aus den Eiern entschlüpfen Maden, die ihren Wirt, die Raupe, zu Grunde richten. Diese Schlupfwespen, deren jede Art in einer anderen Raupenart vorkommt, treten zuweilen so massenhaft auf, dass fast jede einzelne Raupe Maden beherbergt. Nur so ist es erklärlich, wie eine ungeheure Raupenplage ganz plötzlich von selbst wieder verschwinden kann. Ähnlich den Schlupfwespen (Ichneumoniden) wirken die Mordfliegen (Tachineen). Noch in den winzigsten Insekten und in den Insekteneiern kommen Schmarotzer vor, die Larven kleinster Wespchen, Brakoniden und Zehrwespchen. Alle diese noch so wenig bekannten Tierchen sind uns Gartenbautreibenden in hohem Grade nützlich. Sie alle sind geschaffen, um das Gleichgewicht in der Natur wieder herzustellen, um eine Massenplage auch eine ebenso massenhafte Gegenwirkung entgegenzusetzen.

 

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Lesen Sie mehr über das Buch „Gartenbuch für Anfänger“ von Johannes Böttner:

https://derselbstversorger.net/gartenbuch-fuer-anfaenger-johannes-boettner/

Mehr Informationen zu Johannes Böttner finden Sie unter:

https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_B%C3%B6ttner

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Das Projekt Uropas Bauerngarten rettet altes und wertvolles Wissen, in dem es historische und in Vergessenheit geratene Bücher rund um die Themen Garten, Haushalt und Küche digitalisiert und von der damals üblichen Frakturschrift in eine leichter lesbare Schriftart übersetzt. Bitte beachten Sie, dass wir keine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit des abgedruckten Inhaltes geben können. Auch ist dieser weder durch uns geprüft, noch nach heutigen Standards auf die sachliche Richtigkeit bzw. Durchführbarkeit kontrolliert. Sie sollten die Informationen daher lediglich als historischen Abdruck mit Übersetzung und nicht als Handlungsanweisung verstehen. Die Anwendung bzw. Weitergabe der Inhalte geschehen in eigener Verantwortung.

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Der Obstgarten Gartenarbeiten im Oktober

Pfirsichbäume aus Kernen ziehen

Kurzfassung

Diese sehr interessante Anleitung aus dem Jahr 1892 beschreibt, wie man sich Schritt für Schritt Pfirsichbäumen aus Steinen bzw. Kernen selbst ziehen kann, wann hierfür die beste Zeit ist und was man noch beachten sollte.

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Anbau, Sammeln und Trocknen von Walnüssen

Kurzfassung

Der nachfolgende Artikel beschreibt, wie Walnüsse richtig angebaut, geerntet und getrocknet werden. Vor allem wegen der Schimmelgefahr ist ein rasches Trocknen der Nüsse wichtig. Am besten eignen sich hierzu Horden in einem luftigen Raum. Das Trocknen unter Hitze sollte unbedingt vermieden werden…

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Der Nachfolgende Artikel ist ein Erfahrungsbericht aus dem Jahre 1846 zum Anbau und Nutzen von Sonnenblumen als Öl und Viehfutter.

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Der Küchen- und Gemüsegarten Gartenarbeiten im Februar

Anzuchttöpfe selbst herstellen

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Der Küchen- und Gemüsegarten Gartenarbeiten im Februar

Gemüseaussaat im Februar

 

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Der Obstgarten

Beschneiden der Himbeerruten nach dem Pflanzen

Wie man Himbeerruten richtig beschneidet

In der folgenden Abbildung wird grafisch sehr schön dargestellt, was passiert, wenn man Himbeeren im Jahr der Pflanzung falsch (a1) oder richtig (b1) schneidet und wie die weitere Entwicklung des Himbeerstockes drausfolgend in den kommenden Jahren sein kann. Dieses Bild erklärt die Problematik des Himbeeren verschneidens sehr ausführlich. Alle Schritte des Schneidens im Winter sind komplex und bündig auf den Bildern dargestellt.

Aus: Unbekannter Autor, Artikel erschienen in: „Der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau, Sonntag, 02. Februar 1890“

Auf der Abbildung sind die einzelnen Schritte aufgezeigt, wie man eine Himbeere nach dem Pflanzen verschneiden muss damit diese in den folgenden Jahren reich trägt und eine gute Ernte bringt.
Himbeeren richtig schneiden

1. Im Jahr der Pflanzung

a1 (falsch): Ruten beim Pflanzen nicht gestutzt. Die neuen Triebe bleiben schwach und kurz.
b1 (richtig): Ruten beim Pflanzen gestutzt. Die neuen Triebe werden kräftig und lang

2. Im nächsten Jahr

a2: Die Stöcke mit schwachen ruten können noch keine Ernte bringen, sie werden jetzt stark gestutzt, damit kräftige, neue Ruten treiben.
b2: Den kräftigen, langen Ruten werden nur die trockenen oder schwachen Spitzen weggeschnitten. Die Stöcke bringen im Jahre nach der Pflanzung schon reiche Ernte.

3. Im Sommer bilden sich neue Ruten

a3: Die zwar schwachen, aber sehr stark gestutzten Humbeerstöcke treiben jetzt ebenso kräftige, neue Ruten, als die von Anfang an richtig behandelten.
b3: Neue Triebe durch den Fruchtertrag der allen im Wachstum gemäßigt.


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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Der Küchen- und Gemüsegarten Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Mistbeete anlegen – eine Anleitung

Mistbeete anlegen
Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Soll der Anfänger Mistbeete anlegen? – Mag jeder selbst entscheiden.

Nutzen (Vorteile) eines Mistbeetes:
  1. Es können in den Mistbeeten die Gemüse- und Blumenpflanzen, die für einen größeren Hausgarten durchaus notwendig sind, die sich auch häufig recht schwer in der gewünschten Weise beschaffen lassen, billig und gut herangezogen werden.
  2. Es lassen sich Gemüse verschiedener Art darin treiben und werden vier bis sechs Wochen früher brauchbar, außerdem viel schöner und zarter als im Garten.
  3. Durch Mistbeetanlagen wird nebenbei viel gute Erde gewonnen.
Bedenken (Nachteile) gegen ein Mistbeet:
  1. Die Mistbeete verlangen eine sorgsame Überwachung und Pflege täglich an bestimmten Tagesstunden, sind also nur da angebracht, wo reichlich Zeit und Neigung des Besitzers oder zuverlässige Hilfskräfte vorhanden sind. – Wer nur zwei bis drei Morgenstunden seinem Garten sich widmen kann und keinen zuverlässigen Vertreter besitzt, wird Schwierigkeiten haben.
  2. Die richtige Pflege der Mistbeete ist nicht leicht zu erlernen. Ein kleines Versehen kann große Nachteile bringen. Für den Anfang wird man fast regelmäßig die Pflanzen und Gemüse billiger und besser kaufen können als man sie selbst zieht.
  3. Die Behandlung eines Mistbeetes zieht den Anfänger von mancher anderen Gartenbeschäftigung ab. Es muss aber immer Streben jedes Anfängers sein, nicht zu vielerlei vorzunehmen und seine Kräfte und Neigungen nicht zu zersplittern.

Ich persönlich möchte dazu raten, im ersten Jahre nicht gleich Mistbeete anzulegen, sondern sich zunächst einzuschränken und die nötigen Pflanzen anderweit zu beschaffen. Im zweiten oder dritten Jahre haben dann Mistbeetkulturen schon bessere Aussicht auf Erfolg.

Der richtige Mist für Mistbeete

Zur Mistbeetkultur gehört zunächst eine besonders gute Erde: reine, unverfälschte Mistbeeterde, aus verrottetem Pferdemist entstanden, aber völlig zu Erde geworden und nur zur Lockerung mit etwa 1/5 der Menge grobkörnigem Flußsand vermischt. – Jede andere Erde ist mehr oder weniger ungeeignet zur Mistbeetkultur. Eine neue Ursache, nicht gleich im ersten Jahre Mistbeete anzulegen, erst Erde schaffen dazu! Wer gezwungen ist, teilweise die Mistbeeterde zu ersetzen, der wähle leichte, gute, sandige Gartenerde, milde, lockere Rasenerde, gute Komposterde, ja keine schwere Erde, keine unverwesten Stoffe. Künstliche Dünger sind für Mistbeetkulturen erfahrungsgemäß völlig ungeeignet. Mit Abtritt gedüngte Erde ist ebenfalls unbrauchbar.

Gute, verrottete Mistbeeterde ist mindestens zwei Jahre alt. Unverweste, klumpige Bestandteile, die etwa in der Erde enthalten sind, kommen im geschlossenen, warmen Mistbeet noch zur Verwesung und stecken dann die Pflanzen mit an. Die Pflanzen bekommen durch schlechte Erde die bedenklichen schwarzen Füße, fallen um und sterben ab.

Die zu fette Erde ist also fast ebenso schlimm und schädlich wie künstlicher Dünger im Mistbeet. Um zu fette frische Erde brauchbarer zu machen, wird man sie über Winter bei Frost öfter durcharbeiten und mit viel Sand, sandiger Erde oder leichter und lockerer Rasenerde durchmischen.

Das Mistbeet muss erwärmt werden und hierzu ist kein Stoff so brauchbar wie der Pferdedünger. Man gräbt an geschützter sonniger Stelle eine Grube 1,50 Meter breit, 3 Meter lang und 60 cm tief regelrecht aus. In diese Grube packt man Pferdedünger. Der Pferdedünger kann frisch sein, besser ist es aber, er hat schon ein bis zwei Wochen auf dem Haufen gelegen, dann erwärmt er sich im Mistbeetkasten langsamer aber nachhaltiger.

Das Bild zeigt zwei verschiedene Gemüsepflanzen. Eine ist in schlechter und zu frischer, unverwester Erde gewachsen, die andere in guter selbst hergestellter Mistbeeterde.
Gemüsepflanzen aus dem selbst angelegten Mistbeetkasten – ein Vergleich (Gemüsepflanzen aus dem Mistbeet, a: aus frischer, unverwester Erde; b: aus gesunder Erde)

Schnee und Regen dürfen den Pferdedünger nicht durchnässen, sonst erwärmt er sich überhaupt nicht. Wenn die Grube halbvoll ist, kommt ein Bretterrahmen darauf: der Mistbeetkasten. Dieser Mistbeetkasten wird dann im Innern ganz voll Pferdedünger gepackt, so dass die Düngerschicht etwa 40 cm hoch ist. Je höher sie ist, desto stärker erwärmt sie sich.

Das Einpacken des Mistes ist eine Kunst, die erlernt sein will. Der Mist darf nicht korbweise in die Grube oder in den Kasten geworfen werden. Er muss Gabel für Gabel dicht festgepackt oder geschüttelt werden. Der Mist setzt sich nämlich, wenn er sich erwärmt; er wird sich ganz gleichmäßig setzen, wenn er gleichmäßig gepackt und festgetreten ist. Er darf an keiner Stelle klumpig liegen, sonst gibt es später die scheußlichsten Unebenheiten.

Mistbeet richtig anlegen

Zum Mistbeet gehören Fenster, Glasfenster mit Holzrahmen, 1 Meter breit und 1,50 Meter lang. Das Stück kaufen wir für ungefähr fünf Mark. Mistbeete mit drei Fenstern sind die bequemsten. – Der Mistbeetkasten, von dem wir sprachen, wird so eingerichtet, dass die Mistbeetfenster genau darauf passen, also 3 Meter breit und 1,50 Meter lang. Er darf aber nicht eben stehen; er muss etwas Fall haben und zwar nach Süden gerichtet, damit der Regen abläuft und die Sonne besser wirken kann. Die Rückwand wird also etwas höher, die Seitenwände schräg. Dort, wo die Fenster aufliegen sollen, werden an den Wänden Leisten angebracht. Im übrigen lässt sich so ein Kasten auf die verschiedenartigste Weise herrichten.

Das Bild zeigt ein Fenster für ein Selbstversorger-Mistbeet.
Ein Fenster ist essentiell für ein gutes Mistbeet.

Ist nun der Kasten voll Mist gepackt, der Mist schichtweise gut festgetreten, so werden die Fenster vorläufig aufgelegt, damit der Mist sich erwärmt. Nach vier bis fünf Tagen wird das in der Regel soweit geschehen sein, dass die oben beschriebene gute Mistbeeterde auf den Mist gebracht werden kann, etwa 20 cm hoch. Zwei oder drei Tage später ist diese Mistbeeterde auch durchwärmt und jetzt erst kann in das Mistbeet der Samen gesäet werden, der bei der Wärme von unten (Bodenwärme) und unter dem hellen und schützenden Glasdach bald aufgeht.

Materialien zum Packen von Mistbeeten

Zum Packen von Mistbeeten gibt es nichts Besseres als Pferdemist und es ist ein besonderer Vorzug des Pferdemistes, dass er, wenn er seine Wärme abgegeben hat, schnell verrottet und zu einer guten Erde wird.

Teilweise, um Ersparnisse zu machen, teilweise, um nicht so warme, dafür aber länger anhaltende Mistbeete zu erhalten, werden nun Ersatzstoffe benutzt, die allerdings nie so vortreffliche Mistbeeterde liefern.

Laub, zwischen den Pferdemist schichtweise gepackt, hält die Wärme länger an.

Schweinemist, Ziegenmist, selbst Rindermist mit dem Pferdemist vermischt, erwärmen sich langsamer. Mit solcher Mischung kann ohne Gefahr die Düngerschicht aus frischem Mist höher gepackt werden. Die Wärme ist dann anhaltender.

Torfstreudünger ist brauchbar zum Vermischen mit Laub und Pferdedünger.

Unkräuter, dürres Bohnen- und Erbsenstroh und dergleichen dienen in kaltem Boden als Unterlage. Man packt eine dicke Schicht davon unten in die Grube, damit der wertvolle und teure im Frühjahre oft gar nicht mal reichlich genug zu beschaffende Mist sich nicht zu sehr nach unten abkühlt. Ebenso kann Tannenreisig verwendet werden.

Sägespäne sind auch sehr gut zu gebrauchen, ebenso Lohe. Wollabfälle und Baumwollabfälle haben eine sehr große Heizkraft, noch größer als Pferdemist. Sie müssen aber beim Einpacken völlig durchnässt werden, sonst verursachen sie eine pflanzenfeindliche, trockene Luft. Die verrotteten Wollabfälle geben keine Mistbeeterde.

Unterschiedliche Nutzungsarten von Mistbeetkästen

Beim eigentlichen Betrieb der Mistbeetkulturen ist zweierlei zu unterscheiden:

  1. Gemüsetreiberei. Dieselbe beginnt im Januar. Zu dieser Jahreszeit sind hohe Mistpackungen erforderlich, außerdem muss unbedingt der ganze Kasten ringsum einen fußbreiten Umschlag von Dünger erhalten, der ihn ebenfalls erwärmt. Diese breite und tiefe Düngerumpackung wird nach einigen Wochen erneuert, um wieder neue Wärme zu schaffen.
  2. Anzucht von Gemüse- und Blumenpflanzen. Die Anlage dieser Mistbeete beginnt größtenteils erst Ende Februar, die Aussaat Anfang März. Man kann dann Ende März noch einmal Mistbeete anlegen mit geringer Mistpackung für solche Pflanzen, die weniger Wärme und kürzere Zeit zur Entwicklung brauchen. Es hat keinen Zweck, Mistbeete im Sommer anzulegen, weil erstens im Sommer wenig Pflanzen ausgesät werden und zweitens die natürliche Bodenwärme für die Pflanzen unseres Hausgartens völlig ausreicht. – Im Spätherbst werden auch keine Mistbeete angelegt, denn die Strahlen der Sonne werden immer spärlicher und die Pflanzen erhalten keine Kraft, um den Winter durchzuhalten. Bodenwärme allein macht es nicht, es muss auch Licht genug vorhanden sein zum Leben und Wachsen. Auf jeden Fall muss das Mistbeet so viel Sonnenschein als nur möglich bekommen. Ohne Sonne geht nichts.

 

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Lesen Sie mehr über das Buch „Gartenbuch für Anfänger“ von Johannes Böttner:

https://derselbstversorger.net/gartenbuch-fuer-anfaenger-johannes-boettner/

Mehr Informationen zu Johannes Böttner finden Sie unter:

https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_B%C3%B6ttner

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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Der Küchen- und Gemüsegarten Grundlagen für Anfänger

Das Bespritzen mit feuchter Luft

 

Das Bespritzen mit feuchter Luft
Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Gießen und Spritzen dürfen nicht verwechselt werden, wie es leider noch so oft geschieht. Es sind zwei grundverschiedene Dinge. Durch Gießen soll der Boden feucht gemacht werden, durch Spritzen nur die Luft. Gießen soll man nicht oft, aber gründlich. Spritzen im allgemeinen häufig, aber nur leicht. Zum Gießen gehört viel Wasser, zum Spritzen wenig. Das Gießen kommt den Wurzeln zu gute, das Bespritzen den Blättern.

Es gibt nun Gewächse, die durchaus in feuchter Luft leben wollen und andere, die sich gar nichts daraus machen. Um zu erkennen, ob eine Pflanze feuchte Luft liebt, braucht man sich nur die Blätter anzusehen. Pflanzen, die große Blätter haben, wollen auch feuchte Luft haben, Pflanzen, die kleine Blätter haben, vertragen trockene Luft. Ist die Luft sehr feucht, so wird der Wuchs der Blätter sehr befördert: die Pflanzen werden sehr üppig im Blattwuchs. Durch trockene Luft kann der Blattwuchs nie befördert werden, wohl aber die Blütenbildung, die Fruchtbarkeit.

Das sind so einige Punkte, die gelegentlich berücksichtigt werden können. Es lässt sich übrigens nicht streng durchführen, dass für die eine Pflanze gespritzt wird und für die andere nicht. Es muss auf einen passenden Ausgleich Bedacht genommen werden.

Wer nun ein kleines Gärtchen hat, welches eingeschlossen liegt, aber in voller Prellsonne, dabei in trockener Lage, der hat durchweg eine viel zu trockene Luft, und wenn manches bei ihm nicht fortkommen will trotz Gießens, so ist nur die trockene Luft daran schuld.

Werdersche Handspritze

Hier kann fleißiges Spritzen wahre Wunder hervorbringen. – Blattpflanzen, die bisher mickerten und quierten, entfalten sich zu nie geahnter Üppigkeit. Spalierbäume entfalten große, üppige und gesunde Blätter, und der Rasen wird schön grün.

Die wichtigste Zeit zum Spritzen ist der Hochsommer. Im Frühjahre ist die Luft noch kühl und feucht genug, im Herbst wird sie auch wieder kühler und feuchter. Ende Mai, im Juni, Juli und August aber ist es in der Regel zu heiß und zu trocken. Durch das Spritzen wird dann vielfach ein Ausgleich geschaffen zwischen dem feuchten und kühlen Boden und der trockenen Luft. Es kommt im Hochsommer in trockenen Lagen vor, dass längere Zeit indurch der die Pflanzen erfrischende, ihnen so wohltuende Tau gänzlich ausbleibt. In dieser Zeit wird das Spritzen eine wahre Wohltat für alle Pflanzen und in kleinen, engen Stadtgärtchen, wo von Natur die Taubildung eine sehr geringe ist, unter Bäumen, an Stellen, wo wegen mangelnden Taues nichts recht hochkommen will, da können wir durch geschicktes Spritzen bei sonst günstigen Kulturbedingungen alles erreichen.

Hildebrandtsche Spritze

Gelegentlich kann das Spritzen trotz der guten Wirkung recht nachteilig werden, so z.B. habe ich bei Busch-Bohnen und Erbsen regelmäßig beobachtet, wenn sie gespritzt wurden, dass dies das Wachsen ungemein anregte. Sie trieben an einem Tage fingerlange Triebe, aber die Fruchtbarkeit gewann nicht dadurch. Im Gegenteil, je mehr sie sich üppig belaubten, um so schlechter setzten sie Schoten an. Solche Gemüse wird man deshalb, wenn ein Gießen nötig wird, nur mit dem Rohre gießen, da ein Gießen mit der Brause gleichzeitig als Spritzen wirkt. – Für den Gemüsegarten, in dem man die regenspendende Brause hat, braucht man also kein besonderes Gerät zum Spritzen. Man hält die Brause etwas hoch und bewegt sie eifrig und schnell über das Beet, dann spritzt man; wenn man mehr gießend wirken will, wird man sie niedrig halten und ruhig und langsam fortbewegen.

Eine billige, kleine Handspritze, auch für Spalierobst äußerst wertvoll, ist die Werdersche Spritze. Man erzielt damit einen kräftigen Strahl von 5 Metern Weite. Das Gerät kostet etwa drei Mark.

Die größere Hildebrandsche Spritze nach Obstzüchter Kottes Angaben hergestellt, hat den Vorzug, dass der nötige Wasserkübel gleich mit der Spritze verbunden ist. Strahlweite 8 Meter – auch feine Brause ist möglich. Dieses praktische Gerät kann bequem von einer Person in Tätigkeit gesetzt werden.

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Lesen Sie mehr über das Buch „Gartenbuch für Anfänger“ von Johannes Böttner:

https://derselbstversorger.net/gartenbuch-fuer-anfaenger-johannes-boettner/

Mehr Informationen zu Johannes Böttner finden Sie unter:

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