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Sonnenblumen anbauen – Zum Nutzen der Sonnenblume

Kurzfassung

Der Nachfolgende Artikel ist ein Erfahrungsbericht aus dem Jahre 1846 zum Anbau und Nutzen von Sonnenblumen als Öl und Viehfutter.

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Der Küchen- und Gemüsegarten Gartenarbeiten im Februar

Anzuchttöpfe selbst herstellen

Eine Anleitung, wie man sich ökologische und biologische Töpfe zur Vorzucht von verschiedenem Gemüse aus einem alten Leinensack selber herstellen kann.

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Der Küchen- und Gemüsegarten Gartenarbeiten im Februar

Gemüseaussaat im Februar

 

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Der Obstgarten

Beschneiden der Himbeerruten nach dem Pflanzen

Wie man Himbeerruten richtig beschneidet

In der folgenden Abbildung wird grafisch sehr schön dargestellt, was passiert, wenn man Himbeeren im Jahr der Pflanzung falsch (a1) oder richtig (b1) schneidet und wie die weitere Entwicklung des Himbeerstockes drausfolgend in den kommenden Jahren sein kann. Dieses Bild erklärt die Problematik des Himbeeren verschneidens sehr ausführlich. Alle Schritte des Schneidens im Winter sind komplex und bündig auf den Bildern dargestellt.

Aus: Unbekannter Autor, Artikel erschienen in: „Der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau, Sonntag, 02. Februar 1890“

Auf der Abbildung sind die einzelnen Schritte aufgezeigt, wie man eine Himbeere nach dem Pflanzen verschneiden muss damit diese in den folgenden Jahren reich trägt und eine gute Ernte bringt.
Himbeeren richtig schneiden

1. Im Jahr der Pflanzung

a1 (falsch): Ruten beim Pflanzen nicht gestutzt. Die neuen Triebe bleiben schwach und kurz.
b1 (richtig): Ruten beim Pflanzen gestutzt. Die neuen Triebe werden kräftig und lang

2. Im nächsten Jahr

a2: Die Stöcke mit schwachen ruten können noch keine Ernte bringen, sie werden jetzt stark gestutzt, damit kräftige, neue Ruten treiben.
b2: Den kräftigen, langen Ruten werden nur die trockenen oder schwachen Spitzen weggeschnitten. Die Stöcke bringen im Jahre nach der Pflanzung schon reiche Ernte.

3. Im Sommer bilden sich neue Ruten

a3: Die zwar schwachen, aber sehr stark gestutzten Humbeerstöcke treiben jetzt ebenso kräftige, neue Ruten, als die von Anfang an richtig behandelten.
b3: Neue Triebe durch den Fruchtertrag der allen im Wachstum gemäßigt.


Ein Hinweis in eigener Sache:

Das Projekt Uropas Bauerngarten rettet altes und wertvolles Wissen, in dem es historische und in Vergessenheit geratene Bücher rund um die Themen Garten, Haushalt und Küche digitalisiert und von der damals üblichen Frakturschrift in eine leichter lesbare Schriftart übersetzt. Bitte beachten Sie, dass wir keine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit des abgedruckten Inhaltes geben können. Auch ist dieser weder durch uns geprüft, noch nach heutigen Standards auf die sachliche Richtigkeit bzw. Durchführbarkeit kontrolliert. Sie sollten die Informationen daher lediglich als historischen Abdruck mit Übersetzung und nicht als Handlungsanweisung verstehen. Die Anwendung bzw. Weitergabe der Inhalte geschehen in eigener Verantwortung.

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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Der Küchen- und Gemüsegarten Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Mistbeete anlegen – eine Anleitung

Mistbeete anlegen
Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Soll der Anfänger Mistbeete anlegen? – Mag jeder selbst entscheiden.

Nutzen (Vorteile) eines Mistbeetes:
  1. Es können in den Mistbeeten die Gemüse- und Blumenpflanzen, die für einen größeren Hausgarten durchaus notwendig sind, die sich auch häufig recht schwer in der gewünschten Weise beschaffen lassen, billig und gut herangezogen werden.
  2. Es lassen sich Gemüse verschiedener Art darin treiben und werden vier bis sechs Wochen früher brauchbar, außerdem viel schöner und zarter als im Garten.
  3. Durch Mistbeetanlagen wird nebenbei viel gute Erde gewonnen.
Bedenken (Nachteile) gegen ein Mistbeet:
  1. Die Mistbeete verlangen eine sorgsame Überwachung und Pflege täglich an bestimmten Tagesstunden, sind also nur da angebracht, wo reichlich Zeit und Neigung des Besitzers oder zuverlässige Hilfskräfte vorhanden sind. – Wer nur zwei bis drei Morgenstunden seinem Garten sich widmen kann und keinen zuverlässigen Vertreter besitzt, wird Schwierigkeiten haben.
  2. Die richtige Pflege der Mistbeete ist nicht leicht zu erlernen. Ein kleines Versehen kann große Nachteile bringen. Für den Anfang wird man fast regelmäßig die Pflanzen und Gemüse billiger und besser kaufen können als man sie selbst zieht.
  3. Die Behandlung eines Mistbeetes zieht den Anfänger von mancher anderen Gartenbeschäftigung ab. Es muss aber immer Streben jedes Anfängers sein, nicht zu vielerlei vorzunehmen und seine Kräfte und Neigungen nicht zu zersplittern.

Ich persönlich möchte dazu raten, im ersten Jahre nicht gleich Mistbeete anzulegen, sondern sich zunächst einzuschränken und die nötigen Pflanzen anderweit zu beschaffen. Im zweiten oder dritten Jahre haben dann Mistbeetkulturen schon bessere Aussicht auf Erfolg.

Der richtige Mist für Mistbeete

Zur Mistbeetkultur gehört zunächst eine besonders gute Erde: reine, unverfälschte Mistbeeterde, aus verrottetem Pferdemist entstanden, aber völlig zu Erde geworden und nur zur Lockerung mit etwa 1/5 der Menge grobkörnigem Flußsand vermischt. – Jede andere Erde ist mehr oder weniger ungeeignet zur Mistbeetkultur. Eine neue Ursache, nicht gleich im ersten Jahre Mistbeete anzulegen, erst Erde schaffen dazu! Wer gezwungen ist, teilweise die Mistbeeterde zu ersetzen, der wähle leichte, gute, sandige Gartenerde, milde, lockere Rasenerde, gute Komposterde, ja keine schwere Erde, keine unverwesten Stoffe. Künstliche Dünger sind für Mistbeetkulturen erfahrungsgemäß völlig ungeeignet. Mit Abtritt gedüngte Erde ist ebenfalls unbrauchbar.

Gute, verrottete Mistbeeterde ist mindestens zwei Jahre alt. Unverweste, klumpige Bestandteile, die etwa in der Erde enthalten sind, kommen im geschlossenen, warmen Mistbeet noch zur Verwesung und stecken dann die Pflanzen mit an. Die Pflanzen bekommen durch schlechte Erde die bedenklichen schwarzen Füße, fallen um und sterben ab.

Die zu fette Erde ist also fast ebenso schlimm und schädlich wie künstlicher Dünger im Mistbeet. Um zu fette frische Erde brauchbarer zu machen, wird man sie über Winter bei Frost öfter durcharbeiten und mit viel Sand, sandiger Erde oder leichter und lockerer Rasenerde durchmischen.

Das Mistbeet muss erwärmt werden und hierzu ist kein Stoff so brauchbar wie der Pferdedünger. Man gräbt an geschützter sonniger Stelle eine Grube 1,50 Meter breit, 3 Meter lang und 60 cm tief regelrecht aus. In diese Grube packt man Pferdedünger. Der Pferdedünger kann frisch sein, besser ist es aber, er hat schon ein bis zwei Wochen auf dem Haufen gelegen, dann erwärmt er sich im Mistbeetkasten langsamer aber nachhaltiger.

Das Bild zeigt zwei verschiedene Gemüsepflanzen. Eine ist in schlechter und zu frischer, unverwester Erde gewachsen, die andere in guter selbst hergestellter Mistbeeterde.
Gemüsepflanzen aus dem selbst angelegten Mistbeetkasten – ein Vergleich (Gemüsepflanzen aus dem Mistbeet, a: aus frischer, unverwester Erde; b: aus gesunder Erde)

Schnee und Regen dürfen den Pferdedünger nicht durchnässen, sonst erwärmt er sich überhaupt nicht. Wenn die Grube halbvoll ist, kommt ein Bretterrahmen darauf: der Mistbeetkasten. Dieser Mistbeetkasten wird dann im Innern ganz voll Pferdedünger gepackt, so dass die Düngerschicht etwa 40 cm hoch ist. Je höher sie ist, desto stärker erwärmt sie sich.

Das Einpacken des Mistes ist eine Kunst, die erlernt sein will. Der Mist darf nicht korbweise in die Grube oder in den Kasten geworfen werden. Er muss Gabel für Gabel dicht festgepackt oder geschüttelt werden. Der Mist setzt sich nämlich, wenn er sich erwärmt; er wird sich ganz gleichmäßig setzen, wenn er gleichmäßig gepackt und festgetreten ist. Er darf an keiner Stelle klumpig liegen, sonst gibt es später die scheußlichsten Unebenheiten.

Mistbeet richtig anlegen

Zum Mistbeet gehören Fenster, Glasfenster mit Holzrahmen, 1 Meter breit und 1,50 Meter lang. Das Stück kaufen wir für ungefähr fünf Mark. Mistbeete mit drei Fenstern sind die bequemsten. – Der Mistbeetkasten, von dem wir sprachen, wird so eingerichtet, dass die Mistbeetfenster genau darauf passen, also 3 Meter breit und 1,50 Meter lang. Er darf aber nicht eben stehen; er muss etwas Fall haben und zwar nach Süden gerichtet, damit der Regen abläuft und die Sonne besser wirken kann. Die Rückwand wird also etwas höher, die Seitenwände schräg. Dort, wo die Fenster aufliegen sollen, werden an den Wänden Leisten angebracht. Im übrigen lässt sich so ein Kasten auf die verschiedenartigste Weise herrichten.

Das Bild zeigt ein Fenster für ein Selbstversorger-Mistbeet.
Ein Fenster ist essentiell für ein gutes Mistbeet.

Ist nun der Kasten voll Mist gepackt, der Mist schichtweise gut festgetreten, so werden die Fenster vorläufig aufgelegt, damit der Mist sich erwärmt. Nach vier bis fünf Tagen wird das in der Regel soweit geschehen sein, dass die oben beschriebene gute Mistbeeterde auf den Mist gebracht werden kann, etwa 20 cm hoch. Zwei oder drei Tage später ist diese Mistbeeterde auch durchwärmt und jetzt erst kann in das Mistbeet der Samen gesäet werden, der bei der Wärme von unten (Bodenwärme) und unter dem hellen und schützenden Glasdach bald aufgeht.

Materialien zum Packen von Mistbeeten

Zum Packen von Mistbeeten gibt es nichts Besseres als Pferdemist und es ist ein besonderer Vorzug des Pferdemistes, dass er, wenn er seine Wärme abgegeben hat, schnell verrottet und zu einer guten Erde wird.

Teilweise, um Ersparnisse zu machen, teilweise, um nicht so warme, dafür aber länger anhaltende Mistbeete zu erhalten, werden nun Ersatzstoffe benutzt, die allerdings nie so vortreffliche Mistbeeterde liefern.

Laub, zwischen den Pferdemist schichtweise gepackt, hält die Wärme länger an.

Schweinemist, Ziegenmist, selbst Rindermist mit dem Pferdemist vermischt, erwärmen sich langsamer. Mit solcher Mischung kann ohne Gefahr die Düngerschicht aus frischem Mist höher gepackt werden. Die Wärme ist dann anhaltender.

Torfstreudünger ist brauchbar zum Vermischen mit Laub und Pferdedünger.

Unkräuter, dürres Bohnen- und Erbsenstroh und dergleichen dienen in kaltem Boden als Unterlage. Man packt eine dicke Schicht davon unten in die Grube, damit der wertvolle und teure im Frühjahre oft gar nicht mal reichlich genug zu beschaffende Mist sich nicht zu sehr nach unten abkühlt. Ebenso kann Tannenreisig verwendet werden.

Sägespäne sind auch sehr gut zu gebrauchen, ebenso Lohe. Wollabfälle und Baumwollabfälle haben eine sehr große Heizkraft, noch größer als Pferdemist. Sie müssen aber beim Einpacken völlig durchnässt werden, sonst verursachen sie eine pflanzenfeindliche, trockene Luft. Die verrotteten Wollabfälle geben keine Mistbeeterde.

Unterschiedliche Nutzungsarten von Mistbeetkästen

Beim eigentlichen Betrieb der Mistbeetkulturen ist zweierlei zu unterscheiden:

  1. Gemüsetreiberei. Dieselbe beginnt im Januar. Zu dieser Jahreszeit sind hohe Mistpackungen erforderlich, außerdem muss unbedingt der ganze Kasten ringsum einen fußbreiten Umschlag von Dünger erhalten, der ihn ebenfalls erwärmt. Diese breite und tiefe Düngerumpackung wird nach einigen Wochen erneuert, um wieder neue Wärme zu schaffen.
  2. Anzucht von Gemüse- und Blumenpflanzen. Die Anlage dieser Mistbeete beginnt größtenteils erst Ende Februar, die Aussaat Anfang März. Man kann dann Ende März noch einmal Mistbeete anlegen mit geringer Mistpackung für solche Pflanzen, die weniger Wärme und kürzere Zeit zur Entwicklung brauchen. Es hat keinen Zweck, Mistbeete im Sommer anzulegen, weil erstens im Sommer wenig Pflanzen ausgesät werden und zweitens die natürliche Bodenwärme für die Pflanzen unseres Hausgartens völlig ausreicht. – Im Spätherbst werden auch keine Mistbeete angelegt, denn die Strahlen der Sonne werden immer spärlicher und die Pflanzen erhalten keine Kraft, um den Winter durchzuhalten. Bodenwärme allein macht es nicht, es muss auch Licht genug vorhanden sein zum Leben und Wachsen. Auf jeden Fall muss das Mistbeet so viel Sonnenschein als nur möglich bekommen. Ohne Sonne geht nichts.

 

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Lesen Sie mehr über das Buch „Gartenbuch für Anfänger“ von Johannes Böttner:

https://derselbstversorger.net/gartenbuch-fuer-anfaenger-johannes-boettner/

Mehr Informationen zu Johannes Böttner finden Sie unter:

https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_B%C3%B6ttner

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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Der Küchen- und Gemüsegarten Grundlagen für Anfänger

Das Bespritzen mit feuchter Luft

 

Das Bespritzen mit feuchter Luft
Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Gießen und Spritzen dürfen nicht verwechselt werden, wie es leider noch so oft geschieht. Es sind zwei grundverschiedene Dinge. Durch Gießen soll der Boden feucht gemacht werden, durch Spritzen nur die Luft. Gießen soll man nicht oft, aber gründlich. Spritzen im allgemeinen häufig, aber nur leicht. Zum Gießen gehört viel Wasser, zum Spritzen wenig. Das Gießen kommt den Wurzeln zu gute, das Bespritzen den Blättern.

Es gibt nun Gewächse, die durchaus in feuchter Luft leben wollen und andere, die sich gar nichts daraus machen. Um zu erkennen, ob eine Pflanze feuchte Luft liebt, braucht man sich nur die Blätter anzusehen. Pflanzen, die große Blätter haben, wollen auch feuchte Luft haben, Pflanzen, die kleine Blätter haben, vertragen trockene Luft. Ist die Luft sehr feucht, so wird der Wuchs der Blätter sehr befördert: die Pflanzen werden sehr üppig im Blattwuchs. Durch trockene Luft kann der Blattwuchs nie befördert werden, wohl aber die Blütenbildung, die Fruchtbarkeit.

Das sind so einige Punkte, die gelegentlich berücksichtigt werden können. Es lässt sich übrigens nicht streng durchführen, dass für die eine Pflanze gespritzt wird und für die andere nicht. Es muss auf einen passenden Ausgleich Bedacht genommen werden.

Wer nun ein kleines Gärtchen hat, welches eingeschlossen liegt, aber in voller Prellsonne, dabei in trockener Lage, der hat durchweg eine viel zu trockene Luft, und wenn manches bei ihm nicht fortkommen will trotz Gießens, so ist nur die trockene Luft daran schuld.

Werdersche Handspritze

Hier kann fleißiges Spritzen wahre Wunder hervorbringen. – Blattpflanzen, die bisher mickerten und quierten, entfalten sich zu nie geahnter Üppigkeit. Spalierbäume entfalten große, üppige und gesunde Blätter, und der Rasen wird schön grün.

Die wichtigste Zeit zum Spritzen ist der Hochsommer. Im Frühjahre ist die Luft noch kühl und feucht genug, im Herbst wird sie auch wieder kühler und feuchter. Ende Mai, im Juni, Juli und August aber ist es in der Regel zu heiß und zu trocken. Durch das Spritzen wird dann vielfach ein Ausgleich geschaffen zwischen dem feuchten und kühlen Boden und der trockenen Luft. Es kommt im Hochsommer in trockenen Lagen vor, dass längere Zeit indurch der die Pflanzen erfrischende, ihnen so wohltuende Tau gänzlich ausbleibt. In dieser Zeit wird das Spritzen eine wahre Wohltat für alle Pflanzen und in kleinen, engen Stadtgärtchen, wo von Natur die Taubildung eine sehr geringe ist, unter Bäumen, an Stellen, wo wegen mangelnden Taues nichts recht hochkommen will, da können wir durch geschicktes Spritzen bei sonst günstigen Kulturbedingungen alles erreichen.

Hildebrandtsche Spritze

Gelegentlich kann das Spritzen trotz der guten Wirkung recht nachteilig werden, so z.B. habe ich bei Busch-Bohnen und Erbsen regelmäßig beobachtet, wenn sie gespritzt wurden, dass dies das Wachsen ungemein anregte. Sie trieben an einem Tage fingerlange Triebe, aber die Fruchtbarkeit gewann nicht dadurch. Im Gegenteil, je mehr sie sich üppig belaubten, um so schlechter setzten sie Schoten an. Solche Gemüse wird man deshalb, wenn ein Gießen nötig wird, nur mit dem Rohre gießen, da ein Gießen mit der Brause gleichzeitig als Spritzen wirkt. – Für den Gemüsegarten, in dem man die regenspendende Brause hat, braucht man also kein besonderes Gerät zum Spritzen. Man hält die Brause etwas hoch und bewegt sie eifrig und schnell über das Beet, dann spritzt man; wenn man mehr gießend wirken will, wird man sie niedrig halten und ruhig und langsam fortbewegen.

Eine billige, kleine Handspritze, auch für Spalierobst äußerst wertvoll, ist die Werdersche Spritze. Man erzielt damit einen kräftigen Strahl von 5 Metern Weite. Das Gerät kostet etwa drei Mark.

Die größere Hildebrandsche Spritze nach Obstzüchter Kottes Angaben hergestellt, hat den Vorzug, dass der nötige Wasserkübel gleich mit der Spritze verbunden ist. Strahlweite 8 Meter – auch feine Brause ist möglich. Dieses praktische Gerät kann bequem von einer Person in Tätigkeit gesetzt werden.

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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Der Küchen- und Gemüsegarten Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Das Häufeln

 Das Häufeln
Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Oft sind es nur Kleinigkeiten, auf die es ankommt im Gartenbau, die aber ausreichend sind, um zu beurteilen, ob eine Gartenarbeit gut oder schlecht ausgeführt worden ist. Der Anfänger arbeitet mit der kleinen, spitzen Schwanenhalshacke auf seinem Gartenbeet. Er glaubt es recht gut zu machen. Halt! Rufen wir, die wir ihm zusehen, siehst Du denn nicht, dass Du den Pflanzen Schaden zufügst, indem Du die Erde von den Wurzeln weghackst! – Er sieht es wahrscheinlich nicht und glaubt es auch nicht, denn in Wirklichkeit liegen ja die Wurzeln noch nicht blos, wohl aber besteht die Gefahr, dass sie blos liegen werden nach dem ersten Regen. Nicht von den Pflanzen weg, sondern nach den Pflanzen hin ist die Erde zu bewegen bei der Auflockerung der Bodenkruste. – Es ist noch wenig bekannt, welch ein ausgezeichnetes Schutzmittel für die Pflanzen wir in der Erde besitzen.

Behutsam und vorsichtig ziehen wir mit dem Gartenhäckchen indem wir es leicht und flach durch den Boden bewegen, etwas Erde zu den Pflanzen. Rings um die Pflanzen entsteht ein kleiner, flacher Erdhaufen, die Pflanze selbst steht mitten in dem Erdhaufen. Wir haben sie „behäufelt“, das ist der Fachausdruck hierfür.

Sehr bekannt und allgemein gebräuchlich ist das Anhäufeln beim Kartoffelanbau. Hier dient die angehäufelte Erde unmittelbar zum Schutz der neuentstehenden Knollen, zur Vermehrung des Erdreichs für Ausbildung derselben. Bei den Gemüsepflanzen wird nur flach Erde angehäufelt, nicht so hoch wie bei Kartoffeln! Es sollen durch die herangezogene Erde die Wurzeln geschützt und feucht gehalten werden. Außerdem bleibt der Stengel frischer und ausdehnungsfähiger. Man hat allgemein bei den Gemüsen, die in der Jugend behäufelt wurden, größere Neigung zur Fruchtbarkeit beobachtet. – Erbsen und Bohnen, bei denen die Trupps einen gemeinschaftlichen Erdhaufen zum Schutz erhielten, standen fester auch in leichtem Boden und litten auch nicht so sehr von Trockenheit, ebenso Kohlgewächse. – Die Blätter bleiben frei von Erde. – Deshalb werden solche Gemüse deren Blätter flach auf der Erde liegen (Salat), nicht behäufelt, auch Radies, Karotten usw. schon wegen ihrer Kleinheit nicht. – Bei verschiedenen anderen, wie Bleichsellerie, Cardy (Artischocke), wird im Herbst, wenn sie sich schon ausgebildet haben, viel Erde angehäufelt zum Bleichen.

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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Der Küchen- und Gemüsegarten Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Die Vernichtung von Unkraut – Unkraut jäten

 

Das Jäten der Unkräuter
Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Schon der eigenen Lockerung wegen wird Gartenboden so häufig behackt, dass kein Unkraut wachsen kann. Es sind also nur vernachlässigte Kulturen, in denen Unkräuter sich ausbreiten können. Am schlimmsten haben jene Gartenbesitzer am Unkraut zu leiden, die mit ihren Arbeiten nie zur rechten Zeit fertig werden. Das ist ja selbstverständlich, dass die Stelle, auf der eine Unkrautpflanze wächst, nicht von den Kulturpflanzen ausgenutzt wird und dass die Nahrung, welche die Unkrautpflanze verzehrt, den Kulturpflanzen entzogen wird. Da, wo also Unkraut sich einnistet, wird der Boden ausgesogen und der Ertrag geschmälert. Doch wir nehmen den Gartenbau zu ernst und werden allen Eifer daran setzen, um zu verhüten, dass in unserem Garten Unkräuter die Kulturpflanzen verdrängen können. Dass es einen hässlichen, wüsten Eindruck macht das Unkraut auf den Beeten und auf den Wegen, daran brauchen wir erst gar nicht zu denken.

Wir haben zu unterscheiden: einjährige Unkräuter und ausdauernde oder Wurzelunkräuter. Von einjährigen Unkräutern sind Melde, Vogelmiere und Brennnessel, unter den ausdauernden Quecke, Schachtelhalm und Distel die gefährlichsten und ziemlich allgemein verbreitet. Es gilt nun sowohl von den einjährigen, als auch von den Wurzelunkräutern der Grundsatz „kein Unkraut ist unausrottbar“. Es weicht sofort von selbst der besseren Kultur.

Beim einjährigen Unkraut, das sind also Unkrautpflanzen, die nur ein Jahr leben, kommt es darauf an, das Blühen zu verhüten, denn gleich nach dem Blühen ist auch der Samen reif, gelangt in den Boden und so vermehrt sich das Unkraut durch Selbstaussaat bis in das Unendliche. Je besser der Boden, desto üppiger wuchert das Zeug. Jätet oder hackt man nun, wie es ja eigentlich selbstverständlich ist, sämtliches Unkraut im Garten und in der nächsten Umgebung aus, noch bevor es blüht, so wird jedenfalls das Ausstreuen von Samen und später das Erscheinen neuer Unkrautpflanzen gewaltig verringert. Zwei oder drei Jahre vielleicht kommt der in der Tiefe ruhende Samen noch zur Oberfläche und geht auf, aber schließlich kann neuer Unkrautsamen nur durch den Dünger oder durch den Wind in den Garten gebracht werden. Das ist aber nicht so viel wie mancher zu seiner eigenen Entschuldigung sehr gern  annehmen möchte. Der selbstgezüchtete Unkrautsamen liefert leider im Garten viel mehr Unkräuter.

Das Bild zeigt das Unkraut Vogelmiere.
Die Vogelmiere ist ein einjähriges Unkraut.

Bei jungen Saaten geht gleichzeitig mit den gesäeten Sachen, zuweilen sogar noch früher, viel Unkraut auf. Der Anfänger ist da im Zweifel, was er ausziehen und was er stehen lassen soll, weil er die guten Pflanzen von den schlechten noch nicht unterscheiden kann. Das lernt sich aber schnell. Wenn man in fünf Blumentöpfe fünferlei verschiedene verschiedene Samen säet, und es zeigen sich dann die gleichen Pflanzen in sämtlichen fünf Töpfchen, so weiß man gleich, das müssen Unkräuter sein.

Wer etwas aufmerksam hinsieht und vergleicht, erkennt ein Unkraut nach dem andern und schließlich bleibt, wenn alle erkannten Unkräuter ausgezogen sind, nicht viel mehr übrig als die guten Pflanzen. Im Gemüsegarten säet der Anfänger meistens in Reihen. Dann erkennt er um so deutlicher die edlen Pflanzen und kann die Unkräuter sehr leicht dadurch beseitigen, dass er zwischen den Reihen einfach flach mit der Hacke durchzieht, d.h. nicht hackt, sondern nur oberflächlich abschürft.

Es kommt nur darauf an, den richtigen Zeitpunkt zu treffen und dieser Zeitpunkt ist immer so früh als möglich. Sobald man das Unkraut fassen kann, wird es ausgezogen und ausgehackt. Gerade in der ersten Zeit schadet es so ungeheuer. Haben die Kulturpflanzen erst einmal die Oberhand gewonnen, dann sorgen sie ganz von selbst dafür, dass kein Unkraut mehr aufkommen kann; sie ersticken es einfach.

Mit den ausdauernden Unkräutern hat man einen schwierigen Stand, weil die Wurzeln tief unten im Boden bleiben und immer wieder neu ausschlagen. Es scheint fast, als ob durch das Obenabhacken die Wurzeln nur gereizt würden, immer eifriger neue Triebe hervorbringen. Das ist aber nur scheinbar. Erfolgt das Abhacken sehr energisch und wird gründlich bis zum Herbst fortgesetzt, so werden die Wurzeln derartig geschwächt, dass sie im nächsten Jahre nicht wieder treiben. Ähnliches kann man ja bei der ausdauernden Gemüsepflanze, dem Spargel, beobachten. Werden im April, Mai und Juni sämtliche hervorkommenden Sprossen (Pfeifen) weggestochen, so treiben die Wurzeln aus eigener Kraft unverdrossen neue Sprossen. Setzt man aber das Wegstechen bis in den September fort, so wird der Spargel totgestochen.

Das Bild zeigt das Unkraut Ackerschachtelhalm.
Der Ackerschachtelhalm ist ein lästiges, ausdauerndes Unkraut.

Noch wirksamer in Bezug auf die Vernichtung ist allerdings das Ausreißen des Krautes in der Zeit des höchsten Wachstums, wie es z.B. bei Disteln sehr angebracht ist. Werden in vollster Entwicklung kurz vor der Blüte die Stengel erfasst und ausgerissen, nicht aber abgeschnitten, so erstickt die Wurzel in der Regel im eigenen Safte, weil sie in dieser Zeit nicht schnell genug neue Triebe, welche die Säfte der Wurzeln aufnehmen und verarbeiten, hervorbringen kann.

Das Bild zeigt das Unkraut Quecke.
Neben dem Ackerschachtelhalm ist auch die Quecke ein mehrjärhriges und schwer zu bekämpfendes Unkraut bzw. Ungras.

Im Übrigen wirkt auch bei ausdauernden Unkräutern am besten das Verfahren des Erstickens. Die Kulturpflanzen müssen dicht und üppig stehen, dann kann das Unkraut zwischen ihnen nicht aufkommen, es ist gar nicht möglich! Auch die Wurzeln der Dauerunkräuter gehen ein.

So beim Schachtelhalm. Diesem lästigen Unkraut, dessen Wurzeln mehrere Meter tief in den Boden eindringen, ist anscheinend schwer beizukommen. Er macht sich namentlich in feuchtem, etwas quelligem Boden sehr lästig. Nun wird aber jedermann schon bemerkt haben, dass dieser Schachtelhalm nur dort zu finden ist, wo Neuland in Kultur genommen worden ist oder verwahrlostes Ackerland. Man würde Mühe haben, in einem altbauten, guten Garten dieses Unkraut in größerer Anzahl zu finden, selbst wenn der Untergrund ihm günstig ist. Es ist einfach der Kultur gewichen, die guten Pflanzen haben es erstickt. Solche Pflanzen, die Unkraut ersticken, sind alle stark belaubten Gemüse, besonders Salat, Kohlarten, Rhabarber usw. Wenn man die Gemüse wechseln lässt mit dem Standort, immer etwas Anderes pflanzt, wie das ja überhaupt Vorschrift ist, so trägt das wesentlich mit dazu bei, dass mit der Zeit der ganze Garten frei von Unkraut wird. Ganz besonders günstig für die Reinigung des Gemüselandes ist es, wenn es mitten im Sommer abgeerntet wird und sofort von neuem umgegraben und bestellt werden kann. Alle ausdauernden Unkräuter können diese Störung in voller Entwicklungszeit nicht ertragen.

Beim Umgraben des Landes werden selbstverständlich sämtliche Unkrautwurzeln, so namentlich Quecken und Winden, sauber ausgelesen.

Ein sehr gutes Mittel, ein Stück Land, welches anderweit nicht gleich bebaut werden kann, klar und rein zu bekommen, so auch von Quecken und anderen lästigen Unkräutern, besteht darin, dass man es umgräbt, festtritt und regelrecht als Rasen mit billigem Raygrassamen besäet. Das Raygras wird rechtzeitig geschnitten und kurz gehalten. Selbst die schlimmsten Unkräuter schwinden durch das immerwährende Abschneiden und durch die Ausbreitung des Rasens. Quecken sind nach wenigen Wochen erstickt.

Es wird zuweilen gefragt, ob es denn kein chemisches Mittel gibt zur Unkräutervertilgung. Wer sich in den Gartenbaubetrieb nur ein wenig hineingefunden hat, wird eine derartige Frage einfach unverständlich finden. Die Unkräuter in den Wegen könnte man vielleicht durch ätzende Stoffe beseitigen, aber es besteht doch immer die Gefahr, dass diese ätzenden Stoffe in das Kulturland gelangen, und man kommt doch viel billiger und schneller zum Ziel, wenn man jeden Sonnabend oder alle 14 Tage die Wege leicht abschürft und harkt.

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Lesen Sie mehr über das Buch „Gartenbuch für Anfänger“ von Johannes Böttner:

https://derselbstversorger.net/gartenbuch-fuer-anfaenger-johannes-boettner/

Mehr Informationen zu Johannes Böttner finden Sie unter:

https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_B%C3%B6ttner

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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Der Küchen- und Gemüsegarten Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Hacken und Rühren

Hacken und Rühren
Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Wir haben gelernt, wie das Gartenland vorbereitet wird für Aussaat und Bepflanzung. Das Hacken spielt bei diesen Vorbereitungen eine wichtige Rolle: Je bindiger der Boden ist, um so mehr müssen die zusammenhängenden Teile gelockert werden.

Ein Gerät, das allgemein noch nicht genug bekannt ist, verdient für die durchdringende Lockerung des frisch gegrabenen, noch sehr zusammenhängenden Bodens die weitestgehende Empfehlung: der Karst.

Das Bild zeigt eine Hacke (Karst)
Der Karst.

Das ist eine zweizinkige Hacke, schwer und dauerhaft gearbeitet. Dieser Karst hat vor der gewöhnlichen Breithacke den Vorzug, dass die beiden Spitzen leichter und tiefer in das Erdreich eindringen, den Boden nicht so fest schlagen. Außerdem bekommt man schwere Erdklumpen leichter klein damit. Ich rede immer von Klumpen, die in einem guten Gartenboden gar nicht vorkommen sollen. Ich weiß aber, dass in den ersten Jahren, in denen ein Garten in Kultur genommen wird, nicht alles so ist, wie es sein soll. Gerade für die Urbarmachung des Gartens ist der Karst so wichtig. Später, wenn der Gartenboden durch fleißiges Düngen und Bearbeiten erst der Mistbeeterde ähnlicher geworden ist, geht es sogar, dass man das Land umgräbt und gleich harkt. Es ist so locker, dass das Hacken gar nicht mehr nötig ist. Leichte Bodenarten erhalten diesen Vorzug schneller als schwere.

Das Bild zeigt eine gewöhnliche Breithacke.
gewöhnliche Breithacke.
Das Bild zeigt eine Schwanenhalshacke
gewöhnliche Schwanenhalshacke.

Nachdem die Beete bepflanzt worden sind, wird den ganzen Sommer hindurch zwischen den Pflanzen noch öfter gehackt. Zweierlei ist die Veranlassung dazu: Die Bodenkruste und das Unkraut. Bodenkrusten sehen wir gelegentlich in jedem Garten einmal. Gießwasser, auch Regenwasser schlagen und schlämmen im Sommer die oberste Erde des Gartenbeetes fest zusammen. Sonne und Wind trocknen aus und so entsteht ganz naturgemäß eine harte, feste Kruste an der Oberfläche. Die Kruste bildet einen festen Verschluss; wir wünschen aber, dass der Luft Fenster und Türen geöffnet seien, dass sie belebend wirken kann auf die Wurzeln der Pflanzen, deshalb durchbrechen wir die Kruste, auch wenn sich dann im Laufe der Zeit eine neue Kruste bildet, wird sie von neuem durchbrochen.

Steht nun ein Boden in guter, alter Kultur, ist’s ein guter Gartenboden, so wird die Kruste nicht sehr mächtig sein; es genügt, wenn wir ganz leicht mit der Hacke an der Oberfläche hinziehen.

Das Bild zeigt eine Gemüsehacke mit Schwanenhals
Hacke mit Schwanenhals.

Die süddeutschen Gärtner, die diese ausgezeichnete Methode der Bodenpflege sehr schätzen, bezeichnen sie als „Rühren“. Das Rühren ist also ein ganz flaches Hacken, bei dem mehr ziehen als schlagend gearbeitet wird. Ist der Boden aber nicht in guter Kultur, so gelingt das leichte Aufrühren schlecht, vielmehr muss dann sehr tief und gründlich gehackt werden.

Wie oft werden nun die bepflanzten Gartenbeete gerührt oder behackt? So oft eine Kruste vorhanden ist. Je mehr gegossen wird bei heißem, trockenem Wetter, je öfter Regen und Sonnenschein wechseln, je roher der Boden ist, umso häufiger wird auch die praktische Hacke in Tätigkeit treten müssen, um den Boden von neuem aufzuschließen.

Das Bild zeigt eine Breithacke mit Schwanenhals.
Breithacke mit Schwanenhals.

In den ersten Monaten der Kultur darf ein Gartenbeet alle zwei bis drei Wochen durchrührt werden. Später, wenn die Pflanzen weiter entwickelt sind, und die Blätter dicht zusammen schließen und so ein schützendes Dach bilden, wird die Arbeit entbehrlich.

Am bequemsten, um zwischen den Reihen zu arbeiten, ohne die Pflanzen zu schädigen, ist die Schwanenhalshacke. Die Schwanenhalsform gibt es mit Spitzhacke und Breithacke. Die erste wird bevorzugt. Sie arbeitet sehr leicht und angenehm, ist auch die beste Reihenhacke. Wer sich an dieses kleine Häckchen gewöhnt hat, wird sehr gern und viel damit arbeiten.

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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Der Küchen- und Gemüsegarten Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Pflanzen und Pikieren

Das Pflanzen (und Pikieren)
Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Grundlagen beim Pflanzen

Unbekümmert um unsere Sorgen wachsen die Pflänzchen auf dem Saatbeet heran. Wir haben ihnen einen guten Boden gegeben, reichlich mit lockerer, kräftiger Mistbeeterde oder Komposterde vermischt. – Von Zeit zu Zeit gießen wir, damit die noch flachliegenden Würzelchen der jungen Pflanzen von trockener Luft nicht leiden. – Es kommt die Zeit, dass unsere Pfleglinge auf dem Saatbeete groß genug sind, um verpflanzt zu werden. – Inzwischen wird das zum dauernden Standort bestimmte Beet vorbereitet zur Aufnahme der Pflanzen. Es wird gegraben, gehackt, verbessert durch Komposterde, wenn das nötig und durchführbar ist; dann wird wieder die Gartenschnur gesteckt; denn es wird auf den Gartenbeeten nur in geraden Reihen und mit regelrechten Abständen gepflanzt.

Ausheben der Pflanzen

Nun kommt das Ausheben der Pflanzen. Sie stehen in einem lockeren, düngerdurchsetzten Beet. Abends vorher wurden sie gut durchgegossen, da brauchts nicht viel Federlesens mehr. Wir fassen sie mit der Hand, ziehen und bekommen die Wurzeln mit einem schönen Ballen frischer Düngererde heraus, wodurch das Wiederanwachsen am neuen Stand sehr erleichtert wird. Wenn nun aber der Boden, in dem die jungen Pflanzen stehen, etwas fest und hart ist, so bekommen wir keinen guten Ballen mit heraus, wir reißen viel mehr die Wurzeln ab. Das darf nicht sein. Hier nehmen wir also ein spitzes Holz oder einen kleinen Handspaten und heben die Pflanzen aus. Das gute Durchgießen am Abend vor dem Ausheben ist unter allen Umständen viel wert.

Das Bild zeigt eine Hand, die beim Ausheben und Pikieren von einer Gemüsepflanze ist.
Das Ausheben der Pflanzen

Die Pflanzen werden beim Ausheben in einen kleinen Korb oder Kasten gelegt, der vorher gut feucht gemacht wurde. Liegt eine Partie Pflanzen darin, so wird das Ganze wieder mit der Gießkanne angefeuchtet, dann leicht mit Blättern, feuchtem Tuch usw. gedeckt. Früher hielt ich von diesem Feuchthalten selbst nicht viel, weils zur Not auch so geht. Ich habe aber doch gefunden, dass die Pflanzen viel frischer bleiben und besser anwachsen. Ich nehme die Arbeit des Pflanzens auch nie mehr am Mittag vor, nicht nach 10 Uhr Morgens und nicht vor 4 Uhr Nachmittags, auch nicht bei windigem Wetter. Es wünscht doch jeder, dass alle Pflanzen, die er setzt, ohne Ausnahme weiter wachsen möchten, und dieses lässt sich erreichen bei solcher Vorsicht.

Unsere ausgehobenen Pflanzen liegen also frisch in dem Korbe. Wir machen keine langen Umstände, sondern gehen schnell zum neuen Standort. – Die erforderlichen Reihen auf den Beeten sind dort schon eingeteilt und nun wird jede Pflanze einzeln an den für sie bestimmten Platz gepflanzt.

Wenn der Boden locker ist, wird mit der linken Hand oder nur mit dem zweiten und dritten Finger derselben eine Grube gemacht, die Pflanze mit der rechten Hand hineingehalten, Erde an die Wurzel gescharrt und schließlich mit Daumen und Zeigefinger von beiden Händen die Pflanze im Boden festgedrückt.

Festdrücken der Pflanzen
Eine Pflanze muss nach dem Auspflanzen bzw. Pikieren richtig festgedrückt werden. Dies ist im Bild zu sehen.
Festdrücken einer Pflanze nach dem Auspflanzen.

Dieses Festdrücken ist wertvoll für das gute Anwachsen. Ebenso wie das Samenkorn nicht keimen kann, wenn es nicht von Erde dicht umschlossen wird, ebenso kann die Wurzel keine neuen Wurzeln bilden, wenn sie der Boden nicht fest umschließt.

Das Bild zeigt ein Pflanzholz, mit dem Löcher im Boden hergestellt werden können.
Ein Pflanzholz zur Herstellung von Löcher im Boden.

Es ist noch zweierlei zu beachten: Die Wurzeln werden beim Einsetzen gut ausgebreitet; die Spitzen kehren sich zuweilen nach oben, das soll nicht sein. Zweitens ist der Wurzelhals der Pflanze zu ermitteln. Gerade der Wurzelhals ist die passende Stelle, um mit dem Boden abzuschließen. Der Wurzelhals ist bei Gemüsepflanzen die Stelle, an der sich die ersten Blätteransätze befinden. Gelegentlich ist Gemüse in sehr schweren Boden zu pflanzen. Ein Pflanzholz tut in schwerem Boden gute Dienste. Es genügt ein gewöhnliches, mit dem Messer zugespitztes Holz. Für längeren Gebrauch ist ein Pflanzholz mit eiserner Spitze angenehm. – Man bohrt damit das Loch, hält die Pflanzen, die Wurzelspitzen nach unten gerichtet, hinein, steckt dann das Pflanzholz seitlich in die Erde und drückt diese Erde von der Seite an die Wurzeln. – Es schadet nichts, wenn hinterher noch einmal jede Pflanze mit den Fingerspitzen fest angedrückt wird. – Selbst trockener, harter Boden, welcher allerdings in frisch gegrabenem Zustande nur äußerst selten vorkommt und auch nicht gartenkulturmäßig ist, kann bepflanzt werden, selbst dann noch, wenn er so hart ist, dass das Pflanzholz nicht eindringen will und die Erde sich nicht an die Wurzeln legt. Es wird hier die Vorsicht gebraucht, die Pflanzstellen am Abend vorher anzugießen. Über Nacht, vielleicht auch noch den Tag hindurch, durchzieht die Feuchtigkeit die Stelle und am Tage darauf pflanzt sichs in das lockere, feucht gewordene Erdreich bequem. Wohlgemerkt, nur in frisch gegrabenes Land soll gepflanzt werden.

Im Allgemeinen pflanzt man vorteilhaft nach Regen, während des Regens, am allerbesten kurz bevor es regnet! Ein guter Gärtner muss es immer so einzurichten wissen, dass es gerade regnerisches Wetter ist, wenn er pflanzt. Es wächst alles großartig an.

Das Pikieren von Gemüsepflanzen

Hier ist noch ein ganz besonderes Verpflanzverfahren zu erklären. Die Kunstgärtner nennen es pikieren – deutsch verstopfen. Es unterscheidet sich von gewöhnlichem Verpflanzen nur dadurch, dass die Pflänzchen sehr klein sind und dass sie dicht beieinander gepflanzt werden, und in besonders gute Erde an einen Standort, an dem sie nur einige Wochen verbleiben sollen. – Sie sollen sich noch kräftigen, ehe sie von hier aus an ihren endgültigen Standort kommen. Dieses Verfahren wird angewendet, wenn man zu dicht gesäet hat und die Sämlinge nicht stehen bleiben können bis zur Verpflanzzeit. Dadurch, dass sie auf 4 – 6 Zentimeter Abstand verstopft – pikiert – werden, wachsen sie kräftig und gedrungen weiter und vertragen später das Auspflanzen besser. – Für alle Gemüse passt das Verfahren nicht; wo es vorteilhaft ist, wird es besonders vorgeschrieben werden. In allen anderen Fällen bringt man die Pflanzen unmittelbar vom Saatbeete auf das Pflanzbeet. Man „pikiert“ sie also nicht vorher.

Das Bild zeigt, wie man junge Gemüsepflanzen mit dem Pflanzholz pikiert und pflanzt. Es wird auch verstopfen (umsetzen) genannt.
Das Verstopfen bzw. Pikieren junger Pflanzen

 

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