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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Düngung und Bodenbearbeitung Grundlagen für Anfänger

Stallmist – ein hervorragender Dünger

Johannes Böttner (1899) beschreibt den großen Wert von Stallmist und Verfahrensweisen, diese in einen fantastischen Wirtschaftsdünger zu verwandeln. Ein historischer Auszug von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899). Stallmist In den Kreisen der Gartenfreunde, die in der Stadt groß geworden sind, besteht eine gewisse Abneigung gegen […]

Johannes Böttner (1899) beschreibt den großen Wert von Stallmist und Verfahrensweisen, diese in einen fantastischen Wirtschaftsdünger zu verwandeln.

Ein historischer Auszug von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Stallmist

In den Kreisen der Gartenfreunde, die in der Stadt groß geworden sind, besteht eine gewisse Abneigung gegen die Verwendung von Stallmist. Man findet, dass die Handhabung eine unangenehme, dass der Geruch belästigend ist. An vielen Orten macht es auch Schwierigkeiten, Stallmist zu kaufen, weil man keine Verkäufer kennt und man hat schließlich eine Kaufgelegenheit gefunden, so fehlt es an Fuhrwerk und Arbeitern, den Dünger in den Garten zu bringen oder es fehlt der bequeme Eingang von der Straße aus. Man kann den Dünger doch nicht durch den Hausflur tragen! In diesem Sinne hat man mir oft geantwortet, wenn ich, um Rat gefragt in dieser oder jener Gartenangelegenheit, den Vorschlug machte, in den kleinen, ausgehungerten Hausgarten vor allen Dingen erst tüchtigen Dünger zu schaffen. Ja, wenn man den Stalldünger von einer bekannten Firma in Säcken beziehen könnte. So aber versucht man es mit allen denkbaren Düngerpülverchen, mit chemisch reinen Nährsalzen, neuerdings sogar mit dem konzentrierten Rinderguano. Das ist hübsch geruchlos, aber es wirkt auch nicht viel, wenigstens nicht beim Anfänger und Liebhaber, dem die sehr umfangreiche Wissenschaft der richtigen Anwendung künstlicher Dünger noch völlig abgeht. Ohne den kräftig riechenden Stallmist, der alle zur Pflanzenernährung nötigen Stoffe in so passender Zusammensetzung enthält und das Land in einen so ausgezeichneten Zustand versetzt, geht es einmal nicht, und wer rechte Erfolge sehen will, muss seine Unannehmlichkeiten schon mit in den Kauf nehmen. – Ohne Mist bleibt der Gärtner zeitlebens ein Stümper.

In jeder Stadt gibt es kleine Fuhrleute, die für die Hauseigentümer Asche abfahren, Kohlen anfahren und ähnliche Arbeitsfuhren machen. Man wende sich zunächst an diese. Häufig haben sie an anderer Stelle auch Dünger fortzufahren und können ihn uns leicht beschaffen. Die Gartenarbeiter sind über Düngerquellen in der Regel ebenfalls gut orientiert. Ich brauche nur meinem Gartenarbeiter den Auftrag geben, so besorgt er Dünger schneller und billiger, als ich selbst in der Lage wäre.

Vorteilhaft ist es, eine Düngerstätte für das ganze Jahr zu pachten. Es gibt viele Pferdebesitzer, die froh sind, den Dünger los zu werden, da sie selbst keine Verwendung haben. Offiziere, Ärzte, Speditionsgeschäfte, Droschkenkutscher usw. Man zahlt für den Dünger von zwei Pferden 3 – 5 Mark monatlich und erhält dafür durchschnittlich in jedem Monat eine Fuhre. Dazu kommt dann noch der Fuhrlohn.

Schwieriger ist es, Rindviehdünger zu erhalten, weil mit den meisten Molkereien usw. Landwirtschaft verbunden ist. Mein Gartenarbeiter hat aber auch hierin Rat geschafft. Ich bezahle den wertvollen Rindviehdünger allerdings teuer, die Fuhre 6 Mark. An Gelegenheit, Dünger zu beschaffen, fehlt es nirgends. In weiter Umgebung von der Reichshauptstadt Berlin z.B. kann jeder Gartenbesitzer, der in der Nähe einer Bahnstation oder eines Schiffsladeplatzes wohnt, von einem der Berliner Dünger-Engrosgeschäfte, auch von der Direktion des städtischen Vieh- und Schlachthofes, Berlin Ö. 67, jede Menge waggonweise zu Marktpreisen beziehen. Selbst bis Braunschweig wird der Berliner Dünger verschickt.

In dem Zustande, in dem der Dünger aus dem Stalle kommt, ist er in der Regel für Gartendüngung nicht zu empfehlen. Er ist um so unbrauchbarer, je mehr strohige Bestandteile darin enthalten sind. Strohhaltiger Dünger sollte für die Verwendung im Garten erst gut vorbereitet werden. Misserfolge, die dieser oder jener bei der Verwendung von Stalldünger erzielt haben will, beruhen fast immer darauf, dass der Dünger falsch behandelt worden war.

Die Behandlung ist nicht ganz einfach. Wird Stallmist, besonders der hitzige Pferdemist, auf einen Haufen geworfen und bleibt er so bei warmem Wetter nur vier bis fünf Tage liegen, so verdirbt er uns. In kühler Jahreszeit kann er ziemlich lange liegen, ohne Schaden zu nehmen, denn es findet bei Kälte nur eine langsame Erwärmung statt. Aber je mehr die äußere Wärme auf den Dünger wirkt, um so mehr erhitzt sich der Düngerhaufen. Das Äußere bleibt zwar unverändert, aber im Innern des Haufens wird der Dünger zunächst schimmlig und schließlich brennt alles zu Asche. Der Dünger darf aber nicht verbrennen, sondern muss langsam verwesen. Er soll nicht dürre, fast wertlose Streu, sondern wertvollen, feuchten, schwarzen Humus bilden. Das Erhitzen des Düngerhaufens, ebenso das Austrocknen des Düngers, muss unter allen Umständen verhütet werden.

Es ist zunächst wünschenswert, das Pferdedünger nicht gesondert gehalten wird, sondern eine Vermischung mit anderen Düngerarten stattfindet, die weniger heftig sich erwärmen. Weiter ist es nötig, durch Feuchthalten und Festpacken des Düngers dem Verbrennen vorzubeugen. Nasser Dünger brennt nicht. Man packt ihn fest in regelrechte, viereckige Haufen. Ist zunächst eine fußhohe Schicht gleichmäßig gepackt, so durchfeuchtet man sie gleichmäßig mit Jauche oder Küchenausgußwasser. Dann packt man weiter. Strohige Teile werden nach innen gepackt, sehr gut festgetreten und durchfeuchtet. Ist der ganze Haufen aufgeschichtet, so wird er an den Seiten und oben mit einer Erddecke gut zugedeckt. – Die Erddecke kann aus der gewöhnlichen Gartenerde bestehen oder aus Erde, die von anderwärts zur gelegentlichen Verbesserung des Bodens herbeigeschafft wurde. Die Erddecke verhindert, dass der Düngerhaufen im Garten lästig wird, sie verhindert, dass wertvolle Stoffe entweichen, sie verhindert das schädliche Austrocknen des Düngers durch Sonne und Wind. Dünger darf nie im offenen Haufen, nie frei liegen, nur wenn er mit Erde gedeckt wird, werden ihm die wertvollen Stoffe erhalten. – Soll neuer Dünger zum Haufen kommen, so wird die Erde bei Seite getan und nachher wieder überdeckt.

Je besser der Dünger im Haufen feucht gehalten wird, um so wertvolleren dunklen Humus bildet er. Für trockene Bodenarten ist es von unendlichem Werte, dass man nicht trockenen sondern innig durchfeuchteten Stallmist als Düngung gibt. Der eine nützt dem Boden nicht viel, der andere bringt ihm die wertvollen, bisher fehlenden Eigenschaften. Fehlts an Jauche, Seifen- und Abgusswasser, flüssigem Abtrittdünger usw. zum fortwährenden guten Feuchthalten des Düngerhaufens, so kann man schließlich reines Wasser geben.  Es ist immer noch viel, viel besser als gar nichts. Der Boden des Platzes, auf  dem der Düngerhaufen angelegt wird, muss undurchlassend sein, damit nicht etwa die besten Stoffe aus dem Düngerhaufen versickern können.

Die Frage, wie lange der Dünger auf dem Haufen liegen und wie weit er verrotten muss, lässt sich nicht kurzweg beantworten. Auf etwas mehr oder weniger kommt es dabei im Allgemeinen nicht an. Wollen wir größere Mengen Dünger aufs Land bringen, etwa 10 bis 15 Kilogramm auf den Quadratmeter, so sind wir schon ohne weiteres gezwungen, ihn vorher gut verrotten zu lassen, denn von frischem und strohigem Dünger lässt sich die angegebene Menge gar nicht unterbringen. Bei schwacher Düngung darf er etwas frischer sein, denn kleine Mengen verrotten noch gut im Boden.

In sehr schwerem, bindigem Boden ist überhaupt frischer Dünger nicht bedenklich, eher rätlich, weil durch die Zersetzung des Düngers im Boden der Boden verbessert und locker gemacht und aufgeschlossen wird. – Im allgemeinen wird der Dünger sechs bis acht Wochen in gut durchfeuchtetem Haufen liegen müssen, um den zur vorteilhaften Verwendung nötigen Grad des Verrottetseins zu erhalten. Im Herbst mag der Dünger noch frischer sein. Zum Frühjahrsgebrauch muss er länger vorher gelegen haben. Man düngt aber lieber alles Land im Herbst. Schließlich kommt auch viel auf die Kultur an, zu der er dienen soll. – Der frischere Dünger wirft mehr auf die Menge und kann bei überreichlicher Anwendung auch ein „Vergeilen“ der Pflanze hervorrufen, der ältere wirkt mehr auf die Güte der Erzeugnisse.

Verdient unter den verschiedenen Arten des Stalldüngers eine den Vorzug, so ist es der Rindviehdünger. Es wird ihm nachgerühmt, dass er den Boden milde, frisch und sehr kräftig macht. Ein Boden, der einige Jahre hindurch stark mit Rindviehdünger gedüngt worden ist, ist ein besonders kräftiger Boden. Im Übrigen scheint es nicht notwendig, selbst nicht einmal vorteilhaft, dauernd bestimmte Düngerarten zu bevorzugen. Wenn man es haben kann, mischt man die verschiedenen Dünger der Haustiere auf einem großen Haufen zusammen oder man düngt abwechselnd in dem einen Jahre mit dem einen, im anderen Jahre mit dem andere. Jede Einseitigkeit ist im Gartenbau zu meiden. – Der gemischte Dünger hat den Vorzug, in seiner Eigenschaft den verschiedenen Wünschen gerecht zu werden.

Am Pferdedünger ist zu tadeln, dass er sehr hitzig ist und dadurch im trockenen Boden schadet. Wird er aber in der vorgeschriebenen Weise behandelt, also durch Übergießen feucht gehalten, oder auch mit Abtrittdünger durchsetzt, so verliert er seine üblen Eigenschaften und ist dann im halbverrotteten, feuchten Zustande für trockeneren Boden fast so gut wie Kuhdünger. Schafsdünger und Ziegendünger steht dem Pferdedünger nahe, Schweinedünger dem Kuhdünger. Dann ist noch der Geflügeldünger zu beachten. Die Exkremente von Tauben und Hühnern sind sehr kräftig, sie wirken sehr stark treibend, können aber auch, weil sie so wirksam sind, bei reichlicher Anwendung zu scharf und schädlich werden. Man sollte sie im Herbst dünn (auf den Quadratmeter ½ Kilo) auf das Land streuen oder gut mit anderem Dünger vermischen. Gänsemist wirkt nicht so kräftig, muss auch erst längere Zeit faulen, weil er besonders viele scharfe, ätzende Bestandteile hat, die sich erst zersetzen müssen.

In vielen Gruben wird wegen der Sauberkeit Torfmull eingestreut. Der mit Torf vermischte Abtrittsdünger lässt sich besser behandeln. Er kann auf den großen Düngerhaufen kommen, dann wird er gleichmäßiger im Boden verteilt, als weenn man ihn für sich allein anwendet. Soll Torfstreudünger allein Verwendung finden, dann nur für Land, auf dem man Pflanzen zieht, die starkes Blattwachstum entwickeln sollen, nicht dort, wo man, wie bei Erbsen und Bohnen, Schoten oder wie bei Kartoffeln, Knollen ernten will. Es ist zuweilen auch vom Überdüngen die Rede, also von einem zu starken Düngen, welches Schaden bringen, den Geschmack verderben und leichtes Faulen der Gartenfrüchte herbeiführen kann. Von anderer Seite wird die Möglichkeit solcher Überdüngung völlig bestritten. Wer einen Garten besitzt mit einem von Natur trockenen, mageren Boden, leicht oder fest, wird von gut verrottetem Mist nicht leicht zu viel geben können. In diesem Boden habe ich schädliche Wirkung von reifem, fertigem Mist nicht beobachtet und nur frischer Mist schadete gelegentlich einmal, weil er den von Natur trockenen Boden nur noch mehr austrocknete. Anders ist es nun in feuchtem, schwerem Boden. Hier wird strohiger Mist nicht so schädlich werden, wohl aber können zu reichlich verabfolgte Düngermengen bei der großen Feuchtigkeit und geringen Durchlüftung des Bodens ein gesundes Wachstum beeinträchtigen und krankhafte Neigungen des Pflanzenwuchses begünstigen. Besonders scheinen die unvergorenen, unzersetzten, scharfen Stoffe im Dünger an den Früchten eine starke Neigung zum Faulwerden hervorzurufen. Es zeigt sich in Folge solcher Überdüngungen in engen, eingeschlossenen Gärten oft ein krankhaft üppiger, geiler Wuchs, geringe Widerstandsfähigkeit und Neigung zur Unfruchtbarkeit.

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