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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Gießen und Bewässern Grundlagen für Anfänger

Das Gießen – Wie gießt man richtig?

In diesem Artikel des Gartenbauunternehmers Johannes Böttner aus dem Jahre 1899 sind  viele Tipps und Hinweise zum richtigen Gießen niedergeschrieben. Wann ist die beste Zeit zum Gießen? Wie viel sollte man Gießen und wie oft? Mit diesem sehr wertvollen Leitfaden kommen sie auch gut durch trockenes Wetter und lang anhaltende dürre. Ein historischer Auszug von: […]

In diesem Artikel des Gartenbauunternehmers Johannes Böttner aus dem Jahre 1899 sind  viele Tipps und Hinweise zum richtigen Gießen niedergeschrieben. Wann ist die beste Zeit zum Gießen? Wie viel sollte man Gießen und wie oft? Mit diesem sehr wertvollen Leitfaden kommen sie auch gut durch trockenes Wetter und lang anhaltende dürre.

Ein historischer Auszug von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Das Gießen

Gemüse soll “zart” sein. Das ist eine der wichtigsten Forderungen an dessen Beschaffenheit. Zart wird es, wenn es schnell wachsen kann. Wir haben schon Arbeiten und Hilfsmittel kennen gelernt, die eine schnelle Entwicklung begünstigen: die gute Düngung des Bodens mit dem erwärmenden und kräftig nährenden Stallmist oder Kompost, die tiefe Durchlockerung vor dem Pflanzen und die ununterbrochene Durchlüftung (behacken) nachher, Schutzanlagen gegen rauhe Winde. – Wesentlich beeinflusst wird schließlich das Wachstum noch durch die Bodenfeuchtigkeit, und da die natürliche Feuchtigkeit des Bodens wohl für landwirtschaftliche Kulturen im Allgemeinen ausreichen mag, selten aber für die so sehr viel wasserbedürftigeren Gemüse, so wird im Gemüsegarten fleißig gegossen. – Das das Gießen nicht das einzige Mittel ist, eine schnelle und vollkommene Entwicklung herbeizuführen, deutete ich schon an, indem ich soeben Düngung und Bodenlockerung voranstellte. Ich muss sogar erklären, das Gießen ist nutzlos und schädlich, wenn es an der entsprechenden Düngung und Lockerung des Bodens fehlt. – Einen rohen, schlechten Boden kann man nicht gießen. – Er wird nur verschlechtert durch das viele Wasser, was darauf geschlämmt wird. Auch in dem mittelmäßigen, erst vor kurzem in Kultur genommenen Gartenlande, kann das Gießen nur den Zweck haben, die Pflanzen vor dem Vertrocknen bei heißem, dürrem Wetter zu retten. Die höchsten Kulturerfolge bringt das Begießen aber in der Mistbeeterde oder in dem guten alten Gartenlande, welches dieser Misterde ähnlich ist.

Wer dieses eigenartige Verhalten des Bodens gegen das Gießwasser richtig erkennen will, sollte einmal einen Versuch machen und vergleichsweise ein Beet mit Mistbeeterde und ein Beet auf gewöhnlichem, lehmigen Ackerfeld wiederholt und andauernd bei heißem Wetter im Sommer mit Wasser begießen. – Nach Ablauf einiger Wochen untersuche er das Land. Die Mistbeeterde wird prachtvoll, frisch und mürbe sein, das Ackerland pantschig und schmierig oder klosig und hart. – Die Mistbeeterde hat, insofern das Wasser etwas Abzug hatte und nicht gerade übermäßig reich aufgegossen wurde, an Güte wesentlich gewonnen. Das rohe Ackerland aber ist durch das Gießen verschlechtert worden. Es ist also, wie man sieht, ganz verkehrt, zu glauben, dass das Gießen unter allen Umständen Vorteile bringe. Es kann vielmehr trotz aller Mühe und Sorgfalt, die wir aufwenden, recht nachteilig wirken. Hierbei fällt u.a. noch ins Gewicht, dass der Boden durch das Gießwasser immer abgekühlt wird. So vorteilhaft aber nun einerseits die Feuchtigkeit ist, so nachteilig wirkt andererseits oft die Abkühlung. Im zeitigen Frühjahre, wo jeder Grad Wärme großen Wert besitzt, wird man besonders zurückhaltend und vorsichtig mit Gießen sein müssen. Die vorhandene Feuchtigkeit ist im Frühjahre in der Regel noch vollkommen ausreichend, trotzdem wird gegossen. Die vermehrte Feuchtigkeit nützt natürlich nichts, wohl aber bringt das durch das Gießen herbeigeführte Zurückgehen der Bodenwärme große Nachteile.

Das Bild zeigt eine alte Gießkanne aus Metall.
Gießkanne aus Metall.

Es spricht neben dem Düngungszustand auch die allgemeine Beschaffenheit des Bodens und des Untergrundes mit. Es liegt schon in der Natur der Sache, dass ein leichter, sandiger und durchlassender Gartenboden regelmäßiges und reichliches Begießen viel besser verträgt und dass ein schwerer, bindiger, sonst guter Boden, durch häufiges Gießen weniger gewinnen kann. Die Untergrundverhältnisse kommen ferner wiederum stark zur Geltung: Ist der Untergrund nicht durchlassend, so kann das Land nur kleine Wassermengen annehmen. Eine flache kulturfähige Schicht mit undurchlässigem Grunde ist schon deshalb schlechtes Gartenland, weil es sich nicht ordentlich gießen lässt. Das Gießwasser hat zu schlechten Abfluss, das Land versumpft.

Die alten, teilweise noch heute gebräuchlichen Gießkannen besitzen einen Henkel an der Rückwand der Kanne und einen Bügel oben quer über der Kanne. Will man gießen, so muss man beide Hände nehmen, mit der einen die Henkel, mit der anderen den Bügel fassen und die kanne schräg halten. So lässt sich sehr sorgfältig gießen; man kann so zu sagen jeden Tropfen einzeln aus der Kanne laufen lassen, spart also Wasser und schont die Pflanzen und die Gartenbeete. Die neue Kanne ist weniger aufs Wassersparen und weniger auf peinliches Arbeiten eingerichtet, vielmehr auf flottes und schnelles Arbeiten. Diese Kanne, die sich bequem mit einer Hand regieren lässt, passt so recht für den Gemüsegärtner. Er trägt beide Kannen auf einmal, in jeder Hand eine, giebt dann am Ziel einfach der Kanne in der Hand einen Ruck und bringt sie dadurch in die schräge Lage, die nötig ist, um das Wasser ausfließen zu lassen. So kann mit beiden Kannen zur gleichen Zeit gegossen werden, wodurch die Arbeit nahezu doppelt so schnell geht als beim Gießen mit einer Kanne.

Ein Mann mit einer Gießkanne in der Hand beim Gießen seiner Beete.
Mann mit Gießkanne beim Garten/Beete Gießen

Ehe man nun gießt, wird das Beet vorbereitet zur Aufnahme des Gießwassers. Das Beste ist, man macht mit der Hacke kleine Vertiefungen oder Rillen, in welchen sich das Wasser sammeln kann und einzieht. Ein ebenliegendes glatt geharktes Beet nimmt in der Regel kein Wasser auf, sondern lässt es abfließen in den Weg und nach einer Stunde ist wieder alles trocken. Sind aber auf dem Beete Vertiefungen, so bleibt das Wasser stehen, dringt dann ein und die Erde bleibt feucht. – Je größer die Löcher, desto tiefer kann das Wasser eindringen, desto länger hält die Feuchtigkeit an. Es giebt übrigens noch Gärtner, die ein Beet nicht richtig und nicht vernünftig gießen können, weil sie es nie gelernt haben richtig nachzuwühlen. Wer gießen lernen will, muss sich daran gewöhnen, mit einem Blechlöffel, einem spitzen Hölzchen oder mit den Fingern nachzuwühlen auf dem Gartenbeet, denn darauf, wie die Oberfläche aussieht, kommt es garnicht an, wie die Erde unten ist, da, wo die Wurzeln sind, das ist die Hauptsache.

Haben wir nun ein Gartenbeet recht gründlich durchgegossen, lassen es die Nacht hindurch liegen, damit das Wasser die Erde gut durchzieht und sehen am anderen Morgen nach, so sind wir 3 auch 4 cm tief alles hübsch durchfeuchtet, darunter alles pulvertrocken. Das ist ein Beweis, dass wir nicht genug gegossen haben und es wird allgemein noch viel zu häufig, aber niemals durchdringend genug gegossen. Für den ersten Augenblick sieht es ja aus beim Gießen, als ob alles ersaufen müsste, das ist aber nur für den Augenblick. Das bisschen Wasser ist schnell eingezogen und lange nicht weit, deshalb muss gleich, nachdem alles Wasser eingezogen ist, noch einmal gegossen werden und eine Stunde darauf zum dritten mal.

Wie man ein Beet richtig gießt.
Gießrinnen im Beet.

So, jetzt können wir 2-3-4-5 Tage warten, solange hält der durchdringende Guß vor und dann, wenn nicht nur die seichte Oberfläche trocken ist, sondern auch schon beim Nachscharren Feuchtigkeitsmangel sich zeigt, gießen wir wieder von neuem. Wollen wir ein Beet gießen, welches schon sehr ausgetrocknet ist, so dauert es überhaupt sehr, sehr lange, bis der ganze Boden sich mit Feuchtigkeit durchzieht; wir können sechs oder siebenmal nach einander alles vollgießen. Ein noch mäßig feuchtes Beet ist schneller durchgegossen.

Die Gemüse, die flach wurzeln, z.B. Radies, gießen wir öfter. Solche Pflanzen können bei heißem, trockenem Wetter ein tägliches Begießen ganz gut vertragen. Spargel und ähnliche Tiefwurzler hingegen werden nur alle 8 Tage gegossen, aber dann auch gleich 8 mal so reichlich. Übrigens wollen Pflanzen wir Spargel, wenn Untergrundfeuchtigkeit vorhanden ist, überhaupt nicht gegossen werden. Wenn sie aber auf durchlassend kiesigem Boden stehen, so machen wir tiefe Gruben, in die wir das Wasser gießen; ohne Gruben kann das Wasser nicht eindringen, sondern bleibt in der Oberfläche und verdunstet dann sehr schnell.

Man kann mit der Brause gießen, die das Wasser fein verteilt und kann auch die Brause abnehmen und mit dickem Strahl aus offenem Rohre gießen. Ist ein mehr flaches Gießen beabsichtigt, so lassen wir die Brause darauf, welche eine mehr regenartige Verteilung des Wassers bewirkt und die Erde nicht verschlemmt. Soll das Wasser tief eindringen, so gießen wir vorsichtig mit dem offenen Rohre. Werden Pflanzen gegossen, die soeben frisch verpflanzt worden sind, so wird vorwiegend das Rohr benutzt, weil der stärkere Strahl besser durchdringt bei der einzelnen Pflanze. Wir nennen das „Angießen“ und wollen dabei nicht nur Feuchtigkeit bieten, sondern hauptsächlich auch die Wurzeln richtig einschlämmen, d.h. gut mit der Erde verbinden. Jede Pflanze die frisch gepflanzt ist, wird sofort gut angegossen. Das ist durchaus nötig, wenn sie frisch bleiben soll. Es würde nicht genügen, das ganze Beet mit den frisch gesetzten Pflanzen zu überbrausen. – Die Wurzelspitzen würden hierbei trocken bleiben und die Pflanzen trotz der oberflächlichen Feuchtigkeit welken.

Es ist ein schlimmes Ding, Gießregeln für’s allgemeine zu geben, natürlich gilt’s für den Anfänger noch mancherlei zu lernen. Jede Regel hat wieder ihre Ausnahmen. Sage ich z.B. auf zwei Quadratmeter muss man eine volle Gießkanne (15 Liter) Wasser ausgießen und zwar wirkt das jedes Mal für 3 Tage, so ist das eine für den Anfänger sehr brauchbare Gießregel, bei der er aber nicht stehen bleiben darf, denn Zeit und Menge können ja in der Gärtnerei nie nach festen Regeln bemessen werden. Darin liegt gerade die Kunst des Gärtners, dass er seine Maßnahmen den Verhältnissen anpasst und immerzu beobachtet und von den Pflanzen selbst lernt, wie sie behandelt sein wollen. Die Pflanzen selbst zeigen es durch ihr Benehmen genau auf, was ihnen fehlt. Wir sehen, wenn sie schlaff werden und Durst haben. So weit dürfen wir aber als eifriger Züchter es nie kommen lassen, dass schon den Unkundigen der offenbare Mangel bemerkbar wird.

Eine sehr wichtige Sache noch: die Tageszeit zum Gießen. Bei voller Tageshitze zwischen 10 Uhr morgens und 4 Uhr Nachmittags rühren wir keine Kanne an. Nur früh und abends gießen wir, denn in der Mittagshitze kann das Gießwasser den Boden nicht richtig durchziehen. Auch ist die schroffe Abkühlung bei heißer, trockener Luft den Pflanzen nachteilig und gefährlich.

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