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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Gemüsebau

gurkenartige Gemüse – Böttners Gemüsebauanleitung

Die nachfolgenden Texte stammen aus: „Gartenbuch für Anfänger“ (1899) sowie „Praktische Gemüsegärtnerei“ (1907) und wurden im Ursprung vom Gartenmeister Johannes Böttner verfasst. Im Folgenden wurden die Texte zusammengeführt und für die bessere Leserlichkeit gelegentlich leicht angepasst. Allgemeiner Hinweis: Die in den Büchern übliche angenommene Breite für die Gemüsebeete ist 1,20 Meter. Dies ist hinsichtlich der Pflanzabstände zu beachten, denn bei allen hier beschriebenen Gemüsekulturen ist nur der Pflanzabstand zwischen den Pflanzen und kein Reihenabstand angegeben. Wenn also wie z.B. beim Weißkohl geschrieben steht: drei Reihen auf ein Beet, 55 cm Abstand, meint dies: 1,20 m / 3 Reihen =  40 cm, d.h. die Pflanzen erhalten einen Abstand von 55 cm x 40 cm.

Die Gurkengemüse sind Angehörige wärmerer Erdstriche. Ihr erstes Erfordernis ist Wärme des Bodens und Wärme der Luft. Schon eine mehrere Tage hindurch andauernde niedrige Temperatur von 4 bis 6 °R (5 – 6,25 °C) stört gewaltig ihre Entwicklung, und es ist noch nicht einmal Frost nötig, um sie zu vernichten. Einen hervorragenden Platz finden die gurkenartigen Gewächse in den Mistbeeten, überhaupt sind sie es in erster Linie, die im Garten darauf Anspruch machen, dass ein der Mistbeeterde ähnliches Erdreich geschaffen werde. Kann man das nicht schnell genug, liegen Gründe dafür vor, auch in rohem Boden Gurken zu bauen, was im Allgemeinen nicht lohnend sein kann, so wird man wenigstens Furchen oder Gruben bilden und diese mit bester Erde füllen. Die Gurkengewächse finden in der kleinen Vertiefung mit guter Erde ihre Nahrung und breiten sich mit ihren rankenartigen Zweigen über den schlechten Boden aus.

Gurken

Das Foto zeigt ein Bild von einer Gurke (lat. Cucumis sativus) der Sorte: Mittellange Gurke.
Mittellange Gurke.

Die Gurke ist anspruchsvoll auf Lage und Boden und bringt befriedigenden Ertrag nur dort, wo alle Verhältnisse ihr gut zusagen. Zunächst verträgt die Gurke durchaus keine Zugluft! wo es windig und zugig ist, gelingt die Gurkenzucht schlecht. Schatten behagt der Gurke schon besser; sie ist sogar dankbar dafür, wenn die scharfen, sengenden und ausdörrenden Sonnenstrahlen von ihren Blättern etwas abgehalten werden. Vereinzelte Schutz und Schatten spendende Bäume sind der Gurke ganz dienlich, überhaupt eine geschlossene, geschützte Lage. Aber der Schatten darf nicht dicht sein, er darf die Durchwärmung des Bodens nicht verhindern, denn

Wärme verlangt die Gurke.
Düngung mit frischem Stallmist behagt der Gurke nur in sehr bindigem Erdreich, in anderem ist Kompostdünger besser, vorzüglich wirkt ein Kompost, dem viel Abtritt zugesetzt wurde. Reiner Abtrittsmist, im Herbst aufs Land gebracht, wirkt in leichterem Boden außerordentlich auf das Gedeihen der Gurken.

1. Gewöhnliche Landkultur
Das Bild zeigt eine Gurkenpflanzung im freien Land, nur eine Reihe Gurken wurde auf dem Beet gepflanzt.
Behäufelte Gurken, nur eine Reihe auf dem Beet.

Aussaat in das freie Land an die bleibende Stelle vom 10. bis 15. Mai. Auf das üblich breite Beet kommt in die Mitte nur eine Reihe. Die einzelnen Kerne in dieser Reihe erhalten 5—6 cm Abstand, später werden die Pflanzen noch so weit ausgedünnt, dass sie mindestens 15 cm, besser 20—30 cm weit stehen. Um ein 10 Meter langes Gurkenbeet in einer Reihe zu besäen, sind nur 5 Gramm Samen notwendig. In gutem Gurkenboden wird die Reihe in der Mitte des Beetes nur zwei Finger tief gemacht, die Kerne eingesät, dann leicht gedeckt, so dass noch etwas Vertiefung offen bleibt. In leichtem Sandboden macht man im März, April die Rille einen halben Fuß tief (15 cm), gießt Abtrittdünger hinein — dieser ist überhaupt ausgezeichnet für Gurken —, füllt die Rille wieder zu und sät dann wie angegeben. In magerem Lehm- oder Moorboden wird in die 15 cm Tiefe Furche Hühner- oder anderer Geflügelmist gestreut, dann die Furche mit Komposterde gefüllt. In tiefen Lagen und schwerem, nassem, kaltem Boden ist noch energischer vorzugehen. Die Furche mitten durch das Beet wird 30 cm tief und ebenso breit ausgeworfen, dann mit Pferdedünger gefüllt, der gut verteilt und festgetreten wird. Obenauf kommt gute Erde und in diese wird gesät. Der Dünger wärmt zunächst den Boden, später wachsen die Wurzeln hinein und entnehmen Nahrung daraus.

In feuchten, nassen Gärten werden Bündel Reisig auf die Gurkenbeete gelegt, damit die Ranken freier und wärmer liegen. Die Ränder der Beete dürfen bepflanzt werden mit Salat, der abgeerntet wird, bevor die Ranken der Gurken so weit sind. Es ist auch kein Fehler, an den Rändern der Gurkenbeete in Zwischenräumen von mindestens 1 1/2 Meter Kohl als Mischkultur zu Pflanzen. In freien, windigen Lagen haben die Gurken dadurch einigen Schutz. Eine dichtere Pflanzung würde allerdings Schaden bringen. Je mehr die Lage eingeschlossen ist, umso weiter müssen die einzelnen Kohlpflanzen gesetzt werden.

Im Bild zu sehen eine Gurkenpflanze (lat.Cucumis sativus)nachdem die Spitzen ausgebrochen wurden.
Ausbrechen der Spitzen bei Gurken.

Im Bild ist eine Gurkenranke dargestellt, die an Punkt a (rot eingekreist) entspitzt wurde. Zu sehen ist, wie sich eine neue Ranke mit Fruchtansatz gebildet hat.
Gurkenkranke, in a (rot) entspitzt, hat eine neue Ranke mit Fruchtansatz gebildet.

Wenn die Gurkenpflanzen 4—5 Blätter haben und kräftig im Trieb find, werden die Spitzen ausgebrochen, dann machen sie bald neue Triebe, welche leichter Früchte ansetzen. Wachsen sie aber schwach und kümmerlich, so soll man das Entspitzen unterlassen. Außerdem wird die Gurkenreihe gegen den 10. Juni behäufelt indem man beim Hacken des Beetes von beiden Seiten Erde an die Pflanzen zieht. Bei Trockenheit ist viel zu gießen. Das ist für Gurken eine Hauptsache. Beste Gurkensorte für gewöhnlichen Landanbau: „Erfurter mittellange“.

2. Frühkultur
Das Bild zeigt eine junge Gurkenpflanze, die vor Kälte und Frost mit einer Glasglocke geschützt wurde.
Glasglocke für Gurken

Lohnend ist bei Gurken eine Frühkultur im freien Lande mit Schutz der jungen Pflanzen durch Glasglocken, Glaskästen. — Zu diesem Zwecke werden die Gurkenkerne vom 5. bis 10. April in Töpfe mit guter Komposterde gesät, je 2 Kerne in einen Topf von der Größe eines Tassenkopfs. Diese Töpfe werden in einen Mistbeetkasten gesetzt, der richtig beschattet und gelüftet wird, damit die Gurkenpflanzen nicht etwa dünn und spillerig werden. In der Zeit vom 15. bis 20. Mai werden die Pflanzen mit den Topfballen ausgepflanzt. Hauptsache ist, dass man beim Auspflanzen einige günstige, warme Tage trifft, gerade während des Anwurzelns sind die Pflanzen doppelt empfindlich gegen kaltes, rauhes Wetter. Beim Pflanzen bleibt der Ballen guter Erde an den Wurzeln unversehrt. Zum Schutze werden Glasglocken oder Glasdächer übergedeckt. Wenn die Sonne scharf scheint, wird ein Stein oder Brettchen untergeschoben, damit die Gurken nicht verbrennen, im übrigen wird das Glas fest geschlossen gehalten. Bei kaltem Wetter und Frost werden auch noch Decken darüber gelegt. Später, dann bei wärmerem Wetter, wird dauernd Luft gegeben. Nach acht bis vierzehn Tagen wird an die Gurkenpflanzen etwas Erde angehäufelt. Erst wenn die Gurken nicht mehr Raum haben unter dem Glasdach wird dieses dauernd weggenommen, nachdem zuvor die Pflanzen abgehärtet und an die Luft gewöhnt worden sind.
Diese Frühkultur ist nur für warme, geschützte Lage und sehr guten Boden. Man erntet dabei wohl drei Wochen früher als bei gewöhnlicher Landkultur. Beste Sorte für diese Kultur: „Grüne Schlangengurke“.

3. Mistbeetkultur
Das Bild zeigt ein Gerüst zum höher legen des Fensters beim Gurkenanbau.
Gerüst zum Höherlegen der Fenster.

Gegen Ende April, Anfang Mai können die nach Verfahren 2 (Frühkultur) in Töpfen angezogenen Pflanzen in die Mistbeete gepflanzt werden, die in dieser Zeit teilweise schon freigeworden sind. Es wird zu diesem Zweck die verbrauchte Erde fortgeschafft und für den Raum eines Fensters ein Karren voll gute Mistbeeterde, oder wenn diese fehlt, beste Gartenerde nachgefüllt. Unter jedes Fenster werden zwei Pflanzen auf einen kleinen Hügel gesetzt. — Gurken wollen im Mistbeete sehr gut gepflegt werden: gespritzt, vorsichtig gelüftet, beschattet. — Mitte Juni wird über das Mistbeet aus Pfählen und Stangen ein Gerüst gebaut, auf welches die Fenster 20 cm über dem Kastenrand aufgelegt werden können, so dass unten die Luft durchstreicht, die Ranken der Gurken können dann über den Kastenrand hinauswachsen.
Beste Gurkensorte für diese Kultur, wie überhaupt für Mistbeetkultur, ist: „Noas Treibgurke“. — Auch „Prescot Wonder“ ist vorzüglich. Die eigentliche Gurkentreiberei kann schon im Februar—März beginnen. Es ist aber wegen der mühevollen Handhabung und wegen des unsicheren Erfolges bei mangelnder Übung dem Anfänger nicht anzuraten, sich mit der Treiberei zu befassen.
Bei Gurken, die im Mistbeet zu dicht wachsen, müssen die Ranken teilweise ausgeschnitten werden.

Handbestäubung bei Gurken
Das Bild zeigt eine weibliche (links) und eine männliche (rechts) Blüte der Gurke (Cucumis sativus)
Weibliche (links) und männliche (rechts – taube) Gurkenblüte.

Die Gurken haben zweierlei Blüten, taube und fruchtbare. In den tauben (männlichen) Blüten befindet sich der Blütenstaub, in den anderen (weiblichen) Blüten der Stempel und daran der Ansatz der jungen Gurken mit den Samenfächern. — Wenn eine Gurke viel taube Blüten bringt, so ist in der Regel schlechter Samen daran schuld. Guter Samen bringt immer Pflanzen, die große Neigung zur Fruchtbarkeit zeigen. Im übrigen sind die ersten Blüten meistens taub. In gutem, fruchtbarem Boden zeigen sich bei schlechtem Wetter spätestens acht Tage nach den tauben Blüten auch fruchtbare.
Überflüssig sind die tauben Blüten nicht, sondern sie sind im Gegenteil von großer Bedeutung, weil sie den Blütenstaub enthalten, der nötig ist zum Samenansatz. Ohne Bestäubung mit diesem Blütenstaub findet ein Wachsen der kleinen Fruchtansätze zur Gurke nicht statt. Dieses Übertragen des Blütenstaubes von einer Blüte zur anderen kann künstlich mit der Hilfe eines Pinsels geschehen und bei Mistbeetgurken nimmt man häufig zu diesem Aushilfsmittel seine Zuflucht, wenn trübe Frühjahrs-Witterung ein Befruchten auf natürlichem Wege verhindert. Im freien Lande und im Hochsommer übernehmen die emsigen Blüteninsekten das Übertragen des Blütenstaubes.

Verwendung der Gurken
Viele Gurken hängen in einem Gewächshaus zur Ernte bereit. Es handelt sich um die alte Sorte "Treibgurke Juwel von Koppitz"
Treibgurke Juwel von Koppiz. Aus: Kuhnert, F.; Hampel C., (1902): Hampel’s Gartenbuch für Jedermann.

Die beste Gurkensorte zum Einmachen als saure Gurke ist die „Erfurter oder Liegnitzer mittellange“. Gute Salatgurken liefern sämtliche Schlangengurken, z.B. die Sorte „Berliner Aalgurke“, sehr geschätzt für leichten Boden; die lange grüne, volltragende und die „Walzengurke von Athen“ für schweren Boden. Die meisten und besten Pfeffergürkchen liefert die kleine frühe russische „Murawsche Traubengurke“.

Salzgurken – Rezept

Zu Salzgurken oder sauren Gurken sind die mittellangen, noch grünen Früchte die besten. Sie werden frisch gepflückt und 24 Stunden in Brunnenwasser gelegt. Hierauf werden sie mit einer weichen Bürste sauber gewaschen und in das Gefäß gepackt, in welches man sie einlegen will. Am besten ist ein reines Wein- oder Essigfässchen oder ein solches, in welchem schon Gurken eingemacht wurden; es muss aber sehr sauber ausgeschwefelt und ausgebrüht werden. Die Gurken werden schichtweise eingepackt, mit einigen Weinreben, unreifen Weinbeeren und Dill durchschichtet. Wenn das Gefäß bis an den Rand gefüllt ist, so nimmt man auf 4 Liter Wasser 100 Gramm Salz, lässt Wasser und Salz kochen, tut, wenn die Flüssigkeit abgekühlt ist, noch auf obige Menge je einen Teelöffel voll gestoßenen Salpeter und gießt mit dieser Flüssigkeit das Faß voll. Nun wird das Faß in den Keller gestellt und der Inhalt mit einem Deckel und Stein beschwert. Die Salzlake muss immer überstehen, fehlt sie, muss sie durch Nachgießen ergänzt werden.

Eine historische schwarz-weiß Fotografie aus Zerbst, zu sehen, Siebenwochenkartoffeln, dazwischen wurden zwei Reihen Gurken gepflanzt.
Aus Zerbst: Siebenwochenkartoffeln, dazwischen zwei Reihen Gurken.

Wenn eingemachte Gurken weich und hohl werden, so liegt das in der Regel nicht am Einmachen, sondern an der Kultur. Gurken, die mit Chilisalpeter oder sehr reichlich mit Abtrittsdünger gedüngt wurden, wachsen infolge des hohen Stickstoffgehaltes vortrefflich. Es sind ausgezeichnete, zarte Salatgurken, aber es fehlt ihnen die Festigkeit des Fleisches, die für die gute Haltbarkeit nötig ist. Große Gurkeneinmacherein verbieten daher den Gurkenbauern das Düngen mit Salpeter und dergleichen.

Senfgurken, Essiggurken – Rezept

Zu Senfgurken oder Essiggurken nimmt man die größten ausgewachsenen und reifen, nicht überreifen Exemplare, von denen Samen geerntet wird. Man reinigt die Gurken mit einem Tuche, schält sie, schneidet sie in zwei Teile und nimmt mit einem silbernen Löffel die Kerne heraus. Nun schneidet man die Gurken nach Belieben in Stücke, salzt sie aber nur wenig und lässt sie so 24 Stunden stehen; am nächsten Tage trocknet man mit einem reinen Tuche die Gurkenstücke ab, kocht Essig auf und gießt ihn kochend über die Gurken. Am folgenden Tag bereitet man weiße und schwarze Senfkörner, Meerrettich (klein und in Würfel geschnitten), Rokambolen oder Perlzwiebeln, gewöhnliche Zwiebel (in Scheiben geschnitten) und Esdragon. Man nimmt die Gurken aus dem Essig und packt sie schichtweise mit obigen Zutaten in einen Steintopf. Dann nimmt man auf jeden Liter guten Weinessig ein halbes Pfund Zucker, kocht die Mischung auf und gießt sie kochend über die Gurken. Nach einigen Tagen wird der Essig abgegossen, aufgekocht und kochend wieder übergegossen; das wird noch einmal wiederholt. Diese Gurken halten sich vorzüglich.

Pfeffergurken – Rezept

Pfeffergurken sind die kleinen, unausgebildeten, noch nicht fingerlangen Gurken, welche zuweilen von gewöhnlichen Gurkenbeeten im Herbst noch abgeerntet werden, ehe Frost eintritt. Besser ist es, man baut eigens als Pfeffergurken die Traubengurken. Diese Gürkchen werden auch gereinigt, in Gläser oder Töpfe gepackt und dann mit scharfem, kochendem Weinessig übergossen, welchem vorher Gewürzkörner, ganzer Pfeffer, Meerettich, Majoran und Esdragon zugesetzt wurde.

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Kürbis

Ein schwarzweiß Foto von einem gelben Riesen-Melonen-Speisekürbis.
Gelber Riesen-Melonen-Speisekürbis

Einige Speisekürbisse auf den Komposthaufen zu pflanzen, wäre bestimmt sehr zu empfehlen, wenn dadurch die Komposterde nicht zu stark ausgesogen würde. So halte ich es für besser, am Fuße des Komposthaufens das Erdreich gut zu lockern und die Kürbiskerne hier hineinzulegen, wo sie von versickernden Nährstoffen hinreichend erhalten und mit ihren langen Ranken den Haufen beziehen und beschatten. Oder man sucht sich eine passende, sonnige Ecke des Gartens oder ein Beet, welches recht frei und nicht schattig liegt, für den Kürbis aus.

Aussaat der Kürbisse am 1. bis 5. Mai, nicht beetweise, da zwei Pflanzen in sonniger Ecke, wo sie Platz haben ihre Ranken auszubreiten, reichlich den Hausbedarf decken. Es wird an der geeigneten Stelle zeitig im Herbst eine 40 cm breite und tiefe Grube ausgeworfen, mit Holzasche gefüllt, die mit Jauche übergossen wird. Hier hinein werden später die Kerne gelegt. In trockeneren Lagen und da, wo die Asche nicht rechtzeitig im Herbst vorbereitet werden kann, wird die Grube nicht mit Asche, sondern mit Komposterde gefüllt.
Auf dem Komposthaufen gedeihen Speisekürbisse ausgezeichnet. Nur in gewöhnlichem Gartenboden gedeihen die Kürbisse schlecht. Deshalb wird unter allen Umständen ein Haufen oder eine Grube mit

Auf dem Bild ist zu sehen, wie eine Pflanzstelle für einen Kürbis vorbereitet wird.
Vorbereitung einer Pflanzstelle für Kürbis. Unten: Dünger, darüber: Erde, darüber: Erdhügel über der Grube in welchen die Kerne gelegt werden.. Oberfläche ab gestrichelter Linie

kompostähnlichen Stoffen hergerichtet, ein Haufen am besten in tiefen feuchten, eine Grube in hohen trockenen Lagen. Eine sehr fruchtbare Masse zum Füllen der Gruben für Kürbisse wird gewonnen, wenn man gewöhnliche Kompostabfälle mit Hühner- oder Taubendünger vermischt. Der Dünger wird festgetreten, dann kommt Erde drauf. Schließlich wird die Erde so hoch gehäuft, dass sie über die Umgebung hervorragt. In die Mitte dieses Hügels kommt wieder eine Vertiefung, die randartig ringsum mit Erde umgeben ist.
Zuweilen genügt es schon, um schöne Kürbisse zu erzielen, wenn an der betreffenden Stelle der Boden recht weit und tief gelockert wird. Ich habe immer und überall beobachtet, dass Kürbis für weite Lockerung äußerst dankbar ist; wenn der so gelockerte Boden einige Nahrung enthält, so verstehen auch die Kürbiswurzeln dieselbe aufzufinden und einzuholen.

Beschneiden, Einstutzen der Ranken ist nur dann notwendig, wenn die Ranken einen bestimmten zugewiesenen Raum nicht überschreiten sollen. Kürbis braucht viel Wärme, aber auch viel Feuchtigkeit, es wird täglich gegossen.

Geerntet werden die Kürbisse, wenn sie reif sind; das sieht man am Stiel, auf dem sich scharfe Rippen einprägen. Anfang Oktober wird man alle Früchte abnehmen und frostfrei unterbringen, denn sie sind gegen Frost außerordentlich empfindlich. Sie halten sich aber an einem passenden Ort, z.B. auf einem Flur oder Küchenschrank bis in den Februar.

Die Fotografie zeigt eine Kürbisecke in einem Haus- bzw. Bauerngarten.
Kürbisecke in einem Bauerngarten.

Für die Küche und zum Einmachen sind nur die besten Speisekürbisse zu gebrauchen, nicht aber die gewöhnlichen Futterkürbisse. Als bester Speisekürbis gilt der gelbe „Riesenmelonen-Zentnerkürbis“. Er ist nicht nur hochfein, sondern auch sehr ertragreich.
Die Zahl der Kürbisrezepte ist reich und füllt viele Seiten des Kochbuches. Die Verwendung zu Mehl- und Eierspeisen, zu Kartoffelpuffer, Suppen usw. ist örtlich beschränkt und findet durchaus keinen allgemeinen Anklang. Allgemein aber wird die Kürbisfrucht als Kompott und Einmachefrucht geschätzt. Bei einem Wettbewerb, der im Jahre 1904 vom „praktischen Ratgeber“ veranstaltet wurde, kamen 80 Rezepte zur Einsendung.

Preisgekrönt wurde das folgende Kürbisrezept:

Zu 5 Kilo Kürbis nahm ich etwa 1 1/2 Kilo saure Äpfel und 1 Kilo Zucker. Den von Schalen, Kernen und Mark befreiten und in Stücke geschnittenen Kürbis ließ ich einige Minuten in kochendem Wasser, dem ich eine Prise Salz beifügte, überwellen und dann auf einem Durchschlag recht trocken ablaufen. Hier wurde der Kürbis durch das Sieb gerührt, wobei kaum ein Rückstand zurückblieb. Die mit Gewürz (Zitronenschale, Zimt, auch etwas Ingwer) gekochten Äpfel wurden gleichfalls zu Mus gerührt, mit dem Kürbis gemischt und das Ganze mit dem Zucker unter fleißigem Umrühren zu Marmelade eingedickt. Nach Geschmack kann man auch etwas Vanille, und wenn die Äpfel wenig sauer sind, auch einiger Tropfen Essig hinzugeben. Die etwas steif eingekochte Probe kann, wenn sie als Kompott dienen soll, mit wenig Apfelwein verdünnt werden, der auch als Zusatz bei Suppen Verwendung findet. Kinder lieben sie auch als Aufstrich auf Brot oder Semmel. Jedenfalls ist die Marmelade gesund und die Herstellung billig und nicht sehr zeitraubend.

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Melone

Die Abbildung zeigt eine Zeichnung von einer Wassermelone, die in Deutschland angebaut werden kann.
Wassermelone. Aus: Kuhnert, F.; Hampel C., (1902): Hampel’s Gartenbuch für Jedermann.

Melone gedeiht in deutschem Klima nur ausnahmsweise und gelegentlich einmal im freien Lande. In Süddeutschland, am Bodensee, in Baden, am Rhein und Main gelingt es in warmer Lage und bei nicht zu ungünstiger Sommerwitterung, Melonen im Freien Ende August bis Mitte September zur Reife zu bringen. In den übrigen Gegenden und in ungünstigen kühlen, feuchten Jahren, ist dann aber selbst der Anbau im Mistbeet schwierig, besonders die Frühtreiberei der Melonen im Mistbeet, die für den Gartenfreund nicht zu empfehlen ist.

Die gewöhnliche Melonenkultur im Mistbeet beginnt 15. bis 20. März. Um diese Zeit wird ein Mistbeet in der allgemein beschriebenen Weise, aber mit einer besonderen Sorgfalt, angelegt. — Nachdem die übliche Packung Pferdemist vier bis fünf Tage sich erwärmt hat und der scharfe Dampf, der den Melonen sehr schädlich sein würde, abziehen konnte, kommt auf den Pferdemist eine 3 Finger (6 cm) hohe Lage strohfreier Kuhmist. Dieser hat den doppelten Zweck, die Hitze und Schärfe des Pferdemistes von der unmittelbaren Nähe der Wurzeln abzuhalten und den Pflanzen eine besonders gute Nahrung zu geben. Wenn die Melonenwurzeln in den Kuhmist wachsen, so befinden sie sich viel wohler darin, als wenn sie in die oberen Schichten des Pferdemistes eindringen würden. Auf diesen Kuhmist kommt nun erst die Erde, in welche die Melonen gepflanzt werden. — Diese Erde muss eine besonders gute sein, selbst die gewöhnliche Mistbeeterde genügt für die Melonen nicht.
Erfahrene Melonenzüchter setzen ihre Erde wie folgt zusammen:
– 2 Teile Rindermisterde, das ist alter zu Erde verrotteter Rindermist,
– 2 Teile Rasenerde aus guten, lehmigen Rasensoden bereitet
– 1 Teil grobkörniger Sand.
Alter Gebäudelehm wird als besonders vorteilhafter Zusatz zu Melonenerde betrachtet. Man hat ihn nur nicht immer.

Gegen 1. bis 5. April werden die in einem anderen gut geschlossen gehaltenen Mistbeetkasten oder noch besser im Gewächshaus herangezogenen Melonenpflanzen in den vorbereiteten Melonenkasten gepflanzt. Je zwei Pflanzen unter ein Fenster. Der übrige Raum kann durch Salat ausgenutzt werden. Zu beiden Seiten der Melonenpflanzen muss aber der Raum freibleiben.
Die Fenster müssen sehr gut und dicht aufliegen. Es ist für Melonen ein besonders genau gearbeiteter Kasten erforderlich, außerdem ein guter Mistumschlag. Beim Pflanzen — nur bei wärmstem Wetter — darf keine Zugluft und keine Kälte an die Pflanzen herankommen. Jede Erkältung führt zu Siechtum der Pflanzen und Misserfolg. Deshalb muss nun auch im weiteren Verlauf der Kultur auf das Allersorgfältigste die Wärme des Kastens geregelt, außerdem geschattet, gespritzt und zur geeigneten Zeit etwas gelüftet werden. — Von der Geschicklichkeit und Sorgfalt, mit der diese Arbeiten ausgeführt werden, ist der Erfolg der Melonenkultur abhängig. Misserfolge z.B. schlechtes Ansetzen, Abfallen oder Faulen der Früchte sind entweder auf schlechte Erde oder auf schlechte Behandlung zurückzuführen.

Damit die Melonenpflanzen bald Früchte tragen, werden sie regelrecht beschnitten. Blieben sie unbeschnitten, so würde der Fruchtansatz viel zu spät eintreten, außerdem würden die Ranken zu dicht wachsen und zu viel Raum beanspruchen. Das Schneiden kann nach folgendem sehr einfachem Schema geschehen: Sobald die Melonen vier vollkommene Blätter haben, werden sie auf zwei Blätter zurückgeschnitten. Aus jedem der beiden Blattwinkel treibt nun eine Ranke. Das werden die beiden Hauptranken, und wenn diese beiden Hauptranken fünf vollkommene Blätter erreicht haben, wird zum zweitenmal beschnitten, diesmal jede Ranke auf vier Blätter. Jetzt treiben an jeder Ranke vier neue Ranken, zusammen acht Ranken.

Auf dem Bild ist eine Melonenpflanze (Cucumis ssp.) dargestellt. Das Beschneiden der Ranken von den Melonen wird erklärt.
Melone – erstes beschneiden und Melone zweites Beschneiden

Dies sind die eigentlichen Fruchtranken, an denen sich die fruchtbaren Blüten zeigen. Sollten diese ausbleiben und die Ranken zu üppig wachsen, so werden sie über dem dritten Blatt noch einmal geschnitten, jetzt darf aber an jeder Ranke nur eine neue Ranke austreiben, die übrigen, überhaupt alle Ranken, welche die Ordnung stören, werden einfach glatt weggeschnitten, die regelrechten Ranken hübsch vorschriftsmäßig ausgebreitet.

Das Bild zeigt eine Melonenpflanze und die Schnittpunkte für das dritte Schneiden.
Drittes Beschneiden der Melone.

Die Blüten müssen künstlich befruchtet werden, indem ein kleines Haarpinselchen in die sogenannten tauben Blüten getupft wird, sodass der gelbe Blütenstaub daran hängen bleibt. Dieser Blütenstaub wird dann auf die Blüten mit Fruchtansatz übertragen und dort am Stempel abgestrichen. Dadurch entwickelt sich die an dieser Blüte sitzende Frucht. Haben nun die jungen Früchte die Größe eines Hühnereis erreicht, so lässt man an jeder Pflanze nur zwei, höchstens vier davon. Die fruchttragenden Ranken werden hierauf besonders gepflegt, alle übrigen unfruchtbaren Ranken nach und nach weggeschnitten. Zwei Blätter über der Frucht wird die fruchttragende Ranke gestutzt und die beiden neuen Ranken, die hervorkommen, bleiben als Saftleiter stehen. Die Reife der Melonen tritt im August und September ein und ist am

Das Bild zeigt eine Melonenpflanze und an welcher Stelle die fruchttragenden Ranken gestutzt werden
Melonenanbau – Stutzen der fruchttragenden Ranken

Geruch zu erkennen. Die Melonen sind roh mit Zucker genossen und eingemacht köstlich. Die Sorten teilt man in geriefte Melonen (Cantaloupen), genetzte Melonen (Netzmelonen), glatte Melonen, Klettermelonen und Wassermelonen (Arbusen).
Die beiden letzteren gedeihen am leichtesten, sind aber auch im Geschmack am wenigsten geschätzt. Es gibt eine unzählige Menge von Sorten. Am geschätztesten und leicht zu kultivieren sind die Melonensorten: „Cantaloupe“, „Konsul Schiller“ und „Pariser Netzmelone“.

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