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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Düngung und Bodenbearbeitung Grundlagen für Anfänger

Künstliche Dünger und die wichtigsten Pflanzennährstoffe

Womit sollte man seinen Garten düngen? Welche verschiedenen Dünger gibt es und was bewirken sie? Gartenbauunternehmer Johannes Böttner (1899) gibt in seinem Artikel „künstliche Dünger“ einen Einblick über die Art und Wirkungsweise von unterschiedlichen Düngern, und erklärt, wie diese auf Beeten und im Garten verwendet werden. Zudem vermittelt er wichtige Grundlagen in der Pflanzenernährung und […]

Womit sollte man seinen Garten düngen? Welche verschiedenen Dünger gibt es und was bewirken sie? Gartenbauunternehmer Johannes Böttner (1899) gibt in seinem Artikel „künstliche Dünger“ einen Einblick über die Art und Wirkungsweise von unterschiedlichen Düngern, und erklärt, wie diese auf Beeten und im Garten verwendet werden. Zudem vermittelt er wichtige Grundlagen in der Pflanzenernährung und erklärt, wie die essentiellen Nährelemente Stickstoff, Phosphor, Kalium und Kalk wirken.

Künstliche Dünger
Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Durch die Chemie erfahren wir, dass die Pflanze zum Aufbau des Pflanzenkörpers dem Boden bestimmte Stoffe entnimmt. Diese Stoffe müssen im Boden vorhanden sein, wenn die Pflanze darin gedeihen soll, und da sie durch die Kultur dem Boden fortdauernd entzogen werden, muss immer wieder Ersatz stattfinden. – Beim Ersatz handelt es sich meistens nur um wenige bestimmte Nährstoffe. Andere werden in so geringen Mengen gebraucht und sind von Natur in jedem Boden so reichlich enthalten, dass sie selten in Frage kommen. Die für die Pflanzennahrung wichtigsten Stoffe sind Stickstoff, Kali, Phosphorsäure und Kalk. Der Kalk nimmt unter diesen vier Stoffen eine Ausnahmestellung ein. Denen, die sich mit Chemie nicht beschäftigt haben, wird eine kurze, durchaus nicht wissenschaftliche Charakteristik dieser wichtigen Stoffe angenehm sein:

Der Stickstoff ist der flüchtigste Stoff, er ist bekanntlich in der Luft enthalten und nimmt auch keinen beständigen Aufenthalt in unserem Gartenboden, er sucht sich frei zu machen und verdunstet dann in den Untergrund oder geht in die Luft. In jedem Humus ist viel Stickstoff enthalten und zwar in gebundener Form. In der Asche von Pflanzenteilen (Holzasche) ist kein Stickstoff mehr, er ist beim Verbrennen verbraucht worden. – Die besondere Wirkung des Stickstoffes, der in Form von Salpeter als Pflanzennährstoff dient, besteht darin, dass er die Pflanzen zur reichlichen Wurzelbildung, zum üppigen Wachsen und zur Entfaltung vieler Blätter veranlasst. Auf der Neigung zur frühen Fruchtbarkeit übt er keinen günstigen Einfluss aus.

Das Kali ist ein Hauptbestandteil der Asche. Es ist in der Regel in kräftigem Lehmboden reichlich vorhanden, fehlt aber in Sand- und Moorboden. – Es wird nicht so leicht in den Untergrund gewaschen, verflüchtigt sich auch nicht. – Chemisch rein ist es ein weißliches Pulver. Seine besondere Wirkung besteht darin, dass es den Pflanzen einen kräftigen Bau gibt. Es findet sich also vorwiegend in den Stengeln und Wurzeln. Durch gute Ernährung mit Kali (Überschuss an Kali im Boden), bilden die Pflanzen derbe Strünke aus, werden hart und widerstandsfähig.

Die Phosphorsäure, ebenfalls ein Aschenbestandteil, ist am reichlichsten in den Blüten und Samen enthalten. Die Düngung mit phosphorsäurehaltigen Bestandteilen wirkt auf die Fruchtbarkeit der Pflanzen, auf den Wohlgeschmack von Gemüse und Obst.

Der Kalk ist in allen Teilen der Pflanzen mehr oder weniger vorhanden. Er dient aber auch dazu, die übrigen Nährstoffe im Boden den Pflanzen nutzbar zu machen.

Da sBild zeigt einen Menschen, der den Garten düngt und Dünger ausstreut.
Garten und Beete düngen.

Die Düngung ist nun nicht so aufzufassen, als ob es möglich wäre, mit einem einzelnen Nährstoff, oder mit einem Düngemittel, welches nur einen Nährstoff enthält, Erfolge zu erzielen. – Es ist notwendig, dass sie alle in hinreichender Menge, in der richtigen Zusammensetzung vorhanden sind, wenn die Pflanze wachsen soll.

Die richtige Zusammensetzung der Nährstoffe bietet der Stallmist. Er enthält nicht nur sämtliche Nährstoffe, er enthält sie außerdem in einer Zusammensetzung, welche annährend den durchschnittlichen Bedürfnissen entspricht. – Vielleicht hat der Stallmist etwas zu Stickstoff und etwas zu wenig Phosphorsäure und Kalk, sein Kaligehalt löst sich langsam, ist aber ausreichend im Verhältnis. Dafür besitzt er die wertvollen Eigenschaften, den Boden warm zu machen. Die Stoffe zersetzen sich fortdauernd und dadurch entsteht Wärme. Ferner macht er den Boden locker, frisch, d.h. fähig, die Feuchtigkeit besser zu halten. Der Stallmist wirkt auch anregend auf die Tätigkeit der Bodenbakterien. Er belebt den Boden. Die meisten künstlichen Dünger lassen ihn kalt und tot. Darin besteht der große Vorrang des Stallmistes vor den künstlichen Düngern. Alle künstlichen Dünger werden im Gartenbau, wo die günstigen Bodeneigenschaften so besonders ins Gewicht fallen, viel mehr als in der Landwirtschaft, immer nur Hilfs- und Nebendünger bleiben. Dies schicke ich voraus um den verbreiteten Irrtum zu bekämpfen, es sei möglich, mit künstlichen Düngemitteln den Stallmist zu ersetzen.

Ich gebe die wichtigsten künstlichen Dünger an und gleichzeitig eine Charakteristik ihrer Bestandteile.

  1. Blumendünger. Unter diesem Namen werden von Samenhandlungen, Blumenläden und Handlungen gärtnerischer Geräte Düngerpulver verkauft, deren Zusammensetzung nicht angegeben wird. Der bekannteste und in seiner Art wohl auch der brauchbarste ist Naumanns Blumendünger. Alle derartigen Düngermischungen haben das Fehlerhafte, dass sie im Verhältnisse ihres Wertes viel zu teuer sind. Ihre Verwendung setzt einen leichten, mürben, lockeren Boden voraus, wie er zur Blumenzucht passt. In rohem Boden sind solche Blumendünger völlig nutzlos.

  2. Chilesalpeter wirkt nur als Stickstoffdünger. Da mit Stallmist gut gedüngter Gartenboden schon mehr Stickstoff enthält als nötig ist, so kann Chilesalpeter im Gartenbau wenig nützen. Anders ist’s in der Landwirtschaft, für die der Stickstoff viel wichtiger ist, weil er auf dem Feldlande in Folge viel schwächere Stalldünger viel mehr fehlt. Der Vorzug des Chilesalpeters liegt darin, dass er sofort zur Wirkung kommt, denn er braucht nicht erst im Boden umgesetzt und in aufnehmbare Pflanzennahrung verwandelt zu werden. Er ist ohne weiteres aufnahmefähig für die Wurzeln. Aber darin liegt auch wieder die Gefahr, dass die Pflanzen mehr erhalten als sie gebrauchen. Es hat schon mancher mit Chilesalpeter, der sehr scharf wirkt, seine wertvollen Pflanzen verdorben – also Vorsicht! Es dürfen auf den Quadratmeter nur 20 Gramm Chilesalpeter gestreut werden. Auf die Blätter darf das Salz nicht fallen.
  3. Fäkalextrakt (Poudrette) ist konzentrierter, seiner Feuchtigkeit beraubter Abtrittsdünger. Es würde Verschwendung sein, ihn zu kaufen, da, wo er in natürlicher Form zu haben ist. Er ist in frischem Zustande noch viel wirksamer; gehört zu den Stickstoffreichen Düngern.

  4. Guano hat in unverfälschtem Zustande vor den rein chemischen Düngerpräparaten den Vorzug, dass er ein tierischer Dünger ist und deshalb mit dem Boden eine bessere Verbindung eingeht und eine Zersetzung stattfindet. Er enthält vorwiegend Stickstoff, aber auch Phosphorsäure. – Der Dünger von Tauben und Hühnern wirkt, getrocknet und gepulvert, ähnlich wie Guano.

  5. Holzasche. In Gegenden, in denen noch Holz ausschließlich gebrannt wird, ist der Zentner für 2 – 3 Mark käuflich. Diese Asche wirkt hauptsächlich durch den Kaligehalt.

  6. Hornspäne, Hornmehl. Die gröberen Hornspäne sind nur auf dem Komposthaufen zu gebrauchen, weil sie sich viel zu langsam zersetzen. Durch feinstes Mahlen werden die Hornspäne zu Hornmehl. Dieses Hornmehl braucht aber noch lange Zeit, um im Boden wirksam zu werden. Die Wirkung ist eine anhaltende. Die Pflanzen bleiben nach Düngung mit Hornmehl länger grün als andere, was oft gut, oft unangenehm ist, je nach dem Zwecke, den man verfolgt. Frühreife wird durch diese Düngung nicht herbeigeführt; lange grün bleibende Pflanzen leiden auch leichter im Winter. Hornmehl wirkt vorwiegend durch den Stickstoffgehalt.

  7. Kainit enthält 24 Prozent Kali, ist also nur Kalidünger; als solcher sehr wertvoll für Spargelkulturen. Durch die Nebenbestandteile, Chlor usw. kann Kainit bei reichlicher Anwendung gefährlich werden. Man verwendet nie mehr als 100 Gramm auf den Quadratmeter.

  8. Kalk. Nächst dem Stallmist das notwendigste und wichtigste Bodenverbesserungsmittel. Schlechter, dumpfer Boden, verjauchter Boden, einseitig überdünger Boden, überhaupt fehlerhafter, kranker Gartenboden wird durch Kalk geheilt. Man unterscheidet gebrannten Kalk und ungebranntem Kalk, beide dienen als Düngerkalk. Der gebrannte Kalk muss zu Staub gelöscht, der ungebrannte sehr fein zu Staub vermahlen werden. Das Löschen ist sehr einfach. Der Kalk wird im Garten auf Haufen geschüttet und mit Erde oder Rasenboden zugedeckt, bis die Kalkstücke zerfallen sind. Zeigen sich Sprünge in der Erde, so müssen diese sofort geschlossen werden. Später wird der Kalk gut zerteilt und untergraben. Den ungebrannten Kalk muss man fein gemahlen kaufen, wozu sich allerdings nicht überall Gelegenheit bietet.
    Der ungebrannte, gemahlene Kalk wirkt langsamer, aber nachhaltiger und günstiger, der gebrannte schneller, in leichtem Boden aber nicht immer wohltuend, weil er zu scharf und ätzend ist. Es werden auf den Quadratmeter 500 Gramm gerechnet; 250 Gramm sind schon gut, man kann aber auch mehr nehmen als 500 Gramm.

  9. Knochenmehl, durch Mahlen tierischer Knochen gewonnen, ist äußerst verschieden in Gehalt und Wirksamkeit. Entleimtes Knochenmehl wirkt nur durch den Phosphorsäurereichtum. Nicht entleimtes hat auch Stickstoffgehalt. Knochenmehl wirkt allgemein langsam, da es sich im Boden erst zersetzen muss, wer aber die Wirkung des Stallmistes erhöhen will, sollte in erster Linie Knochenmehl wählen, denn wenn im Stall ein Nährstoff fehlt, so ist es Phosphorsäure, und diese gerade bietet das Knochenmehl, welches außerdem noch den Vorzug hat, dass es kein toter Dünger ist, sondern dass es den Boden belebt. Man rechnet auf den Quadratmeter 100 – 150 Gramm.

  10. Phosphorsaures Kali, eine Düngermischung, die von verschiedenen Firmen in den Handel gebracht wird, enthält bei Albert in Biebrich 38 Prozent Phosphorsäure und 26 Prozent Kali, frei von schädlichen Nebenbestandteilen (z.B. Chlor), wie sie in rohen Düngersalzen vorkommen.

  11. Rinderguano, konzentrierter Rinderdünger, eins der neuesten Erzeugnisse der Düngerindustrie. In großen ungarischen Ochsenmästereien hat der Dünger keinen Wert und lagert oft in riesigen Haufen, die von Sonne, Wind usw. ausgetrocknet werden. Dieser ausgetrocknete Dünger wird nun backsteinartig geformt, noch scharf getrocknet, gemahlen und kommt als Rinderguano in den Handel. Leider sind durch das Trocknen die wertvollsten Stoffe verloren gegangen. Die angenehme, den Pflanzen wohltuende Milde des verfaulten, frischen oder verrotteten Mistes ist verschwunden und kann auch durch nachträgliches Naßmachen dem ausgedörrten Dünger nicht wiedergegeben werden. Dieser Rinderguano zeigt deutlich, was ein Dünger verliert, wenn Sonne und Wind auf ihn einwirken können. Die den Pflanzen so besonders wohltuende Wirkung des Humus gehen verloren und lassen sich nie wieder ersetzen. Nach dem Wertmesser des frischen Rinderdüngers können wir also den ungarischen Rinderguano nicht schätzen, und was seinen Gehalt an Stickstoff, Kali und Phosphorsäure betrifft, so wird er zu den jetzigen Preisen zu teuer gehandelt.

  12. Superphosphat gehört, wie schon der Name sagt, zu den phosphorsäurehaltigen Düngern und ist im Verhältnis seines Gehaltes billiger als Knochenmehl. Trotzdem ist letzteres vorzuziehen, weil es wirksamer ist. – Von Albert in Biebrich wird ein Ammoniaksuperphosphat in den Handel gebracht, welches gleichzeitig stickstoffhaltig ist.

  13. Thomasmehl (Thomasschlacke, Thomasphospatmehl). In den Eisenhütten wird das Eisen nach einem neueren, von Thomas erfundenen Verfahren gereinigt, wobei die Phosphorsäure, welches das Eisen brüchig macht, ausgeschieden wird und in der Schlacke verbleibt. Anfangs blieb diese Schlacke unbeachtet, bis man plötzlich auf den Gedanken kam, sie als Düngemittel nutzbar zu machen. Die Industrie hat sich vervollkommnet und die Schlacke als feinstes Mehl mit etwa 20 Prozent Gehalt an Phosphorsäure in den Handel gebracht. Diese Phosphorsäure ist sehr schwer löslich.

Sämtliche Düngemittel werden im Herbst auf das Land gestreut und untergraben oder doch untergehackt. Über Winter, ganz besonders durch das Schneewasser, welches stark lösend wirkt, werden sie für die Pflanzen brauchbar. Ist ein Garten über Winter Überschwemmungen ausgesetzt und steht zu befürchten, dass die Nährstoffe zu sehr ausgelaugt und weggeschwemmt werden, so wird man sie auf einem höher liegenden Haufen in Erde schichten und diese Erde dann im Frühjahre ausstreuen.

Chilisalpeter wird abweichend von allen anderen Düngern nur im Frühjahre ausgestreut, weil die Wirkung eine sofortige ist. Im Herbste gestreuter Salpeter ist im Frühjahre wirkungslos in den Untergrund gelangt.

 

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