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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Der Obstgarten

Wildobst – Allerlei andere Obst- und Beerenarten

In dem nachfolgenden Artikel aus einem alten Gartenbuch von 1899 werden Wildobstarten vorgestellt und gezeigt, wie man diese ohne großen Aufwand selbst anbauen kann. Insbesondere interessant zu sehen, dass manches Wildobst schon damals bekannt und hoch geschätzt wurde, und sich bis heute aber dennoch nicht durchsetzen konnte.

Allerlei andere Obst- und Beerenarten.
Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Inhaltsverzeichnis:

  1. Hagebutte
  2. Kornelkirsche
  3. Quitten
  4. Brombeere
  5. Feige
  6. Amerikanische Preiselbeere
  7. Maulbeere
  8. Mispel
  9. Mandelbaum
  10. Esskastanie

Verschiedene hier noch nicht genannte Obstarten kommen gelegentlich zur Anpflanzung. Sie haben fast sämtlich den Vorzug, dass man nichts daran zu beschneiden braucht, dass also dieser oft schwierige Teil der Obstkultur keine Sorge macht. Man sucht ihnen einen geeigneten Platz im Garten aus, misst ihnen die gehörigen Abstände ab, pflanzt sie regelrecht in gut vorbereitetes Land und überlässt sie vollauf sich selbst. Es ist eine vollständig ausreichende Behandlung, wenn der Boden von Unkraut gut freigehalten wird.

 

1. Die großfrüchtige Hundsrose (Hagebutte)

Das Bild zeigt Früchte der Hagebutte (Rosa canina)
Hagebutte (Rosa canina)

Hagebutten, wilde Rosen mit großen, fleischigen Früchten, sehr geschätzt zum Einmachen – Apfelrose nennt man auch die gute, großfrüchtige Sorte. Der Strauch der großfrüchtigen Hagebuttenrose hat dadurch besonderen Wert, dass er sehr anspruchslos in der Kultur ist. Er gedeiht ähnlich wie die wilde Rose an Hängen, Rainen, kurz, an Stellen, an denen andere Obstarten nicht recht am Platze sind. Dabei sind die Blüten und Früchte ebenso wie die der Heckenrose sehr zierend. Man muss übrigens sehr kräftige Sträucher auspflanzen. Eine andere, ähnliche Rose ist die Regels Prachtrose (Rosa rugosa Regelina). Sie hat schöne, große, einfache, rote und weiße Blumen, flacher geformte Früchte, im Geschmack etwas weichlicher als die Alpenrose, von Vielen noch höher geschätzt. Diese Rose ist winterhart. Der Strauch wird viel als Zierstrauch in den Garten gepflanzt, verlangt aber schon besseren Boden und ist unzuverlässiger im Ertrage. Die Früchte von beiden liefern ein ausgezeichnetes Kompott.

2. Kornelkirsche (Cornus mas)

Das Bild zeigt Früchte der Kornelkirsche (Cornus mas)
Kornelkirsche (Cornus mas)

Kornelkirsche, oder Dürlitze, ein Strauch, der im Frühjahre als erster seine gelben Blüten zeigt und im Herbst als letzter seine Kirschen reift. Sie sind länglich rund und rot, in voller Reife ganz dunkelrot. In vielen Jahren werden sie aber nicht vollkommen reif, oder die Blüten erfrieren. Der Strauch wird als Zierstrauch gepflanzt, als Fruchtstrauch will er warme Lage und viel Dünger haben. Man kann Hecken, Laubengänge daraus schneiden. Unter guten Verhältnissen und wenn er nicht von anderen Gehölzen unterdrückt wird, wächst er auch zum Baum heran. Man kann herrliche Kronenkugelbäumchen daraus bilden, die als Ersatz der Lorbeerbäume zur Ausschmückung der Umgebung des Hauses dienen können. Vermehrt wird die Kornelkirsche aus Samen und durch Ausläufer.

 

3. Quitten

Quitten wachsen leicht aus Steckholz (ähnlich wie Johannisbeeren). Es braucht jeder Strauch 4 Quadratmeter Raum. Quittenstämme sind für norddeutsches Klima weniger geeignet, Buschstämme sind lohnender. In ihrer Eigenschaft als Unterlage für Birnen verlangt die Quittenwurzel feuchten Boden. Unveredelt gedeiht der Quittenstrauch auch noch in trockenem Bode, auch an schattiger Stelle, gut. Die beste Sorte ist die gewöhnliche Birnquitte. Neuerdings sind die großfrüchtigen, reichtragenden, amerikanischen Quittensorten beliebt geworden, welche früher tragen als die gewöhnlichen. Das Steckholz davon bewurzelt sich aber nicht leicht, sie müssen deshalb auf andere Quitten, oder auf Weißdorn veredelt werden. Quitten haben Wert als Einmachefrüchte, zu Backwerk usw.

 

4. Brombeeren

Die Brombeere ist verwandt mit der Himbeere und hat auch in der Kultur viel Übereinstimmendes mit ihr; z.B. ist die Brombeere auch ein Halbstrauch. Die Ruten treiben im ersten Jahr, im zweiten Jahr wachsen kurze Triebe mit Früchten daran, und nachher sterben sie ab, um den neuen Ruten Platz zu machen. Die Ruten der Brombeeren wachsen viel üppiger und länger als die der Himbeeren, besonders die amerikanischen Sorten zeichnen sich darin aus. Man heftet sie an Spaliere, die mindestens 2 Meter hoch sind. Die beste Brombeersorte ist gegenwärtig Lucretia.

5. Feigen

Das Bild zeigt Früchte der Feige (Ficus carina)
Feige (Figus carina)

Der Anbau der Feige ist nicht unlohnend, wenn genügend Raum im Schutze einer südlichen Wand vorhanden ist. Die Feigen werden einige Meter vor der Wand in eine Reihe gepflanzt. Man setzt gute Ablegerpflanzen auf 1 Meter Abstand. Jede Pflanze erhält einen Pfahl. Es wird nichts an den Feigen geschnitten, nur Wurzelschösslinge und das alte Holz müssen heraus.

In jedem Jahre, in den ersten Tagen des Novembers, legt man die Zweige zur Erde nieder; wenn sie von Anfang an daran gewöhnt werden, vertragen sie dieses Niederbiegen. Man deckt sie hierauf mit Erde gut zu und legt später noch etwas Dünger oder Laub obenauf. In der Erde müssen die Feigen liegen, bis zum Mai, dann werden sie von Erde freigemacht. Mitte Mai werden die stärksten Äste aufgebunden, die Seitenzweige, an welchen die sonderbaren Früchte erscheinen, bleiben frei. Der zweite Ansatz kleiner Früchte, der im Herbste erscheint, geht meistens über Winter zu Grunde. Bei Feigen, die in Kübeln gezogen und frostfrei überwintert werden, bleiben auch diese Früchtchen sitzen und werden im zweiten Jahre im Juli reif. Als Kübelpflanze will die Feige im Sommer einen sehr warmen Stand, im Winter einen Platz im Kalthaus haben. Ohne richtigen Winterschutz ist die Kultur nicht durchführbar.

6.Amerikanische Preiselbeeren

Das Bild zeigt Früchte der amerikanischen Preiselbeere (Vaccinium macrocarpon)
Amerikanische Preiselbeere – Vaccinium macrocarpon

Die amerikanische Preiselbeere, Moorbeere, hat für Amerika als Einmache- und Handelsfrucht, ähnlich wie unsere wilde Preiselbeere, hohe Bedeutung. Bei uns ist man über Versuche noch nicht hinausgekommen. Erwiesen ist, dass ihre Kultur nur in feuchtem Moore gelingt. Im Garten kann man sie ziehen, als köstliche Einmachefrucht, wenn man ein Beet 30 Zentimeter tief ausschachtet, mit Brettern umgibt, und 30 Zentimeter hoch Moorerde einfüllt. Hier hinein pflanzt man die Preiselbeeren mit zwei Fuß weitem Abstand. Sie bleiben niedrig, kriechen auf dem Boden hin. Wenn das Beet immer gut feucht und unkrautfrei gehalten wird, kann man im dritten Jahre Beeren ernten. Solche Errichtung lohnt sich nur für den Liebhaber. Zu empfehlen ist sie sehr, wenn es an Preiselbeeren zum Einmachen fehlt, und man Moorerde, die unbedingt nötig ist für diese Kultur, sich verschaffen kann.

7. Maulbeeren

Maulbeerbäume wurden seinerzeit als Futterpflanzen für Seidenraupenzucht viel angepflanzt, sind aber, seit die Seidenraupenzucht für unsere Verhältnisse sich als unlohnend erwiesen hat, meistens wieder verschwunden. Man trifft sie unter anderen Ziergehölzen ohne weitere Pflege in Parkanlagen noch hin und wieder und sie tragen auch Früchte. Junge Pflanzen werden aus Ablegern von guten, großfrüchtigen Sorten gezogen und werden angepflanzt an günstigen Stellen in lockerem Boden mit 3 Meter Abstand nach allen Seiten. Die süßlichen Früchte werden von Kindern gern gegessen. In kaltgrundigen Gegenden, wo Pfirsiche z.B. nicht mehr gut reifen, wird man vom Anbau der Maulbeeren absehen müssen. Sie haben überhaupt beschränkten wert.

8. Mispel

Der Mispelstrauch gedeiht noch gut an rasigen Abhängen, beansprucht, einmal angepflanzt, gar keine Pflege. Die Früchte pflückt man im November und lässt sie teig (mürbe) werden zum Genuss für die Kinder. – Sonst nicht von großer Bedeutung.

9. Mandelbaum

Der Mandelbaum ist der nächste Verwandte des Pfirsichbaumes, unterscheidet sich im Laube fast gar nicht von diesem, in den Früchten aber dadurch, dass an Stelle der fleischigen Frucht eine Schale, ähnlich wie bei Wallnüssen, entstanden ist, und dass den essbaren Kern kein harter, dicker, sondern ein zerbrechlicher, dünner Stein umschließt. Die süßen Mandeln, wie sie der Süden uns liefert, können wir in unserem Klima nicht ziehen. Der papierartig dünne Stein der edlen Mandel wird unter den Einflüssen unseres rauhen Klimas hart, der Kern verliert an Größe und Wohlgeschmack. Deshalb ist die Kultur des Mandelbaumes in Deutschland wenig lohnend. Die Kultur müsste ähnlich sein wie beim Pfirsich, in Buschform.

10. Esskastanie

Die essbare Kastanie, Marone, wird nur in den bevorzugtesten Gegenden Deutschlands als Baum angepflanzt, am Südabhang des Taunus oder im Elsass. Auch hier werden die Früchte nie so schön und groß als im mittleren Frankreich, in Italien, in Spanien. Die Winterkälte Norddeutschlands ist kein Hinderungsgrund für den Anbau der edlen Kastanie. Der schöne Baum findet sich noch oben in Schleswig-Holstein in alten Exemplaren. Es fehlt nur die Sommerwärme zur Ausbildung der Früchte. Besondere Kultur verlangt der Baum nicht. Einmal gepflanzt, gedeiht er wie Waldbäume. Junge Bäume zum Setzen wird man aus der Taunusgegend beschaffen können.

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