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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Das Säen – Wie man Gemüse richtig aussät.

Was soll ein Anfänger beim Aussäen von Gemüse in Beeten beachten? Wie findet man den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat? Wie tief muss man aussäen und was passiert, wenn man das Gemüse zu früh oder zu spät sät? All diese Fragen werden in dem nachfolgendem, sehr lesenswerten Artikel erörtert. Es werden Faustregeln an die Hand […]

Was soll ein Anfänger beim Aussäen von Gemüse in Beeten beachten? Wie findet man den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat? Wie tief muss man aussäen und was passiert, wenn man das Gemüse zu früh oder zu spät sät? All diese Fragen werden in dem nachfolgendem, sehr lesenswerten Artikel erörtert. Es werden Faustregeln an die Hand gegeben, mit denen auch ein Anfänger gut arbeiten kann.

Das Säen.

Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Die Pflanzen des Gemüsegartens sind in ihrer Mehrzahl einjährig oder sie werden als einjährig behandelt, d.h. sie entstehen im Frühjahre aus Samen und im Herbst haben sie ihre Entwicklung beendet. Ausgenommen sind Rhabarber, Spargel und einige Küchenkräuter, die ausdauernd sind. Man pflanzt diese ausdauernden Gemüse nur einmal und erntet dann viele Jahre.

Also zunächst die einjährigen Gemüse. Aus Samen entstehen sie alle, aus jedem gesunden Samenkorn eine Pflanze. Aber ihre Entwicklung ist eine sehr verschiedene. Zeit und Verfahren der Aussaat werden der Eigenart der einzelnen Pflanzenart angepasst. – Das Genauere ist für jede einzelne Pflanzenart besonders angegeben. Allgemeinhin kann man drei verschiedene Arten der Aussaat annehmen.

  1. Die Samen werden in ein „Mistbeet“ gesäet, die jungen Pflanzen im Mistbeet herangezogen und später in das Freie gepflanzt.
  2. Die Samen werden auf ein geeignetes, sehr gutes und günstiges Beet ins Freie gesät und später wird verpflanzt.
  3. Die Samen werden gleich auf das Gartenbeet gesät, auf dem die Pflanzen stehen bleiben sollen, verpflanzt wird also nicht.

Es kommt nun darauf an, immer genau zu wissen, welches von diesen drei Verfahren das richtigste ist. Wir haben es für jedes Gemüse angegeben.

Das Bild zeigt einen Mensch, der Rillen für die Aussaat von Gemüse vorbereitet.
Rillen zum Säen vorbereiten.

Beim Aussäen in das freie Gartenland sind zwei Arten der Aussaat zu unterscheiden. Die Aussaat in Rillen und die breitwürfige Aussaat. – Das Säen in Rillen bietet sehr große Vorteile, wenn der Boden roh und schlecht ist; man kann dann etwas gute Erde in die Rillen tun und die jungen Pflänzchen, die in dem schlechten Boden einzeln nicht hochkommen würden, wachsen prächtig in den Rillen in der guten Erde. Man kann auch schöner und gleichmäßiger säen. Die jungen Pflanzen stehen besser geschützt. Schließlich ist die Reinigung bei Rillensaat leichter zu bewerkstelligen. Für Ungeübte ist das Säen in Rillen überhaupt leichter als das Breitsäen.

Die ganze Arbeit wird übersichtlicher. Man macht vier, fünf oder sechs oder acht Rillen mit gleichen Abständen auf das Beet und streut den Samen hinein. In gutem Boden können Geübtere den Samen auch breitwürfig säen. Wer aber nicht geschickt genug ist, streut den Samen hierbei viel ungleichmäßiger als bei der Rillensaat. Gleichviel nun, ob der Samen in Rillen gestreut werden soll oder breitwürfig gleichmäßig auf das ganze Beet verteilt, in jedem Falle wird eine sehr gute Vorbereitung des Beetes verlangt zur Aufnahme des Samens. Diese Vorbereitung wurde schon beschrieben: Es wird tief gegraben, gehackt und gründlich geharkt: gleichzeitig die Erde durch Kompost verbessert, wenn sie noch etwas roh und klumpig ist. Frisch mit Stallmist zu düngen, ist für Saatbeete nicht am Platze. Hingegen ist das Land, welches ein Jahr zuvor oder wenigstens im letzten gut gedüngt wurde, für Aussaaten sehr geeignet.

Das Bild zeigt einen Mann, der Pflanzen und Gemüse richtig aussät.
Samen richtig aussäen.

Nachdem die Vorbereitungen gut und richtig vollendet worden sind, wird für Rillensaaten die Schnur gesteckt. Mit dem kleinen Häckchen, welches später noch beschrieben und abgebildet werden wird oder mit der Ecke einer anderen größeren Gartenhacke, selbst mit der Spitze eines Pflockes wird die Schnur entlang die Rille gezogen, tief oder flach, je nach Samenart. Für die feineren Saaten genügt schon eine Tiefe von Fingerstärke (1 ½ cm). Für Erbsen und ähnliches muss die Furche noch einmal so tief werden (3 cm). Wenn der Boden der Rille verbessert werden soll, wird zunächst eine sehr tiefe Rille gezogen, wie auf dem nebenstehenden Bilde und darauf wird die Rille durch gute Erde wieder halb gefüllt. Wer etwas Übung hat, zieht nur eine Rille auf jedem Beet nach der Schnur, die übrigen aus freier Hand.

Das Bild zeigt eine Hand und ein Tütchen beim Samen aussäen
Samen mit einer Tüte aussäen.

Der Samen wird unmittelbar aus der Düte in die Rille gestreut oder man nimmt ihn in die Hand und lässt die Körner einzeln zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger durchfallen.

Sind die Rillen besäet, so wird mit dem Rücken der Harke die beim Rillenziehen zur Seite gescharrte Erde wieder eingeschoben und etwas angedrückt. Es ist nicht ratsam, die Rille vollständig zu ebnen. Bleibt eine kleine Vertiefung, so hält sich die Erde darunter feuchter.

Beim breitwürfigen Säen wird auf das frisch und gut geharkte Land die vorher festgestellte notwendige Samenmenge ganz gleichmäßig ausgestreut. Der Säende hält den Samen in der offenen Hand, die Handfläche schräg nach oben, und lässt ihn indem er die Hand hin und herbewegt durch Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger gleichen, ähnlich wie das Geld beim Geldzählen.

Das Bild zeigt eine Hand beim Säen von Gemüse.
Pflanzen säen mit der Hand.

Hierauf wird der Samen eingehackt, aber nicht mit der Hacke sondern mit der Harke. Wollte man mit der Harke auf dem gesäeten Beete herumharken, so würde es leicht möglich sein, dass der Samen an einzelnen Stellen des Beetes zusammengeschoben würde. Wird aber mit der Harke kurz gehackt, so kommt der Samen gut und gleichmäßig unter. Dieses Einhacken des Samens wird man sich von einem geschickten Gärtner zeigen lassen.

Man kann auch gute Erde dünn und gleichmäßig, nicht klumpenweise über das soeben besäte Beet streuen, um damit die Samen zuzudecken. Das ist aber doch etwas umständlicher und unter der natürlichen Erde liegen die Samen frischer als unter der dünnen Decke fremder Erde. Nur bei feinen Saaten, wo das Beet selbst aus guter Erde besteht, wird von der gleichen guten Erde übergestreut.

Nach dem Säen von Pflanzen müssen die Rillen geschlossen werden.
Zumachen der Rille mit dem Rücken der Harke.

Es ist erklärt worden, dass man beim Rillenzumachen mit dem Rücken der Harke gleich die Erde etwas andrücken soll. Das hat eine große Bedeutung und darf nicht übersehen werden, denn die Samen müssen fest liegen! Nur wenn das Samenkorn dicht von Erde umschlossen ist und Feuchtigkeit aus der Erde aufsaugen kann, wird es keimen. Die Samenkörner, die lose in dem Erdreiche liegen, keimen nicht oder, wenn sie dennoch Keimchen bilden, so sterben diese beim ersten trockenen Winde wieder ab. Um die breitliegenden und nur leicht gedeckten Samen innig mit der Erde zu verbinden, wird die Patsche hier aus einigen Brettchen a, bb und dem Stiel c zusammengenagelt. Man nehme Doppelbretter (a und b), damit die Patsche schwerer wird und sich nicht verzieht. Damit kann man die besäeten Beete sehr schön und regelmäßig nicht zu fest anklopfen. Für Großkulturen wird eine Gartenwalze gebraucht. Wer nur wenig Beetchen hat, macht es auch mit der flachen Rückseite des Spatens. In feuchtem, klosigem Boden und beim Säen im März, wo in der Regel bald Regen kommt, welcher die Erde auch festschlägt, wird der Samen nicht festgeklopft.

Das Bild zeigt eine Patsche zum Andrücken der Samen.
Patsche zum Andrücken der Samen.

Wenn der Boden sehr trocken ist, muss das Saatbeet sofort angefeuchtet, die Saat mit der Brause fein eingeschwemmt werden. Häufig kann das unterbleiben, weil die meisten Aussaaten im Frühjahre geschehen, also zu einer Jahreszeit, in der der Boden von seiner natürlichen Feuchtigkeit noch genug besitzt. Es kommt noch hinzu, dass soeben frisch gegraben, also die Feuchtigkeit von unten nach oben gekommen ist.

Wer den Samen nicht zu tief und auch nicht zu flach säen will, merke sich die Gärtnerregel: Ein Samenkorn darf nur doppelt so hoch mit Erde bedeckt werden, als es selbst stark ist. Wird es zu sehr bedeckt, so kann es nicht schnell genug hochkommen. Wird es zu wenig bedeckt und liegt dann zu flach, so vertrocknet der Keim. Zum guten Gelingen der Saat ist nun noch nötig, dass der richtige Zeitpunkt getroffen wird. Früher galten die alten Mondregeln. Dies Gemüse musste bei Neumond, jenes bei Vollmond ausgesät werden. Leider sind diese guten Regeln außer Mode gesetzt. Ich sage „Leider“, denn sie hatten den großen Wert, dass sie Säumige an ihre Pflicht erinnerten und sie vor zu spätem Aussäen bewahrten. Der Mond hat natürlich gar keinen Einfluss auf das Gedeihen einer Saat, wohl aber kann eine Verspätung von nur einigen Tagen Misserfolg herbeiführen. Es kommt beim Säen auf den Tag an. Das ist in der eigenartigen Wärme und den Witterungsverhältnissen der verschiedenen Monate des Jahres begründet.

Eine einfache Zusammenstellung wird das klarer machen:

Die durchschnittliche Monatstemperatur beträgt:

Die durchschnittliche nächtliche Wärme beträgt:

Im April 7 °C

Im April 2 °C

“ Mai 13 °C

“ Mai 7 °C

“ Juni 15 °C

“ Juni 8 °C

 “ Juli 17 °C

“ Juli 11 °C

 

Nehmen wir nun einmal an, ein Gemüse, welches regelrecht Anfang April ausgesät werden soll und welches sich dann gut und richtig entwickelt, wird erst Anfang Mai gesät. Es ist sofort, vom ersten Tage des Aufgehens an, einer viel höheren Temperatur ausgesetzt als zur kräftigen Entwicklung gut ist. Es wächst zu schnell und infolge dessen ist die innere Ausbildung eine sehr unvollkommene. Z.B. Erbsen: säen wir sie im März, so haben wir im Juni schöne, vollkommene Schoten, säen wir im Mai, also 2 Monate später, so haben wir von derselben Sorte schon im Juli Schoten. Die Entwicklung war also eine kürzere, aber dafür ist – das bezieht sich auf leichten Boden und auf Frühsorten – die Qualität eine viel geringere. Auf schwerem Boden und auf späte Sorten passen diese Angaben wieder nicht. Und da kommen wir zu einem anderen wichtigen Punkte: Der Tag der Aussaat kann nicht schablonenmäßig festgestellt werden. Der Gärtner muss den richtigen Tag der Aussaat selbst herausfinden. Ein Laie kann das nicht, wenigstens am Anfang nicht. Soweit es möglich ist, wird deshalb eine für alle Verhältnisse brauchbare Saatzeit bei jeder einzelnen Gemüseart angegeben mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass Jeder später selbst darauf achten muss, ob er für seine besonderen Verhältnisse besser noch etwas früher oder etwas später die Pflanzen aussät.

Gegen zu spätes Säen spricht unter Umständen auch das Bedenken, z.B. in kaltem Seeklima, hohen Gebirgsgegenden, wo das Frühjahr spät kommt, der Herbst desto früher, dass die Gesamtwärme des Jahres nicht mehr ausreicht zur vollen Entwicklung der Gemüse. – Die Vegetationsdauer ist in solchen Lagen eine sehr kurze. Es muss jeder Tag ausgenutzt werden. – Man baut in Gebirgslagen überhaupt ebenso bei sehr späten Aussaaten in besseren Lagen, also in jedem Fall, wenn ein Gemüse nur kurze Zeit zur Entwicklung hat, mit Vorliebe Frühgemüse, also schnellreifende Sorten. Diese frühreifenden werden noch reif, wo spätreifende Sorten erst halb entwickelt vom Herbst überrascht werden würden.

Ein sehr frühes Säen wird für viele Gemüse – ich denke z.B. an Bohnen, Gurken usw. – dadurch bedenklich, dass die durchschnittliche Wärme der Jahreszeit noch lange nicht genügt zur gesunden Entwicklung. Gegen einzelne Fröste könnte man ja Schutz schaffen; aber das reicht nicht, um früh Bohnen oder Gurken zu säen, denn es fehlt die nötige Gesamtwärme, besonders nachts. Deshalb wartet man. – Auch in dieser Hinsicht sind die Aussaattage zu beachten.

Es gibt auch wieder Gemüse, die eine kurze Entwickungszeit haben, die man deshalb mit Vorteil zu ganz verschiedenen Jahreszeiten anbauen kann, z.B. Spinat, Salat, Radies, Frühkohlrabi, Frühe Mohrrübchen usw. Hiervon macht man Aussaaten im Frühjahre und im Sommer oder Herbst. Wer die Ansprüche der einzelnen Gemüse und ihre Anpassungsfähigkeit an die vorhandenen Verhältnisse genau kennt, kann durch Aussaat zu verschiedenen Zeiten sein Land sehr vorteilhaft ausnutzen.

Es ist schließlich in Bezug auf das Säen noch eine kleine Warnung nötig: Nicht zu dicht säen. Der noch unerfahrene Anfänger pflegt diese Warnung wenig zu beherzigen. Eine Hand voll Samen auf 50 Quadratzentimeter, das kommt gelegentlich einmal vor. Es liegt ja nicht viel darauf! Man sieht noch gar nichts. Aber wie ein dicker Pelz kommt die junge Saat emporgeschossen und selbstverständlich wird nichts daraus. Wir waren alle Anfänger! Wir haben trotz der besten Lehrmeister pelzig dick gesät. Es hat Jahre gedauert, bis wir den richtigen Griff hatten für alles. Deshalb die Geduld nicht verlieren. Wer eine gute Lehre annehmen will in Bezug auf das Säen, der beherzige  Folgendes:

Jedes keimfähige Samenkorn gibt eine Pflanze. Jede Pflanze braucht einen bestimmten Raum. Überlegen wir einmal, wie viel Raum eine einzelne Pflanze gebrauchen wird und zeichnen wir dafür einen Kreis; auf das vorbereitete Saatbeet dicht daneben einen ebenso großen Kreis, für die nächste Pflanze wieder einen Kreis und so fort. In die Mitte jedes Kreises kommt ein Samenkorn!

So, jetzt haben wir die richtige Entfernung für jede Pflanze und einen Anhalt darüber, wie weit ausgesät werden muss. Genaueres kann ich nicht angeben, denn jede Pflanzenart hat anderen Umfang, würde also einen größeren oder kleineren Kreis verlangen, z.B. Salatpflanzen bis zur Stärke in der sie verpflanzt werden sollen, etwa 2 Zentimeter Durchmesser, Kohlarten 4 Zentimeter, Sellerie 5 – 6 Zentimeter und so fort.

 

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