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Garten anlegen Praktische Gemüsegärtnerei - J. Böttner 1907

Die Größe des Gartens – Wie groß sollte ein Garten sein?

Wie groß sollte ein Garten für Selbstversorger sein? Darüber kann viel gestritten werden. Der Chefredakteur des praktischen Ratgebers J. Böttner plediert dafür, lieber kleinere Gärten mit intensiverer und besserer Bewirtschaftung zu wählen. Er gibt an, dass eine Gartengröße von 250 m² für eine kleine Familie schon ausreichen ist. Die genaue Größe eines Gartens und der Arbeitszeitbedarf lässt sich aber nur schwere ermitteln, da die Ansprüche und Absichten beim Anbauen von Obst und Gemüse bei jedem Selbstversorger verschiedene sein können.

Wie unser Garten beschaffen sein soll. – Die Größe eines Gartens.

Von: Johannes Böttner. Praktische Gemüsegärtnerei, 1907.

Durch scheinbar geringfügige Versehen bei Beginn der Gemüsebautätigkeit wird häufig der Grund zu späteren Misserfolgen gelegt. Einer der ersten Fehler ist es, dass die Größe des Gemüsegartens den Verhältnissen nicht richtig angepasst wird. Die meisten Gärten werden für den Anfang zu groß gewählt. Es gehört viel dazu, einen Garten gut im Stand zu halten: Große Mengen Dünger werden in jedem Jahre gebraucht. Es muss guter, teurer Samen gekauft, pünktlich zur rechten Zeit gegraben, gesät, gepflanzt, gegossen, gejätet, gehackt werden. Übernimmt nun ein Gartenbesitzer für den Anfang zuviel, so fehlt die richtige Übersicht und es wird alles nur halb gemacht. Der Dünger, der ausreichen würde, um vielleicht ein Drittel des Gartens in richtiger Dungkraft zu erhalten, wird auf den ganzen Garten verteilt. Vom Samen wählt man billigere Sorten, um nicht zuviel für den erforderlichen größeren Bedarf auszugeben. Die notwendigen Arbeiten, welche bei einer kleineren Fläche alle rechtzeitig zu bewältigen wären, kommen in dem großen Garten immer erst zur Ausführung, wenn der günstigste Zeitpunkt verpasst ist. Infolgedessen gedeiht alles schlecht, es entstehen Verluste, die gar nicht zu ermessen sind. Der ungenügend bewirtschaftete große Garten bringt an Ertrag nicht halb soviel als der richtig behandelte kleinere, der vielleicht nur ein Drittel des Umfanges hat. Die Unkosten sind aber die dreifachen.

Wie groß soll nun ein Gemüsegarten für Familien- und Hausbedarf sein? Das lässt sich schwer und unsicher mit nüchternen Zahlen angeben. Wir wollen versuchen, einmal nach der vorhandenen Arbeitsleistung und dann nach der Menge des täglich verlangten Gemüses den Flächenumfang festzustellen. – Man rechnet, dass eine volle Arbeitskraft mit einer Arbeitsleistung von 60 Stunden in der Woche jährlich 1 Morgen Gemüseland bebauen und in Ordnung halten kann. Dabei wird angenommen, dass zwar verschiedene, auch feinere, aber nicht zu vielerlei Gemüse verlangt werden, denn je mannigfaltiger die Arbeiten sind, um so schwerer sind sie zu bewältigen. Es wird auch angenommen, dass die Verhältnisse, z.B. der Boden, günstig sind. Der Mann muss auch kräftig und fleißig sein. Für eine schwächere Arbeitskraft, z.B. für eine Frau, würde schon ein ½ Morgen großer Garten (vmtl. ca. 1.250 m², unklar welcher Morgen hier genau gemeint ist) Arbeit genüg gewähren.

Wenn für die Pflege des Gemüsegartens täglich nur einige Arbeitsstunden zur Verfügung stehen, wenn der Gärtner oder die Arbeitsfrau noch anderweitig Beschäftigung haben, oder auch z.B. ein Beamter oder Handwerker mit sitzender Lebensweise täglich einige bestimmte Stunden mit angenehmer und nützlicher Gartenarbeit verbringen will, so können wir den passenden Flächenumfang nach obigen Angaben abmessen:

Wöchentlich 60 (täglich 10) Stunden: 1250 – 2500 Quadratmeter

Wöchentlich 6 (täglich 1) Stunden: 125 – 250 Quadratmeter

und so weiter. – 250 Quadratmeter genügen schon für den Bedarf einer kleinen Familie.

Das wäre ein Anhalt. Aber ich verwahre mich ausdrücklich gegen die Annahme, dass eine solche Rechnung immer stimmen soll. Hier ist leichter Boden, dort schwerer. Hier ist verunkrautetes Land, dort sauberes. Hier ist ein geübter flotter Arbeiter, dort ein peinlicher oder gar etwas unbeholfener. Hier werden Gemüse verlangt, die in Anzucht, Pflege und Ernte viel Mühe machen, dort begnügt man sich mit dem Gewöhnlichen.

Für den Anfang sollte man lieber einen größeren Teil des Gartens mit Kartoffeln oder ganz einfachen Gemüsen bebauen, die sich leicht in Ordnung halten lassen und keinen großen Anspruch machen. Dem übrigen kleineren Teil kann man die doppelte Pflege angedeihen lassen und gleich von Anfang an die rechten Erfolge erzielen. Für später, wenn die Übung und Umsicht wächst, kann dann der intensive Betrieb immer noch ausgedehnt werden.

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