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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Nasse Gärten – trockene Gärten

Nasse Gärten und trockene Gärten. In den wenigsten Fällen ist die Lage des eigenen Gartens optimal. Was ist zu unternehmen, falls der Garten zu nass ist? Wie kann man zu trockene Lagen ausgleichen? In diesem Artikel aus dem Jahre 1899 gibt Johannes Böttner Hinweise zur Lage eines Gartens.

Ein historischer Auszug von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Nasse Gärten – Trockene Gärten

Wir wollen einmal in den Garten gehen, den Spaten zur Hand nehmen und ein Loch graben. Zunächst 1 Meter tief. Kommt bei diesem Graben Wasser zum Vorschein? – Das ist Grundwasser oder Schichtwasser. Das Wasser steht verschieden tief im Boden, sinkt und steigt auch wieder, ähnlich wie ja auch das Wasser in Bächen und Flüssen wechselnde Höhe hat. Durch wiederholtes Nachgraben kann ziemlich genau festgestellt werden, wie tief im Durchschnitt der Grundwasserspiegel unter der Erdoberfläche liegt, und es ist wichtig, dass es geschieht, damit wir von dem Grundwasserstand Kenntnis erhalten, denn dieser spielt beim Gartenbau eine wichtige Rolle.

Es gibt Gärten, in denen beim einfachen Umgraben mit dem Spaten im Frühjahr und Herbst in der Grabfurche Wasser zu Tage tritt. Solche Gärten haben einen durchschnittlichen Grundwasserstand von 40 – 50 Zentimeter. Das sind die flachgründigen und nassen Lagen. Sie eignen sich am besten zu Wiesen, weniger gut als Ackerland, und zu Gärten werden sie nur herangezogen, wenn es tiefgründigeres Land nicht gibt, denn wo das Grundwasser anfängt, hört das Wurzelgebiet der Kulturpflanzen auf.

Die Gartengewächse, Obstbäume, Sträucher, Spargelpflanzen usw. sind vorwiegend Tiefwurzler. Schon aus diesem Grunde muss der Gartenboden tiefgründiger sein als Ackerfeld. In dauerndem Grundwasser können keine Pflanzenwurzeln leben. Einen nur zeitweiligen Wasserstand ertragen ja viele Pflanzen, besonders im Winter zur Zeit der vollen Ruhe.

Im Durchschnitt ist für Gartenrasen, flachwurzelnde Gemüse und einige einjährige Blumen ein wasserfreier Boden von 30 bis 40 cm Tiefe ausreichend. Für Tiefwurzler unter den Gemüsen und Blumen 50 – 60 cm Tiefe. Für Bäume und Sträucher, Spargel, viele staudenartige Blumen usw. 100 – 120 cm Tiefe.

Diese Gärten, die bei 100 cm Tiefe das erste Wasser zeigen, sind im Durchschnitt die kräftigsten und fruchtbarsten, weil aus dem Untergrunde immer wieder Feuchtigkeit nach oben steigt.

Es kommt aber auch vor, dass man 5 – 6 m tief graben muss, ehe man auf eine Wasserader stößt oder gar bis 50 und 60 m tief. Das sind die hohen trockenen Lagen, und wenn in den nassen wegen Wasserüberfluss vieles nicht gedeiht, so hier aus Wassermangel. Ebenso wie wir in der Natur Pflanzen haben, die an feuchten und andere, die an trockenen Stellen besser gedeihen, ebenso haben wir auch im Garten Arten und Sorten, die verschieden sind. Durch gute Kultur kann ja manches ausgeglichen werden, es ist aber nicht ratsam, den Anbau einer Sache erzwingen zu wollen, die für die Feuchtigkeitsverhältnisse des Bodens durchaus nicht passt. Derartige Versuche sind jedenfalls sehr kostspielig.

Was lässt sich nun tun, um den Nachteilen des nassen Bodens und des trockenen Bodens vorzubeugen und für den Durchschnitt der Pflanzen eine lohnende Kultur möglich zu machen?

Aus dem nassen Garten kann das Wasser abgeleitet werden durch offene Gräben und Röhren. Das ist aber für kleine Gärten eine umständliche Geschichte und lässt sich wegen mangelnden Ablaufs des Wassers (Vorflug) in der Regel schlecht durchführen. Doch es nützt schon, wenn ein einfacher breiter und tiefer Graben ausgegraben wird. Das Wasser zieht sich aus dem Boden in diesen Graben, verdunstet dort schneller und steht dann im Boden nicht mehr so hoch. Außerdem wird ja durch den Graben Erde gewonnen, die zum Auffüllen des übrigen Landes nützlich wird.

Das Auffüllen mit Erde, die von anderer Stelle herbeigeschafft wird, ist ein weiterer Weg, um den Nachteilen dieser tiefen, feuchten Lage vorzubeugen. – Wer Gelegenheit hat, brauchbare Erde nicht allzuteuer sich zu verschaffen und seinen nassen Garten damit 30 bis 50 cm hoch aufzufüllen, verbessert ihn riesig. In allen aufgefüllten Gärten, die ich bis jetzt kennen gelernt habe, standen die Kulturen besonders gut. Die Kosten des Auffüllens müssen übrigens gut berechnet werden. Kostspielig ist die Sache. Aber für einen kleinen Garten an dem man mit großer Liebe hängt, werden sich die Kosten immerhin erschwingen lassen. Und selbst für größere Anlagen kann die Auffüllung sich bezahlt machen. Kann man im Winter bei billigen Fuhrpreisen oder mit eigenem Fuhrwerk den Kubikmeter brauchbarer Erde für 50 Pf. An Ort und Stelle erhalten, so kostet ½ m Auffüllung, welche sich später auf 30 – 40 cm noch setzt – für den Quadratmeter 25 Pfennig. Dazu kommen noch die Arbeitslöhne.

Auf keinen Fall darf beim Auffüllen nasser Gärten guter Boden verschüttet werden. – Nun ist aber nur in seltenen Fällen der herbeigeschaffte Boden besser als der vorhandene Gartenboden. Deshalb ist in der Regel eine besondere Vorsicht nötig: Der fremde Boden wird nicht oben ausgebreitet, sondern in den Untergrund gebracht. Dies geht am besten, indem man gleichzeitig das aufzufüllende Stück Land rigolt und die neue Erde in die offenen Rigolgräben schafft, also nach unten. Das Rigolen wird später noch erklärt werden.

Bedenklich wird die Sache, wenn Bäume auf dem nassen Lande sich befinden und die Gefahr entsteht, den Stamm eines Baumes mit Erde zu verschütten. Das würde ihm alle Lebensfreudigkeit rauben. Junge Bäume wird man herausnehmen und erhöht später wieder einpflanzen können. Wo wertvoller, alter Baumbestand ist, muss jede Erdaufschüttung unterbleiben.

In trockenem Boden nützt eine gute Bewässerungseinrichtung, die in feuchtem Boden lange nicht so notwendig ist. Es ist aber noch etwas anderes wichtig in trockenem Boden. Der Boden selbst muss dahin gebracht werden, dass er besser die Feuchtigkeit hält. Gerade der Boden in trockenen und hohen Lagen ist arm an Humus und deshalb ist solcher Boden an sich viel trockener und hält auch die Regenfeuchtigkeit schlechter als Niederungsboden. – Er muss „humusreicher“ gemacht werden. Wie das geschieht, ist schon angedeutet: Misterde. – Diese wichtige Sache wird noch mehr als einmal und nach jeder Richtung hin erklärt werden.

Ein sehr gutes Mittel, um sehr trockenen Boden frisch zu erhalten, besitzen wir in der Bodendecke. Der Boden, den wir im Sommer mit einer dünnen Schicht kurzen Düngers, Spreu, Tannennadeln, Laub, Moos, belegen, bleibt viel frischer als der Boden, der unmittelbar durch die Sonne ausgedörrt werden kann. Es ist im Gemüsegarten, im Obstgarten, auch bei der Blumenzucht sehr wertvoll, wenn wir dem Boden, der nicht so sehr austrocknen soll, im Sommer mit kurzem Dünger oder dergleichen bedecken.

In trockenen, windigen, hohen Lagen ist es auch wichtig, dass der Garten durch Mauern, Schutz und durch Baumpflanzungen Schatten erhält; er trocknet dann nicht so schnell aus. Das sind so einige Winke, die der Garten freund besonders dann beachten sollte, wenn er bemerkt, dass sein Gartenboden nicht als Durchschnittsboden – oder wie es gärtnerisch heißt, nicht als guter Mittelboden zu betrachten ist.

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https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_B%C3%B6ttner

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