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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Ausrüstung / Werkzeug Grundlagen für Anfänger

Das Gartenhaus – die Gartenlaube

Ein Garten ohne Gartenhaus ist kein Garten. Johannes Böttner beschreibt in einem Artikel aus dem Jahr 1899 die Anforderungen an ein geeignetes Gartenhaus bzw. eine geeignete Gartenhütte und beschreibt einfache Möglichkeiten aus Holz.

Ein historischer Auszug von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Die Gartenlaube

Ein Garten ohne Laube ist überhaupt kein Garten. Auch der nüchternste, rein praktische Nutzgarten hat ein Plätzchen übrig zum Ausruhen. Dieser bescheidene Ruheplatz, an dem wir uns dem stillen Genuss des Gartenaufenthalts hingeben, ist der erste Anfang einer Gartenlaube. Wir können bescheiden sein und mit einfachen Dachlatten und Bohnenstangen ein kleines Gerüst selbst zusammennageln. Gegen diese einfachste aller Lauben kann der Einwand nicht erhoben werden, dass sie zu teuer für unsere Verhältnisse sei. – Von der äußeren Schönheit der Laube können wir in bescheidenen Verhältnissen überhaupt absehen. Die Hauptsache ist es doch, dass sie einen angenehmen Aufenthalt bietet. Erst dann zieht sie uns und unsere angehörigen immer von neuem in den Garten.

Wie gemütlich und wie echt deutsch ist die Sitte, in der Gartenlaube den Sommer hindurch den Familientisch aufzuschlagen, an dem in schöner, frischer, freier Luft die Familienmitglieder zum Kaffee, Mittag- und Abendbrot sich versammeln. Ja, richtig, die frische freie Luft in der Gartenlaube! Wie hängt es doch damit zusammen? Wir müssen erstens den richtigen Platz wählen, zweitens die Laube erhöht auf einem künstlichen Hügel anlegen, damit sie nicht dumpfig wird und drittens ihr die richtige Form geben. Beim Suchen nach dem Platze können wir nicht viel helfen. Der rechte Platz lässt sich weniger durch Regeln bestimmen als durch das richtige Gefühl. – Die Stelle im Garten, an der es uns am besten gefällt, welche auch die beste Luft hat, diese wählen wir aus. Hohe Bäume sollen an der südlichen Seite dieses Platzes stehen. Fehlen sie und scheint die Sonne scharf auf den Laubenplatz, dann pflanzen wir schnell- und hochwachsende Bäume an. – Silberpappeln und Rüstern wachsen in wenigen Jahren so hoch, dass sie die Laube beschatten, aber hoch müssen die Bäume werden und nicht zu dicht an der Laube stehen. Sie dürfen nicht drücken.

Das Auffüllen des Bodens um mindestens 1 – 2 Fuß ist die zweite wichtige Vorbereitung. In tiefen, feuchten Lagen ist’s nötiger als in hohen, freien, trockenen Lagen. Gut ist es überall, weil eine viel bessere Luftbewegung (Ventilation) herbeigeführt wird. Lauben, die nichts taugen, liegen zu ebener Erde und sind zu niedrig.

Es besteht die sonderbare Vorstellung, eine Gartenlaube müsse ein dicht geschlossener, tief beschatteter Raum sein: Das ist aber falsch. Warum soll die Laube nicht frei und offen bleiben nach einigen Seiten? – Die Sonnenstrahlen wollen wir allerdings abhalten. Dazu genügt Beschattung von Süden. – Zugluft verträgt die Laube nicht, in zugigen Lagen muss sie dicht sein. – Man sieht bereits, die innere Einrichtung muss den örtlichen Verhältnissen angepasst werden.

Ein Gartenfreund, der sehr viel wandern musste und dem deshalb der an jedem neuen Wohnort nötige Aufbau einer kleinen Laube schließlich viel zu kostspielig wurde, hat eine Laube zum Auseinandernehmen erfunden. Das Gestell wird in Holzklötzen befestigt, die als Füße dienen. Querlatten werden in die Pfosten gesteckt usw. Die einzelnen Teile des Gestelles erfordern nach dem Auseinandernehmen beim Transport nicht viel Raum.

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Laubengerüst zum Auseinandernehmen

Sehr nette Lauben habe ich gesehen, die von Gartenfreunden mit Hilfe eines geschickten Zimmermanns aus Naturrundholz, Tannen oder Birken – mit der weißen Rinde sehr wirkungsvoll – zusammengenagelt worden waren. In der Grundform waren sie rund oder achteckig, an jeder Ecke ein starker Pfosten, die Pfosten oben verbunden durch einfaches Dach. Dann waren die Felder mit Füllung versehen und freier Raum für die Fenster gelassen.

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Überdeckter Sitzplatz – Gartenbank

Lauben mit regendichtem Dach sind angenehm, werden aber kostspielig dadurch, dass ein schwerfälligerer Unterbau nötig wird. Bei Regenwetter werden die Gartenlauben in der Regel nicht als Aufenthalt benutzt, deshalb lässt sich der teure Bau umgehen.

Der Schatten und Schutz der Laube kann ein dreifacher sein.

  1. Man begnügt sich mit dem Schatten benachbarter hoher Bäume und pflanzt nur leichte Schlinggewächse zur Verzierung an. Sehr hübsch sind auch freie Sitzplätze unter hohen Bäumen. Die Rückwand wird, wo es geht, durch dichte Gehölze gebildet.
  2. Bei Neuanlagen, so lange es an Schatten fehlt, sind aus billigem, passenden Zeugstoff leichte Vorhänge anzubringen. Auf diesen Weg der Aushilfe ist man angewiesen, wenn man gleich im ersten Jahre der neuen Anlage einen leiblichen Aufenthalt im Freien schaffen will.
  3. Vorzüglich Schatten und gleichzeitig Schutz, die schönste Zierde, bieten die Schlinggewächse – Es ist ihnen ein besonderer und ausführlicher Abschnitt gewidmet worden.
  4. Man macht die Laube an der Sonnenseite dicht an der Schattenseite offen. Sehr hübsch ist der aus Naturholz gezimmerte, laubenartig überdeckte Sitzplatz, dessen Entwurf ich in einer englischen Gartenzeitung fand. – Geschickte Gartenfreunde können sich alles derartiges leicht zusammennageln.
 

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Mehr Informationen zu Johannes Böttner finden Sie unter:

https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_B%C3%B6ttner

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