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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Düngung und Bodenbearbeitung Grundlagen für Anfänger

Untergrundsverhältnisse

Johannes Böttner beschreibt im Gartenbuch für Anfänger im Jahr 1899 die Wichtigkeit, nicht nur die Bodenarten sondern auch die Untergrundsverhältnisse zu beachten.

Ein historischer Auszug von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Untergrundsverhältnisse

Der Garten ist auf seine Bodenart gewissenhaft geprüft worden. Wir waren so glücklich, eine Bezeichnung für diesen Boden zu finden, die uns ganz unzweifelhaft passend erscheint. Kennen wir jetzt unseren Boden und seine Brauchbarkeit? – O, noch lange nicht!

Woher nahmen wir den Boden, den wir begutachteten? – Wahrscheinlich aus der oberen Schicht. – Wie tief ist nun aber die Beschaffenheit des Bodens eine gleichmäßige. – Das ist sehr verschieden. Die obere Schicht, die wir kennen – das ist die „Kulturschicht“ – ist vielleicht 30 cm tief. Was darunter liegt kann uns ganz und gar nicht gleichgültig sein. Was wir von den Wasserverhältnissen des Untergrundes wissen müssen, haben wir schon gelernt. Nun aber die Bodenverhältnisse! Wir müssen sie auch kennen, weil der Untergrund die Oberschicht in mehrfacher Hinsicht beeinflusst. Außerdem kann es vorkommen, dass wir diesen Untergrundboden in Anspruch nehmen, um die Kulturschicht zu vertiefen. Wir sind auch sehr auf den Untergrund angewiesen, wenn wir tiefwurzelnde Gewächse, also Bäume pflanzen.

Regelmäßig, wenn man Gelegenheit hat, Erde zu betrachten, die aus größerer Tiefe freigelegt worden ist, z.B. beim Abtragen eines Berges, Ausschachten eines Eisenbahn- oder Wegeeinschnittes usw. erkennt man deutlich die 25 – 30 cm starke obere Kulturschicht an der dunkleren Farbe. Die dunklere Farbe rührt einmal von der früheren Düngung her (Humus), außerdem auch von der Einwirkung der Luft bei der Umarbeitung. Der untere Boden ist auffallend heller, weil er nicht so humusreich, auch von der Luft noch nicht „aufgeschlossen“ ist. Er ist roh!

Der Untergrund ist aber nicht immer von der gleichen Masse wie der Obergrund, er kann unter Umständen ganz entgegengesetzt geartet sein. So kommt es vor, dass ein armer Sandboden im Untergrunde fruchtbare Lehmschichten führt, die wir ohne große Schwierigkeiten emporholen können, oder guter Lehmboden hat eine feste Tonunterschicht, die undurchlässig ist und ihn flachgründig macht. Ein anderer schwerer Boden hat kiesigen Sand im Untergrund und wird dadurch dürr und trocken.

Zuweilen liegen die abweichenden Bodenarten in ungleichmäßigen, bald flach verlaufenden, bald tieferen Schichten von ungleicher Stärke. Um ein klares Bild über die Verhältnisse des Untergrundes zu erlangen, ist es notwendig, an verschiedenen Stellen Löcher zu graben.

Gelegenheit, die Untergrundsverhältnisse günstig zu beeinflussen, bietet sich für den, der den Charakter derselben kennt, häufig. – Wir können uns ganz unmöglich auf den Standpunkt stellen: „oben ist der Boden gut; wie er unten ist, soll uns gleichgültig sein“. Ja, wir sehen allerdings nichts vom Untergrunde, aber Baum- und Strauchwurzeln dringen dorthin, selbst für die Flachwurzler unter den Gartengewächsen findet ein Ausgleich der Wärme und der Feuchtigkeit ihres Bodens mit dem Untergrunde statt. Schon im Interesse der Baumwurzeln, die tief in den Boden dringen, ist es nötig, dass wir recht genau nachsehen, wie es da unten aussieht und dass wir zu helfen suchen, wenn es nötig und durchführbar ist. Ist es dort zu trocken, dann schaffen wir Feuchtigkeit nach unten. Ist’s zu fest, dann lockern wir den Untergrund.

Bei der wichtigen Arbeit des Rigolens, die sogleich beschrieben werden wird, findet sich Gelegenheit, die Herstellung eines guten Untergrundes herbeizuführen.

 

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