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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Grundlagen für Anfänger Schädlinge und Nützlinge

Die Singvögel – und wie man ihnen hilft.

Vögel wie die Meisen oder der Gartenrotschwanz bekämpfen Gartenschädlinge wie Raupen auf natürlichem Weg. Ein Beitrag, der den Nutzen der Singvögel hervorhebt und erklärt, wie man den Singvögeln durch Nistkasten bauen und Lebensraum schaffen helfen kann. Die Singvögel Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899). Als […]

Vögel wie die Meisen oder der Gartenrotschwanz bekämpfen Gartenschädlinge wie Raupen auf natürlichem Weg. Ein Beitrag, der den Nutzen der Singvögel hervorhebt und erklärt, wie man den Singvögeln durch Nistkasten bauen und Lebensraum schaffen helfen kann.

Die Singvögel

Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

Als ich vor einigen Jahren den schönen Park in Branitz bei Cottbus, eine Schöpfung des Fürsten Pückler-Muskau, besuchte, kam ich mit meinem freundlichen Führer, Parkinspektor Bleyer, auf die damals gerade sehr verbreitete Raupenplage zu sprechen und fragte ihn, ob er in dem großen Parke gar nicht darunter zu leiden habe. „Nein“, meinte er, „noch niemals. Wir haben im Parke so viele Singvögel, dass eine Raupenplage gar nicht denkbar ist.“  Ich war schon lange von dem großen Nutzen der freundlichen Sänger überzeugt, aber als ich hier den schönen, großen Park durchwanderte, kam es mir so recht voll und ganz zum Bewusstsein, was wir ihnen zu danken haben. Wie mancher Baum und Strauch würde kahl dastehen, hätten nicht die bescheidenen, kleinen Vögel ihn unbemerkt, aber rechtzeitig von den hässlichen, fetten Raupen befreit, die sich hier ansiedeln wollten. Als fleißige Gartenpolizei halten sie überall Ordnung. Es ist ganz unglaublich, wie viele Tausende schädlicher Insekten so ein kleines Vögelchen im Laufe eines Jahres vernichtet.

Da sind zunächst und in allererster Linie die zutraulichen und possierlichen Meischen, die Kohlmeisen, Blaumeisen, die auch im Winter hauptsächlich von schädlichen Eiern, Puppen und Larven sich nähren; dann Rotschwänzchen, Rotkehlchen, Bachstelzen, der geschwätzige Staar, der allerdings auch zum Näscher wird; der flinke Specht mit seinem spitzen Schnabel reinigt die Stämme und Äste der Bäume von Holzwürmern und Borkenkäferlarven, die die Bäume zu vernichten drohen. Wenn der übrigens sehr scheue Vogel einmal die Rinde eines Stammes anhackt, lasse man ihn ruhig gewähren. Er wittert Ungeziefer im Innern des Stammes und er täuscht sich selten. Auch die Nachtigall lässt sich ansiedeln im dichten Gebüsch, und sie entzückt uns durch ihren süßen Gesang, wenn wir spätabends oder frühmorgens im zeitigen Sommer unsere Arbeiten im Garten verrichten. Im kleinen, engen Stadtgärtchen haben wir ja leider nur geringe Aussicht auf erfolgreiche Ansiedelung fröhlicher Sänger. Im abseits gelegenen, großen, stillen Garten aber fühlen sie sich heimischer und erfreuen uns durch ihre Lieder und fördern unsere Arbeit.

Das Bild zeigt ein Vogelhäuschen zur Fütterung von Meisen.
Futterhaus für Meisen

Seit mehreren Jahren hatte sich in einem Gebüsch, in dichter Nähe meines Pachtlandes, eine Nachtigall angesiedelt mit herrlichem Schlag. Die einzelnen Nachtigallen sind hierin sehr verschieden. Ich bin in den Wochen, in denen sie ihre Lieder erschallen ließ, besonders gern sehr früh aufgestanden und die Arbeit ging mir noch nie so gut von statten. Hier hatte ich nun nichts getan, den lieben Sänger anzulocken. Es lässt sich aber unter Umständen sehr viel tun:

Schon dadurch, dass wir Garten und Park katzenrein halten, überhaupt rein von allerlei schädlichem Raubzeug, machen wir den Singvögeln den Aufenthalt angenehm. Auf die noch wenig erkannte Gefährlichkeit der Katzen hat Herr Böcker in Gröbers, Provinz Sachsen, vor einigen Jahren die allgemeine Aufmerksamkeit gelenkt. Seine Mahnung: duldet die vogelmordende Katze nicht im Garten hat vielerorts Widerhhall gefunden. Wie Herr Böcker festgestellt hat, verkehren die nächtlich raubenden Katzen in Gärten, in denen nie etwas davon bemerkt wird. Sie beunruhigen die brütenden Vögel, zerstören die Nester, morden die junge Brut.

Herr Böcker hatte überraschende und zahlenmäßig festgestellte Erfolge in der Ansiedelung von allerlei Vögeln, nachdem er eine Anzahl von Katzen, deren nächtlicher Besuch des Gartens bis dahin unbekannt geblieben war, beseitigt hatte.

Ein gefährlicher Mörder junger Vögel ist auch der Würger. Er pflegt die jungen Vögelchen an Dornen aufzuspießen. Die mordlustigen Elstern müssen abgeschossen werden, ebenso Eichhörnchen, Wiesel usw.

Das Bild zeigt einen Raubwürger (Vogel)
Der Raubwürger – Ein Feind unserer Singvögel

Eine weitere Förderung erfährt die Ansiedelung der Singvögel, wenn wir die natürlichen Brutstätten, die durch intensive Kultur meistens verloren gehen, ihnen ersetzen. Die Höhlenbrüter finden keine natürliche Schlupforte mehr in alten Baumstämmen. Hohle Bäume gibt es nicht in gut gepflegten Anlagen. Dafür nageln wir aus alten Brettern Nistkästen zusammen, die wir in Astgabeln usw. genügend fest und passend unterbringen.

Hier sind die Maße zu einem Nistkasten für Meisen. Das Schlupfloch hat nur 2 ½ Zentimeter Durchmesser. Die kleine Meise will es nicht größer. Kästchen mit größerer Öffnung werden leicht vom frechen Spatz bezogen. Größere Öffnungen geben wir den Nistkästen für Hausrotschwänzchen, Rotkehlchen. Die Selbstanfertigung von Nistkästen, eine dankbare Winterarbeit für den Gartenfreund, ist übrigens in Nummer 1 – 4 Jahrgang 1893 des praktischen Ratgebers ausführlich und durch zahlreiche Bilder erläutert beschrieben.

Das Bild zeigt einen Bauplan für einen Meisen-Nistkasten.
Herstellung von Nistkästen für Meisen

Nachtigallen brüten in Reisighaufen, welche eigens hierfür an geschützter Stelle in dichtem Gebüsch, katzensicher und 1 Meter hoch, errichtet werden. Andere liebe Sänger brüten in Hecken oder dichten Sträuchern, die überhaupt allen zum angenehmen Aufenthalt dienen. Schon das Pflanzen von Sträuchern und Bäumen allein trägt dazu bei, Sänger anzusiedeln. Als Brutplätze aber werden mit Vorliebe solche Sträucher ausgesucht, die sich dicht bauen und nicht ausgelichtet worden sind, also wild oder verwildert wachsen, z.B. die meisten Wildrosen. Es wird sich in größeren Anlagen reichlich Gelegenheit finden, auch solche zu pflanzen. In kleinen Anpflanzungen ist es vorwiegend der falsche Jasmin (Pfeifenstrauch, Philadelphus), dessen Wuchs das Nisten der Heckenbrüter begünstigt.

Das Bild zeigt einen Nistkasten für Meisen.
Nistkasten für Meisen.

Wir werden im Sommer Trinkplätze errichten und im Winter Futterplätze. Für Meisen sind Fleischabfälle, Knochen, ungesalzener Speck, Nüsse, frei aufgehängt, beliebtes Futter. Die Meisen turnen und klettern gern. Viele andere begnügen sich im Winter mit Körnern. Sehr geschätzt werden die Sonnenblumenkerne. Sperlinge verdienen am wenigsten unsere Fürsorge, denn es sind sehr dreiste, freche Gesellen, die sich überall breit machen und mit großer Vorliebe andere scheuere und nützliche Vögel verdrängen.

Das Bild zeigt einen Nistkasten für das Hausrotschhwänzchen.
Nistnasten für Hausrotschwänzchen.

Es kann an dieser Stelle nicht die Pflege der Singvögel in Gärten und Park erschöpft werden. Es lag mir nur daran, darauf hinzuweisen, dass der echte Gartenfreund auch Freund der Vogelwelt sein muss und dass diese auch im Winter ein Bindeglied zwischen ihm und seinem Garten sein kann und wird.

 

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