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Der Obstgarten Gartenarbeiten im November

Wein richtig schneiden – am Beispiel von waagerechten Kordons.

Jedes Jahr fragt sich der ungeübte Weinstockbesitzer: Wie soll ich den Wein richtig beschneiden? An vorher-nachher-Bildern erklärt dieser Artikel aus dem Jahr 1890 die wichtigsten Grundlagen des Weinschnittes. Sind diese Grundlagen einmal verstanden, ist der richtige Rebschnitt kinderleicht. Gewählt wurde für den Einstieg die Weinerziehung als Kordon.

Weinreben als wagerechte Kordons.
Aus: Der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau. 23. November 1890. Ein Beitrag von Robert Betten, dem Herausgeber des Erfurter Führers im Obst- und Gartenbau.

Weinreben schneiden – als wagerechte Kordons.

Wenn man jetzt im Herbst den hohen Weinstock seines Hauses betrachtet und im Weinschnitt nicht geübt ist, dann stellt man sich diesen Schnitt schwer vor, weil man nur das Gewirre der Zweige sieht und nicht weiß, was damit anzufangen ist.

Man kann kein System in das selbe hineinbringen, nachdem man arbeiten könnte und weiß sich nicht zu sagen, was vom Holze fortgeschnitten werden, was stehen bleiben muss. Und doch ist dieses kinderleicht, sobald man den Grundgedanken des Schnittes erfasst hat.
Es lässt sich dieser am besten erklären, wenn man eine recht einfache Form wählt. Wer es begriffen hat, solch einfache Form zu schneiden, hat auch begriffen, wie der Weinstock in jeder beliebigen Form geschnitten werden muss.

Diese einfachste Form ist der waagerechte Kordon. – Der Grundsatz ist der, dass in jedem Jahre alles Holz, was getragen hat, unten am Boden wegzuschneiden ist und dass man inzwischen am Stamme von unten aus eine Rebe zieht, welche Ersatz und Ertrag für das nächste Jahr liefert.

Das Bild zeigt einen Weinstock bzw. eine Rebe, links in ungeschnittener Form und rechts in geschnittener nach dem Rebschnitt
Schnitt der Weinrebe: vorher: Bild 1 unbeschnitten; nachher: Bild 2 beschnitten

Der Weinstock auf unseren Bildern ist nach diesem Grundsatze geschnitten. Wir haben in Bild 1 an unserem Stocke in a die vorjährige Rebe mit ihren Trieben, in b eine diesjährige starke Rute, welche aus a dicht über dem Boden hervorgewachsen ist; b gibt uns das, was wir wünschen müssen, es liefert die Rebe für das nächste Jahr, und deshalb werden wir alles Andere wegschneiden und nur b stehen lassen.

In unserem zweiten Bilde ist der Schnitt ausgeführt: b ist allein stehen geblieben, hat 17 Knospen behalten und wird durch Einlegen in die Erde überwintert. – Unser drittes Bild zeigt den Weinstock im Herbst des nächsten Jahres:

Das Bild zeigt den beschnittenen Weinstock mit Früchten im Herbst (Ernte)
Weinrebe nach dem erfolgreichen Schnitt im Herbst; mit Trauben.

Seine Erlebnisse sind folgende:

Im Frühjahre wurde die Rebe b an den untersten Draht angebunden. Sie trieb aus; alle Triebe, welche oberhalb der Biegungsstelle sich entwickelten, blieben stehen und wurden an den oberen Draht angeheftet und geköpft über dem dritten Blatte nach der Blüte. Die Triebe dagegen, welche sich an b unterhalb der Biegungsstelle bildeten, sind fortgeschnitten, in fff. Nur Trieb c, welcher aus dem untersten Auge, dicht über dem Boden hervorkommt, blieb stehen und erlangte dadurch, dass in fff die Triebe fortgebrochen sind, eine üppige Entwicklung. Trieb c bleibt im Herbste, während b mit seinen Trieben fortgeschnitten wird und wir auf diese Weise wieder dasselbe Bild erhalten, wie im vorigen Herbste.

So geht es jahraus, jahrein. Wir erhalten stets auf kleinem Raume reichlich Trauben, aber keinen sich erheblich vergrößernden Weinstock. Nur vor einem müssen wir uns hüten: der neue Trieb, der heuer b, im nächsten Jahre c und wenn wir die Entwicklung des Stockes auf unserem Bild noch weiter fortsetzen wollten, im übernächsten Jahre d heißen würde, muss stets aus vorjährigem Holze hervorkommen, darf nicht aus der Wurzel treiben als Wasserschoss, denn solche Schosse bringen keine Trauben und wir wären ein Jahr ohne Ernte.

 

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