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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Wie groß soll ein Garten sein?

Wie groß muss ein Garten überhaupt sein, welche Größe sollte ein Garten mindestens haben? Um diese Frage geht es im nachfolgenden Artikel. Laut Johannes Böttner (1899) kann der Anfänger schon auf einer Größe von 100 Quadratmetern in seinem Garten effektiv arbeiten…

Wie groß soll ein Garten sein?

Historischer Abdruck von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899), königliche Hofbuckdruckerei Trowizsch u. Sohn.

Einen Garten, der mehr Arbeit vom Gartenfreund verlangt als dieser bewältigen kann, verleidet alle Freude, wird ihm zur Last. Die Möglichkeit einer Erweiterung ist ja meistens vorhanden, wählen wir den Raum für den Anfang klein, sehr klein. Ob Obst, ob Gemüse, ob Blumen gepflegt werden sollen, vielerlei und schwierige Dinge oder einfache Kulturen, das ist sehr wichtig zu wissen, wenn wir den passenden Umfang bemessen wollen. Für das erste Jahr genügt im Durchschnitt ein Garten von 10 x 10 Metern = 100 Quadratmeter vollauf, wenn auch alles gut in Stand gehalten werden soll.

Später wird bei einfacher Einrichtung der Liebhaber, der täglich regelmäßig etwa zwei berufsfreie Stunden den Arbeiten in seinem Garten widmen kann und keine fremde Hilfe in Anspruch nimmt, 300 – 400 Quadratmeter gut bewirtschaften können. Ich denke, dass er zur Zeit die Morgenstunden wählt und den Abend vorwiegend zur Erholung im Garten nutzt. Wird vielerlei durcheinander gepflanzt oder werden zeitraubende Kulturen betrieben, z.B. Spalierobst und dergleichen, so sind auch 200 Quadratmeter schon genug.

Liebhaber, die durch sonstigen Beruf nicht sehr in Anspruch genommen sind, pensionierte Beamte, Rentner, die fast den ganzen Tag im Garten sein können, werden ohne wesentliche fremde Hilfe und bei fleißiger Tätigkeit einen Hausgarten von doppeltem selbst dreifachem Umfang noch gut bewirtschaften, also 600 – 1000 Quadratmeter.

Mit Hilfe einer billigen Arbeitskraft (Arbeitsfrau, jugendlicher Arbeiter, Hausmädchen, Hausdiener), die von Anfang April bis Ende Oktober im Garten verwendet wird, was eine jährliche Ausgabe von 180 – 200 Mark verursacht, kann ein Hausgarten von 1250 Quadratmeter (1/2 Morgen) Gemüse, Obst und Blumen gut bewirtschaftet werden. Wer nur einfachen Gemüsebau betreibt, hauptsächlich seiner Gesundheit halber und um anstrengende Arbeit zu haben, kann allein mit drei bis vier Stunden täglich einen Gemüsegarten von diesem Umfange sehr gut besorgen. – Ich tat es selbst mehrere Jahre hindurch.

Um einen geschickteren Gartenarbeiter oder einfach jüngeren Gärtner (Gehilfe) anzustellen, müssen immerhin jährlich mindestens 600 Mark ausgeworfen werden. Der Besitzer muss dann noch sein eigener Obergärtner sein, denn solche Leute verstehen nicht viel. Aber es können doch schon Mistbeete angelegt werden, selbst ein kleines Gewächshaus. Der Garten darf je nach Umsicht, Fleiß und Geschicklichkeit des Mannes, je nach Art und Vielseitigkeit der Kulturen bis 2500 Quadratmeter (1 Morgen) groß sein.

Für einen größeren Garten muss dann ein richtiger Gärtner gesucht werden, der noch Leute zur Hilfe erhält oder ein Obergärtner, der mit Lehrlingen, Gehilfen, Arbeitern und Arbeitsfrauen arbeitet. Entsprechend der Tüchtigkeit, steigen dann auch die Ausgaben. Ein brauchbarer Gärtner verdient 800 – 1000 Mark jährlich, ein Obergärtner 1500 – 1800 Mark und darüber. Der Garten kann dann 1 Hektar groß, auch größer sein.

Das sind so einige Anhaltspunkte für die Bewirtschaftung des Gartens. Derartige Angaben über Umfang und Kosten der Arbeitskräfte können natürlich nicht für jeden einzelnen Fall zutreffend sein. Ich selbst habe aber alles möglichst klar und bestimmt anzugeben versucht, weil ich leider so oft sehen musste, dass bei Einrichtung und Unterhaltung von Gärten der Maßstab richtiger Berechnung als Grundlage für die Einteilung der Arbeiten fehlte. Wegen Überbürdung mit Arbeiten wurden die einzelnen Verrichtungen zu spät oder zu oberflächlich ausgeführt. Für den Garten kann es nichts Schlimmeres geben! Er macht dann nur Verdruss und mit den Erträgen ist es auch recht traurig.

Des Gartens größte Zierde ist Ordnung und Sauberkeit, das welke Blatt, welches auf dem Rasen liegt, das Graspflänzchen im Wege und gar das Unkraut auf den Beeten stört den wohlthuenden Eindruck, den ein gut gepflegter Garten ausüben soll. Das kleinste Stückchen Land kann Freude und Bewunderung hervorrufen, wenn es gut gepflegt und peinlich sauber gehalten wird. Ein großer halbverwilderter Garten macht immer einen peinlichen Eindruck und bringt auch keinen Nutzen. Je kleiner ein Garten ist, um so leichter wird es sein, ihn in vorzüglichstem Zustande zu erhalten. Darum nochmal: den Garten nicht zu groß wählen!

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https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_B%C3%B6ttner

https://www.gaissmayer.de/web/welt/gartenmagazin/ein-gaertnerleben-johannes-boettner/

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