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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Über den Nutzen eines Gartens – Einleitung

Kann man sich etwas Schöneres denken als dieses tägliche Leben, Arbeiten und Erholen in der Natur, in gesunder, frischer, freier Luft. Diese ruhige, wohltuende, herzerfreuende Arbeit im Garten ist das beste Gegengewicht für das nervenzerstörende Hasten und Treiben unserer Zeit. Praktische Gartentätigkeiten und Liebe zum Garten, das sind die Mittel, welche bis an das hohe Alter gesund, frisch und jung erhalten.

Über den Nutzen eines Gartens – Einleitung.

Historischer Abdruck aus: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899), königliche Hofbuckdruckerei Trowizsch u. Sohn.

 “Sie müssen sich mehr Bewegung machen“; wie oft wird jungen und alten Leuten, die durch ihren Beruf an eine sitzende Lebensweise in eingeschlossenen Räumen gebunden sind, von wohlmeinenden Ärzten dieser Rat erteilt. Ja, in der Tat, der Mangel an Bewegung und an anstrengender körperlicher Tätigkeit, eine einseitige Überanstrengung des Geistes und Aufenthalt in schlechter, verdorbener Stadt- und Stubenluft, das sind nach dem Urteil unserer hervorragendsten Gesundheitslehrer die Hauptursachen der Krankheiten.

Sehr nachdrücklich hat ganz besonders der bekannte und verdiente Professor G. Jäger in Stuttgart betont, dass bei den geistigen Anstrengungen und Überreizungen, welche unsere heutigen Erwerbs- und Verkehrsverhältnisse von vielen erfordern durch schwere körperliche Arbeit ein Gegengewicht geschaffen werden muss: „Die Deutschen sind zu sehr Stubenhocker. Andere Nationen sind viel beweglicher und gesünder!“. Er empfiehlt dann schließlich allen, die bei sitzendem Berufe gesund bleiben wollen, nicht nur spazieren zu gehen, sondern Arbeiten zu verrichten, bei denen sie in Schweiß geraten: „Holz hacken, harte Gartenarbeit.

Dr. Lahmann in Dresden, der in seinen Schriften so sehr den Segen der frischen Luft hervorhebt, ist der Überzeugung, dass ein gesundes Menschengeschlecht nur heranwachsen kann, wenn der Gartenbau die größte Ausdehnung gewinnt.

Derartige Ansichten namenhafter Forscher und Ärzte finden mehr und mehr Eingang in allen Kreisen. Man ist des Lebens innerhalb der dunstigen, engen Stadtwohnungen herzlich überdrüssig. Man will einen Raum haben, in dem die Kinder bei munterem Spiel in freier, guter Luft heranwachsen können, einen Garten, in dem die Erwachsenen Ruhe und Erholung finden, oder besser noch: eine gesunde, Geist und Gemüt erfrischende, wohltuende Beschäftigung mit Pflanzen und Blumen, Bäumen und Sträuchern, einen Garten, der köstliche Früchte, süße Beeren und junge Gemüse zum Genusse bietet. Kann man sich etwas Schöneres denken als dieses tägliche Leben, Arbeiten und Erholen in der Natur, in gesunder, frischer, freier Luft. Diese ruhige, wohltuende, herzerfreuende Arbeit im Garten ist das beste Gegengewicht für das nervenzerstörende Hasten und Treiben unserer Zeit. Praktische Gartentätigkeiten und Liebe zum Garten, das sind die Mittel, welche bis an das hohe Alter gesund, frisch und jung erhalten. Große Denker und Dichter, hervorragende Gelehrte, bedeutende Industrielle und hochstehende Soldaten und Feldherren haben sich glücklich geschätzt, am Lebensabend „ihren Kohl selbst zu bauen“ und manch bescheidener Beamter in der Tretmühle täglicher Büroarbeit freut sich auf die Stunden, da er im eigenen, wenn auch kleinen Gärtchen, sich erholen kann.

Unsere heutigen Verkehrseinrichtungen (elektrische Bahn und Fahrrad) gestatten nun schon bei recht bescheidenem Einkommen und auch in der Großstadt den Luxus draußen vor dem Tore einen Garten zu haben oder im Garten zu wohnen. Es muss allerdings der ernstliche Wille vorhanden sein, im Anfang einige Unbequemlichkeiten zu überwinden. – Je mehr übrigens für Wohnungen mit Garten das Bedürfnis sich zeigt, um so reichlicher wird auch günstige Gelegenheit entstehen, solche zu finden. Ich erinnere hier an die Schrebergärten in Leipzig und an die unzähligen kleinen Liebhabergärten bei Kiel, Bremen usw.

Große Flächen Landes, die jetzt noch, mit Getreide bebaut, eine kümmerliche Rente ergeben, werden mit Bäumen und Gemüsen bepflanzt und in Gärten verwandelt, hundert fleißigen Händen gesunde Beschäftigung und gesunde Nahrung bieten, und wenn mit jedem Jahr mehr Menschen ihre Neigung dem Gartenbau zuwenden, so ist das im Interesse der Volkswirtschaft, der Wohlfahrt und der Gesundheit der Bevölkerung eine der erfreulichsten Erscheinungen der Gegenwart.

Es ist aber bei vielen noch die Lust und Liebe größer als die Kenntnis. Der Anfänger muss sich sehr gründlich einarbeiten, leicht wird viel freudige Begeisterung nutzlos verbraucht, wenn es ihm an der richtigen Anleitung fehlt. Die Kenntnis erfolgreicher Gartenarbeit muss allgemeiner werden.

In diesem Sinne wurde vor jetzt zwölf Jahren „Der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau“ gegründet. Er erscheint an jedem Sonntage im Heim der Gartenfreunde, gibt jedem den gewünschten Rat in Gartenfragen und bietet durch die vielen Mitteilungen aus dem Kreise seiner Leser und gärtnerischen Mitarbeiter immer wieder neue Anregungen.

Die gleichen Ziele verfolgt das Gartenbuch für Anfänger. In einer Gartenzeitung können naturgemäß sämtliche dringenden Ratschläge für die Anfänger nicht gleichzeitig und nicht immer von Neuem gebracht werden. Dadurch bleiben zuweilen Lücken in deren gärtnerischen Kenntnissen. Die zahlreichen Beziehungen zu Anfängern und Liebhabern im Gartenbau haben in mir die Lust geweckt zum Bearbeiten dieser einfachen Anleitung, die gewissermaßen die Grundlage bilden soll für die nötigen gärtnerischen Kenntnisse des Gartenfreundes. Möge auch die heut vorliegende dritte Auflage recht viel beitragen zur weiten Ausbreitung der schönen Gärtnerei.

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