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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Düngung und Bodenbearbeitung Grundlagen für Anfänger

Für die Anfänger – Bedeutung von Misterde

In diesem Text beschreibt der Gartenbauunternehmer Böttner im Jahr 1899 dein großen Nutzen von Misterde. Diese ist das Ideal einer guten Erde und gerade für den Anfänger ist sie so gut, weil fast alle Gartenpflanzen ohne weitere Kunst großartig darin gedeihen.

Für die Anfänger Bedeutung von Misterde


Von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899), königliche Hofbuckdruckerei Trowizsch u. Sohn.

“Kennst Du Misterde, lieber Anfänger? – Nein? – Schade! Diese Misterde spielt nämlich im Gartenbau eine große Rolle und wer etwas von der Misterde versteht, ist schon ein halber Gärtner. Vielleicht ist Dir aber echter Pariser Schnupftabak bekannt. Er hat zwar mit der Gärtnerei gar nichts zu schaffen, aber gerade so wie Pariser Schnupftabak sieht gute Misterde aus: Es ist eine dunkle, lockere, mürbe, gleichmäßig feuchte, bröckelige Masse, die sich samtartig, weich und milde anfühlt. So, jetzt wissen wir etwa wie Misterde aussieht und können gleich noch einen Schritt weiter gehen und lernen wie diese entstanden ist. Sie wurde gebildet aus Mist – dem Dünger der Pferde, Rinder, Ziegen oder Schweine – der im Laufe der Jahre verrottet und zu Erde geworden ist. Diese Misterde ist das Ideal einer guten Erde und gerade für den Anfänger ist sie so gut, weil fast alle Gartenpflanzen ohne weitere Kunst großartig darin gedeihen. Wer seine Pflanzen alle mit Hilfe guter Misterde zieht, braucht gar nicht so viel von der Gärtnerei zu verstehen, sie wachsen doch!

Du willst schöne Blumen, vielleicht Rosen ziehen: Grabe nur eine Grube etwa 2 Fuß tief, vermische die Erde, die Du ausgeworfen hast mit einem Viertel Misterde, fülle die Grube wieder und pflanze die Rosenstöcke darauf. – Kein Kunstgärtner wird schönere Rosen haben als Du.

Du wünschest schönes Obst: edle Birnen, prächtige große Äpfel, saftige Pfirsiche, lachende Erdbeeren. Glaubst Du, das wächst in jedem gewöhnlichen Boden? Und wenn Du die besten und teuersten Sorten kaufst und pflanzest, das nützt Dir alles nichts. Alle Kunstgriffe gärtnerischer Geschicklichkeit werden zur Stümperei. Auf den Boden kommts an und wie Du ihn vorbereitet hast. – Nichts ist besser als ein Zuschuss guter Misterde.

Und erst das Gemüse: Da plagt sich jener fleißige Gärtner in seinem großen Garten das ganze Jahr hindurch, säet und pflanzt, gießt und hackt, alles nach Vorschrift, aber er bringt es zu nichts, weil der Boden schlecht ist. Du aber hast ein kleines Gärtchen mit guter Erde. Da kannst du als Anfänger mehr Gemüse ernten als jener und früher und besser ists auch. –

Nun hat die Sache mit der Misterde allerdings einen schlimmen Haken. Der Anfänger hat nämlich keine, zu kaufen ist sie auch meistens nicht und es vergehen beim besten Willen einige Jahre, bis er welche beschafft. Aber ich musste hier die schönen Eigenschaften der Misterde so verlockend hinstellen, denn ich will bei dem arbeitsfreudigen Anfänger in der edlen Gartenkunst zunächst den Wunsch und das Streben wachrufen, sich bald und reichlich gute Erde zu verschaffen und die Erde seines Gartens fortwährend zu verbessern, damit sie der vortrefflichsten Misterde immer ähnlicher werde.

Die Mittel werden wir später noch genügend erfahren, z.B. bei der Kompostbereitung. Für heute genügt es, wenn wir das eine klar erkannt haben, dass ein beliebiger, gewöhnlicher Boden, der vielleicht zur Feldkultur ganz brauchbar ist, sich nicht ohne weiteres als Gartenland benutzen lässt. Auch ein einmaliges reichliches Düngen gewöhnlichen Landes genügt durchaus nicht, um das Land für Gartenbau geschickt zu machen. Es gibt keinerlei künstliche Düngemittel, durch deren Anwendung man rohen, wilden Boden in einen guten verwandeln könnte. Zur Verbesserung gehört viel Dünger, viel Arbeit und viel Geduld.

Wer aber ein tüchtiger Gärtner werden will, muss immer zuerst lernen, dass der größte Teil aller Erfolge in der guten Beschaffenheit des Bodens beruht. – Manches andere, was der Uneingeweihte für sehr wichtig hält, ergibt sich ganz von selbst, wenn nur der Boden gut ist.

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https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_B%C3%B6ttner

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