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1899 Böttner: Gartenbuch für Anfänger Garten anlegen Grundlagen für Anfänger

Der Garten am städtischen Landhaus.

Der städtische Garten am Landhaus hat vorwiegend ästetische Zwecke. Nach welchen Grundlagen sollte ein Garten am städtischen Landhaus errichtet werden?

Ein historischer Auszug von: Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. Aus: Gartenbuch für Anfänger (1899).

 Der Garten am städtischen Landhaus

Der Garten beim städtischen Landhaus ist bis zum gewissen Grade eine öffentliche Anlage. Sie kann von außen gesehen und beurteilt werden. Deshalb ist Rücksicht auf Äußerlichkeiten zu nehmen. Der Besitzer, der sich ein kostspieliges architektonisch schönes Gebäude hat errichten lassen, kann die Anlage rings herum nicht mehr anlegen nach den Grundsätzen, nach denen der kleine Gartenfreund seinen einfachen Hausgarten sich selbst anlegt. Ein gemütlicher Hausgarten passt nicht mehr in die Umgebung eines modernen Landhauses. Der Gartenfreund im stillen Garten durfte ganz nach eigenem Belieben im Garten schalten und walten. Wenn er aber seinen Garten sehen lassen will, müssen Stil und Ausführung dem des Gebäudes entsprechen. Der Garten muss zur stilgerechten Prunk- und Zieranlage werden.

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So wenig nun der Villenbesitzer im allgemeinen die Entwürfe zu seinem Gebäude fest anfertigen kann, so wenig kann er, selbst wenn er Gartenfreund ist, den Plan zur Anlage selbst entwerfen, auch dann nicht, wenn er dicke Werke über Landschaftsgärtnerei durchstudiert hat. Er wird immer einen tüchtigen Landschaftsgärtner damit beauftragen, dem er seine besonderen Wünsche vorbringen möchte. Wenn dieser Landschaftsgärtner ein vernünftiger Mann ist, so wird er auf seine Wünsche thunlichst eingehen und den noch unklaren Vorstellungen des Laien eine durchdachte künstlerische Gestaltung mitgeben. Aufgabe der Landschaftsgärtnerei ist es, belehrend und aufklärend zu wirken. Es wird höchste Zeit, dass die vielen verpfuschten Anlagen, welche elegante Gebäude in belebter und elegantester Gegend noch umgeben, verschwinden, Ungeschickte Gärtner und Dilettanten wetteifern oft damit, an offener Straße die größten Geschmacklosigkeiten zur Schau zu bringen. –

Nur ein richtiger Landschaftsgärtner und Gartenkünstler darf hier zu Rate gezogen werden. – Durchschnittsgärtner und alle, die nicht ausdrücklich Landschaftsgärtnerei betreiben, sind der Sache durchaus nicht gewachsen.

Wer Geschmack besitzt, wird übrigens die Anlagen mit einem Aufwand bedenken, der dem Aufwand für das Gebäude entspricht. Nichts sieht unangenehmer aus, als ein großartiger oder hocheleganter Bau in ärmlicher Umgebung. Sonderbar ist es immerhin, dass noch so oft die Ansicht vorherrscht, es könne mit einigen hundert Mark die Umgebung eines teuren Gebäudes entsprechend gestaltet werden. Um falsche Vorstellungen zu zerstreuen, möchte ich hier bemerken, dass ein Villengarten von 1 – 2 Morgen (1/4 – ½ Hektar) als Umgebung eines Landhauses im Werte von 30.000 Mark etwa 3000 Mark Anlage und 600 – 1000 Mark jährliche Unterhaltskosten verursachen dürfte.

Es liegt in der Natur der Sache, dass vielbeschäftigte größere Besitzer sich an der Pflege und Unterhaltung des Gartens wenig beteiligen. Wie viele Besitzer großer Stadtgärten sind überhaupt eifrige Gartenfreunde und wie viele von diesen haben Lust, selbstthätige Gartenfreunde zu werden? Es ist für die Gartenanlage schon viel gewonnen, wenn der Besitzer sich entschließt, die thätige Aufsicht mit zu übernehmen, wenn er selbst Verständnis besitzt oder zu erwerben sucht, um die Anordnung zur richtigen Pflege zu geben. Wer dann noch eigenhändig arbeiten will, tut am besten, ein bestimmtes Gebiet unter seine besondere Obhut zu nehmen, z.B. das Rosarium, wenn er Rosen besonders liebt und Rosenkenner werden will oder den Spalierobstgarten, die Aplenpartien usw. Ein solcher vom Besitzer selbst gepflegter Teil erfreut sich häufig besonders guter Einrichtung und besten Gedeihens. Der Fall ist auch gar nicht selten, dass derartige Anlagen im Besitz hervorragend tüchtiger Liebhaber Berühmtheit erlangt haben. Ich erinnere nur an die Gartenanlagen in Monrepos (Generalkonsul von Lade), Baden-Baden (leichtlin), die Rosenkulturen in Triest (Perotti), die Spaliercalvillanlagen in Meran (Arthur von der Planitz), die Birnspaliergärten in Landsberg (Jähne).

Vielleicht darf ich hier einflechte, dass häufig die hervorragendsten Kenner gärtnerischer Sonderkulturen nicht Gärtner von Beruf, sondern Liebhaber sind. So war der verstorbene Kommerzienrat Grufon in Magdeburg unser bedeutendster Kenner von Kakteen und Succulenten. Bauunternehmer Straußenheim in Frankfurt a. Main ist einer unserer bedeutendsten Rosenkenner. Universitätsprofessor Seelig in Kiel, ein hervorragender Pomologe und der beste Kenner von Kirschsorten usw., befasst sich auch nur als Liebhaber mit diesen Kulturen. Gerade dadurch, dass man einen bestimmten Einzelzweit des vielseitigen Gärtnereibetriebes seine besondere Aufmerksamkeit widmet, wird es möglich, Tüchtiges zu leisten und es bald zur Meisterschaft zu bringen.

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https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_B%C3%B6ttner

https://www.gaissmayer.de/web/welt/gartenmagazin/ein-gaertnerleben-johannes-boettner/

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