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Wie man Schnecken von den Gemüsebeeten fernhält. ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏ ͏
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Liebe Gartenfreunde,
Regen bringt Segen, heißt es in vielen alten Bauernregeln. Die regenreiche Witterung kommt wie bestellt und in vielen Gegenden des Landes in letzter Sekunde. Viele Pflanzen, insbesondere auch unsere Obstbäume und Forstgehölze sind nach wie vor von starkem Trockenstress betroffen. Der Regen hilft vielerorts dabei, den Boden wieder mit Wasser zu befüllen.
Regenreiche Tage bedeuten zum einen einen Segen für die Pflanzenwelt. Zum anderen leiten sie für die gefräßigen Nacktschnecken im Hausgarten die neue Hochzeit ein. Aus diesem Grunde habe ich mich dazu entschlossen, für Newsletter-Abbonenten von Uropas Bauerngarten einen kleinen Schneckenratgeber zum Literaturstudium zu verfassen. Da viele Tipps von mir nicht geprüft sind und ggf. heutigen Standards nicht mehr entsprechen, soll der Ratgeber keine praktische Anleitung zur Nachahmung darstellen - sämtliche Anwendung erfolgt auf eigene Gefahr! Vielmehr geht es um die Vermittlung von altem Wissen, und dass man sich etwas in die damalige Zeit hineinversetzen kann.
Sie können den Ratgeber unter folgendem Link auch direkt als PDF-Datei herunterladen: https://uropas-bauerngarten.de/wp-content/uploads/2020/06/Schneckenratgeber-Uropas-Bauerngarten.pdf
Ich würde mich sehr über ein Feedback freuen, ob der Newsletter bei Ihnen angekommen ist.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und eine schneckenfreie Zeit.
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Zusammenfassung
Die Möglichkeiten, gefräßige Schnecken (insbesondere Nacktschnecken) von unseren Gemüsebeeten fernzuhalten, sind sehr vielfältig. Unsere Vorfahren kamen bisher immer ohne chemische Bekämpfungsmittel in ihren Haus- und Bauerngärten aus. Die bedeutendsten Erfolge konnten, wenn man dem alten Wissen der Überlieferungen vertraut, durch das Aufstellen von Fallen und Absammeln der Schnecken von den Gemüsebeeten erzielt werden. Das Geheimnis hierbei ist, die Schnecken in eine Falle wie z.B. ausgehöhltem Kohlrabi oder Weizenkleie zu locken und den richtigen Zeitpunkt für das Absammeln zu finden. Auch wurden früher Beeteinfriedungen, Abgrenzungen und Zäune verschiedenster Art hergestellt, die für Schnecken ein unüberwindbares Hindernis darstellten. Nicht zuletzt die Vergrämung mit speziellen Stoffen war gängiges Hausmittel zur Vertreibung der Schnecken auf den Beeten. Folgende Stoffe wurden unter Anderem benutzt:
- Pferdehaar - Gerstengrannen - Gebrannter Kalk - Eisenvitriol - Kainit - Schwefelleber - Ofenruß
Durch diese Mittel wurden eine Verätzung bzw. Schädigung der Schnecke erzielt, und in der Folge eine abschreckende Wirkung. Viele dieser Mittel funktionieren aber nur bei Trockenheit, und so kann selbst ein Morgentau die Wirkung von Kalk oder Gerstengrannen zu Nichte machen. In dem folgenden Artikel erfahren Sie mehr über Schnecken, über ihr Verhalten, und wie man sie vom Beet fernhalten kann. Am Ende dieses Ratgebers kann sich der geneigte Leser selbst ein Urteil über die früheren Verfahrensweisen zur Schneckenvertreibung bilden und vielleicht sogar das richtige Mittel für sich selbst finden.
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Biologie und Lebensweise von Schnecken
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 | Freiherr von Schilling schreibt in seinem Artikel „Schnecken und Schneckenvertilgung“, erschienen in „Der praktische Ratgeber im Obst und Gartenbau, 10. Jahrgang, April 1895“ folgendes zur Lebensweise der Schnecken:
Für die Gemüse- und Blumenzüchter ist die Schnecke, besonders der Nacktschneckenklasse, in der Tat einer der allergefährlichsten Schädlinge; es ist deshalb wohl an der Zeit, wenn ich mich über diese ekele Gesellschaft und den Schutz unserer Gartenkulturen gegen deren gefräßige Mäuler etwas eingehender auslasse.
Die Gefährlichkeit der Schnecken, besonders der oft sehr kleinen Nacktschnecken – es sind häufig junge Tiere mittelgroßer Arten – wird zumeist unterschätzt: Der bedeutende Schaden, den sie hauptsächlich in der Nacht und an trüben, regnerischen Tagen in den Revieren anrichten, wird gar häufig anderen, gleichzeitig anwesenden Tieren der Insektenwelt usw. Schädlingen, oder ganz harmlosen Geschöpfen in die Schuhe geschoben, warum? Weil die heimtückischen Schnecken in der hellen, vielleicht sonnigen Besichtigungsstunde nicht zur Stelle, vielmehr in irgend einem feuchten Schlupfwinkel mit vollem Wanst der Verdauung und Ruhe pflegen.
Die Schneckenwelt ist ungeheuer artenreich; die meisten Arten leben im Wasser, und kommen hier für uns nicht in Betracht. Der Gartenfreund unterscheidet frischweg einfach Häuschenschnecken und Nacktschnecken: er weiß, dass ein Teil sein Kalkhäuschen braucht, und sein Lebtag auf dem Buckel herumschleppt – wie das Ding, höchst interessant, mit dem jungen Tierchen heranwächst, betrachten wir vielleicht einmal später – während andere, scheinbar ganz unbewehrt, in barer Nacktheit durchs Leben schreiten. Ich sage scheinbar, denn die meisten der Schwerenöter tragen unter der Rückenoberpelle ihren größeren oder kleineren Panzer verborgen.
Ob nun mit Häuschen oder nicht: alle Schnecken im Garten gehören zu den Lungenschnecken, weil deren rechtsseitig liegende Atemhöhle zur Luftatmung eingerichtet ist, und deren Unterordnung Landschnecken. Beiläufig bemerkt, gehören zu diesen eine merkwürdige Familie, die Raum = Land = Schnecken, welche uns nicht schädlich sind, da sie, als Fleischfresser sich, mordend, an andere Schnecken, Würmer und dergleichen halten; leider sind diese Tierchen sehr klein, oft kaum 1 cm lang. Wir wollen heute, als die schädlichen, nur die Nacktschnecken in den Bereich unserer Betrachtungen ziehen, und die Häuschenträger, die ja mitunter, wie die jedem Kind bekannte Weinbergschnecke, auch recht schadenbringend auftreten, außer Acht lassen.
Die schlimmsten der bei uns auftretenden Nacktschnecken sind:
1. Die Gartenschnecke (oder Ackerschnecke) Limax agrestis L. Grundfarbe heller oder dunkler grau, mit schwarzen Strichen und Flecken am Kopf; Färbung jedoch sehr wechselnd. Bei ausgewachsener Schnecke Länge 3-6 cm, Breite ca. 6 mm.
2. Die gemeine oder große Wegschnecke, Arion empiricorum. Ganz jung ist sie weißlichgrün, später lebhaft ziegelrot oder aber auch schwarzbraun bis tief schwarz gefärbt. Die merkwürdige Verschiedenheit in der Färbung lässt den Gartenfreund oft glauben, dass er es bei diesem Biest mit ganz verschiedenerlei Arten zu tun habe, was keineswegs der Fall. Das Tier hat erwachsen die ansehnliche Länge von 13 – 15 cm und die Breite von 2 – 2 ½ cm. Dieses Weichtier ist bei seiner Größe und Gefräßigkeit in manchen Gegenden eine wahre Buchtrute des Gartenbaues, da es selbst hartschalige Früchte wie Gurken und Melonen, auch Rüben, Kohlrabi, Rettiche usw. zu Grunde richtet. Wie dieses arge Scheusal zu dem klangvollen Namen Arion – der Töne Meister, nebenbei Delphinreiter – gekommen ist, ist mir schwer erklärlich: jedenfalls würde die Nachricht davon dem göttlichen Zithervirtuosen vollkommen des Recht eingeräumt haben, aus Ärger darüber seinem Instrument eine schauerhafte – Herr Böttner droht schon mit dem Finger – Dissonanz zu entlocken. Mit der Beibezeichnung, da hat es schon seine Richtigkeit: Die rote Schnecke wurde früher – und wohl heute noch- von Empirikern, tief erfahrenen Naturdoktoren â la Schäfer Abt, zu einer Brühe für gewisse Kranke gekocht, die ich niemandem gönne.
3. Die Gartenwegschnecke, Arion hortensis. Weit kleiner, gelblich grau, grau bis schwarz; Sohlenrand gelblichweiß, nicht gestrichelt; ausgewachsen 4-5 cm lang, ca. 5 mm breit.
*Anmerkung zum heutigen wissenschaftlichen Stand: Die Gattung Arion ist taxonomisch immer noch eine sehr unklare Gattung. Aktuelle Untersuchungen der Universität Frankfurt vermuten, dass die Spanische Wegschnecke gar keine eingewanderte, invasive Art ist, sondern schon immer in Europa heimisch war (Pfenninger et al., 2014). Freiherr von Schilling’s Beschreibung der Arion empiricorum ähnelt zumindest dem Habitus der Spanischen Wegschnecke.
Diese drei sind die Hauptsächlichen; über die letzte wurde erst unlängst gesagt, dass sie zu vielen hunderten ganze Beete junger Gemüse in einer Nacht abfräße. Es gibt zwar noch einige weitere Arten, diese sind aber lange nicht so häufig und allgemein.
Mancher Gartenfreund, der an seinem Kohl kleine Schneckchen erblickt, tröstet sich damit: „Was können solch dämliche weiche Rackers viel Schaden? – „Sie haben ja nicht mal ne Zange oder was zum Knabbern!“ „Ja“, meint der Nachbar, „dat Düwelstüg braucht nicht knabbern: dat würgt den Happen so runter!“. Ohne diesen Gartentheorien zu nahe zu treten, möchte ich beiden freundlich zurufen: Liebe Freunde, unsere Schnecken haben ein ganz schauderhaft gefährliches Maul und Freßwerk, das freilich niemand sieht, in ihrem weichen Leib auch nicht vermutet!
Das Maul dieser bedächtig langsamen, wollüstigen, gefräßigen Phlegmatiker des Gartens, an denen, im Vergleich z.B. zum Insekt, alles massig, wuchtig erscheint, ist vom Mund des Säugetieres, des Frosches, der Schlange, der Kerfe, Krebstiere völlig verschieden. Hier ist ein ganz anderes „System“, dass eine schwierige Aufgabe bewundernswürdig einfach löst. Ich erstaunte ob der Weisheit der Schöpfung, als ich an der lebenden und toten Schnecke der Sache näher trat. Betrachten wir die Freßmaschine, die uns so manchen Schaden zufügt, kurz.
In Figur 1 streckt uns die Wegschnecke das geöffnete Maul entgegen. Ein ganzer Kranz von eingestülpten Fleischhügeln öffnet sich zum Maul. In dessen oberer Höhle wird ein Oberkiefer, ein geripptes, dünnhorniges, halbmondförmiges Ding sichtbar, das scheinbar unbeweglich hinter der Oberlippe sitzt. Hart hinter diesem Oberkiefer vorbei kann von unten her ein blasses, horniges Schaufellöffelchen herauf und herab und zwar mit schöpfender Bewegung dirigiert werden. Es ist das ein Teil, wenn wir so sagen wollen, die Spitze einer großen muskulösen Zunge: ein eigentlicher Unterkiefer ist nicht vorhanden. Dieser Zungenwulst ist nun mit einem wahren Reibepanzer überzogen, den der Gelehrte Radula nennt. Er besteht aus zahllosen, mikroskopisch kleinen, scharfen Zähnchen, die, wie die Soldaten einer endlosen geschlossenen Kolonie, in Reih und Glied aufgestellt sind. Figur 2 - (Durchschnitt lässt alle Teile erkennen).
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Bekämpfung der Schnecken
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 | Durch Absammeln
In zahlreichen Gartenbüchern wird das Absammeln der Schnecken als erfolgversprechendste und nachhaltigste Methode gegen Schnecken auf den Beeten vorgeschlagen. Johannes Böttner beschreibt in seinem Gartenbuch für Anfänger 1899 das Ködern der Schnecken unter Brettstückchen und in Tonröhren. In dem Buch heißt es:
Noch für einen anderen Fresser ist Salat ein bevorzugter Leckerbissen: für die kleinen, nackten Schnecken. Nachts sitzen sie an den Salatpflanzen und fressen. Ich habe es schon erlebt, dass neuangepflanzte Salatbeete nach einem Verlauf von drei Tagen vollständig zerstört waren und man wusste nicht, woran es lag, als aber der Salat von neuem gepflanzt worden war und man abends nach zehn Uhr mit der Laterne nachsah und die Schnecken entdeckte und absammelte, dann gelang es, den Salat zu erhalten. Wer die Schnecken nicht anfassen kann, mag alte Handschuhe anziehen. – Schnecken werden beim Absuchen der Beete in einen Topf getan und später totgebrüht. Es muss übrigens an mehreren nacheinander folgenden Abenden mit der Laterne nachgesehen werden, besonders nach feuchtem Wetter. Werden schwere, alte Brettstückchen auf den Beeten ausgelegt und feucht gehalten, so sammeln sich viele Schnecken auch unter diesen und können zu beliebiger Zeit beseitigt werden. Ein gutes Verfahren besteht auch darin, dass man Tonröhren schräg in die Erde eingräbt, das eine Ende offen lässt und das alte Laub oder dergleichen hineintut. Solche Schlupfwinkel werden von den Schnecken mit Vorliebe aufgesucht und man braucht sie nur von Zeit einmal davon zu reinigen. – Sehr emsig sind die nützlichen Kröten in der Jagd auf Schnecken.
Zum Thema Schnecken aufsammeln gibt Heinrich Freiherr von Schilling im Praktischen Ratgeber für Obst und Gartenbau (21. April 1895) noch Tipps. So kann man die Schnecken beispielsweise mit Kohlabfällen, Mohrrübenschnitzeln oder Weizenkleie an bestimmten Punkten anlocken, um diese dann abzusammeln:
„Das Vernichten durch häufiges, sorgfältiges Ablesen am Abend, Frühmorgen, oder bei regnerischem Wetter ist sehr wirksam, erfordert aber sehr viel Zeit und Arbeitskräfte. Man kann es sich durch Halten von Enden, Ködern mittels Salat- und Kohlabfällen, Mohrrübenschnitzeln usw. erleichtern, auch durch hohlgelegte Ziegel- und Brettstücke; ein französischer Gartenverein will durch Ködern mit zahlreichen Häufchen Weizenkleie in den gefährdeten Beeten sehr gute Erfolge gehabt haben, da die Schnecken die Kleie lieber als den Kohl verzehren sollen. Ich habe das noch nicht probiert, verspreche mir aber davon keine radikalen Siege, immerhin gute Mast der Schnecken!“
Im „Gartenbuch für Damen“ nutzt der Gartenbau-Lehrer Ferdinand Jühlke (1874) ausgehöhlte Kohlrabi- und Kartoffelstücke für das Fangen von Schnecken:
„Die gewöhnliche Methode, Schnecken und Würmer zu fangen, besteht darin, dass man Kartoffel- oder Kohlrabistücke aushöhlt und des Abends auslegt. Man untersucht diese Stücke am nächsten Morgen, bevor noch der Tau von den Pflanzen abgetrocknet ist. Da diese Methode indessen ein sehr frühes aufstehen erfordert, so ist es bequemer, überall dort, wo die Schnecken ihre Verwüstungen beginnen, einige Blumentöpfe auf die Seite zu legen. Die Schnecken suchen in diesen Töpfen gewöhnlich Schutz vor Sonnenhitze, wo man sie dann mit Bequemlichkeit im Laufe des Tages entfernt. Wo freilich die Schnecken überhand genommen haben, da muss zum Auslegen von Ködern geschritten werden, wobei das Auslegen geschälter Weidenruten oder überbrüheter Weizenkleie, der Lieblingsnahrung der Schnecken, große Hilfe leistet. Zuweilen erweisen sich auch, besonders in nassen Gärten, die Burbaum-Einfassungen und Epheubeete als Fangstätten der Schnecken; man stellt deshalb auch gern im Laufe des Winters häufig an solchen Plätzen Nachforschungen an und tötet die Schnecken im Zustande der Erstarrung. Da die Eier schon im April oder Mai gelegt werden, so muss das Zerstörungswerk um jene Zeit vollendet sein. Die Eier sind rund, beinahe durchsichtig, von bläulich-weißer Opalfarbe; man findet sie in kleinen Trauben zusammenhängend fast in jedem Gartenboden. Von den Zwiebelbeeten hält man die Schnecken fern, wenn man dieselben mit einem Kranze von Sägespänen umgibt.
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Beete mit Einfriedungen und Schneckenzäunen schützen
Zum Schützen der Beete durch Schneckenzäune und Barrieren schreibt Freiherr von Schilling in der Fortsetzung seines Artikels 1895 im Praktischen Ratgeber folgendes:
Beete, Quartiere, oder einzelne Gartenteile, die man absolut sicher vor Schneckenfraß bewahren will, sind ganz niedrig mit Brettern in der Art der Figur 3 einzufrieden. Es können dazu beliebig lange, schon 15 cm hohe, auch ungleich starke Bretterabfälle (Schwarten) verwendet werden; Man bekommt solche in Sägemühlen, bei Zimmerleuten usw. meist ganz billig. Es genügt, wenn die Bretter, die natürlich am Boden und wo sie zusammenstoßen, nirgends Durchschlupflücken haben dürfen, 10 cm aus dem Boden ragen. Es ist günstig, wenn die Brettflächen nicht ganz senkrecht stehen, sondern – wie im Bild – nach außen etwas überhängen, so dass diese äußere Fläche einigen Schutz gegen Regen genießt. Natürlich kann diese Einfriedung, wo man es wünscht, auch mit aller Sauberkeit und Genauigkeit mit gehobelten Brettern, sauber gearbeiteten, eingeschlagenen Halteklötzchen usw. errichtet werden.
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Ist der ganze Einfriedungsrahmen fertig und der Schutz der umfriedeten Kultur soll beginnen, so streicht man dazu einfach die äußere Fläche der Bretter mit einem Gemisch von Vitriolöl und Rebenschwarz, in etwa Oelfarbendicke, an. (Vorsicht! Für Augen, Hände, Haut!) Vitriolöl ist eine ölartige, bräunliche Flüssigkeit – rauchende Schwefelsäure – mit der sehr vorsichtig umzugehen ist; sie stößt an der Luft weiße, erstickende Dämpfe aus. Rebenschwarz, aus verkohlten Weinrebentrestern gewonnen, ist ein schwarzes Farbpulver. Beides ist in Drogenhandlungen zu haben. Es genügt, wenn dieser Anstrich, der, um wirksam zu bleiben, von Zeit zu Zeit (etwa 10 – 14 Tage, bei Hitze auch öfter) wiederholt werden muss, eine Zone von ca. 8 cm deckt. Dieser Anstrich greift das Brett kaum, wohl aber die Pinsel an; man muss sich also bei der Arbeit sputen und die Pinsel sofort wieder auswaschen, oder aber an Stelle des Pinsels ein vorn durch zerschleißendes Spalten „aufgedröseltes“, faserartiges Rundholz verwenden. Bei weit ausgedehnten Kulturen wäre die Sache schon durch das öftere Anstreichen nicht wohl praktisch, weil zu teuer. Natürlich ist es Haupterfordernis, dafür zu sorgen (durch Ablesen, Ködern usw.), das im innern eingefriedigten Raum sich keine Schnecken mehr befindet: herein kommt, wenn Aufstrich, wie oben behandelt, keine mehr. Außen kann man sie ködern. Die Wirkung ist eine ganz auffallende: berührt eine Schnecke die schwarze Zone, so zuckt sie, wie von der Tarantel gestochen, zurück, ergreift das Hafenpanier, oder lässt sich fallen: das Vitriolöl verbrennt ihr Tentakeln und Hautwimpern.
Ich habe die Geschichte anlässlich einer letztjährigen Reise durch Voralberg kennen gelernt und war mehr wie erstaunt, die auffallende Wirkung an Tausende von Schnecken stundenlang beobachten zu können, ohne indes hinter das Geheimnis zu kommen: ich sah nur die schwarze Farbe am Brettrahmen. Eine Flasche rubinfarbenen „Tirolers“ löste das Geheimnis aber schnell beim „klammen Wirt und Züchter“, wie sich der Mann bei mir vorstellte, so dass es nun auch im Deutschen Reiche schneckenschreckend wirken möge!
Der Bidermann war nämlich Schneckenzüchter en gros, also in Schneckensachen eine komplette Größe. Er hatte auf kaum mehr als 1 Ar wildem Unkrautboden, der sich zur Hälfte steil an einen Feldabsturz schmiegte, eine Zuchtherde von Tausenden von Schnecken in seinen Zauberrahmen gebannt: sie hockten da zum Teil in fußhohen Haufen und Klumpen längs der Umrahmung, stets aber achtungsvoll einen zollbreiten Streifen zwischen sich und der höllischen schwarzen Zone lassend – auch nicht eine sei ihm noch ausgerissen. Sie fressen da, laut schmatzend, ihre Abfälle von Garten und Feld, ihre Kleie; vermehren sich, und werden im Spätwinter, noch üblich gedeckelt, weiterhin als leckere Fastenspeise versendet: die Fastenden erheben dabei ihr Gläschen und sagen stillzufrieden, wie im Andersenschen Märchen: „Hm, wie das schmeckt!“.
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Vergrämungsmittel gegen Schnecken
Das gemeinnützige Hauswirtschafts-Rezeptbuch, oder auch genannt: 1149 Rathschläge, Mittel und Vorschriften für Land- und Gartenbau, Viehzucht und Haushaltung, Fisch-, Vogelfang und Bienenzucht, gegen Insekten und schädliche Tiere, für Wein, Bier und Branntwein, Obstbäume, Baukunst, Malerei, Zeichnen- und Schreibekunst, für Firnisse und Kitte, für Feuer, Wasser und Metalle usw. wurde von Friedrich Hermanni vermutlich irgendwann um 1800 verfasst und enthält einige Tipps und Vorschriften zur Abwehr von Schnecken:
Vorschrift 917: Man treibe, um Gartenschnecken zu tilgen, Enten und Puter (Schruten) auf die Stücke, säe Morgens früh vor Sonnenaufgang Gerstenspreu (mit den Ährenspitzen) aus, (wovon sie in wenigen Tagen alle verschwinden) oder auch scharfe Sägespähne, Steinkohlenasche, Flachsschäben.
Vorschrift 918: Man stecke Hollunderreiser ein, schwäle mit Torf, dass der Schmauch über die Stücke herstreiche, koche Raute, Knoblauch, Zwiebel, Teufelsdreck mit Wasser und sprenge damit und bringe in die Gänge bei den Hecken Steinkohlenasche, über die sie nicht hinkriechen können.
Vorschrift 919: Man lasse gebrannten Kalk, an einem trockenen von Regen befreiten Orte, an der Luft, in Mehl zerfallen; hiervon streue man, aber wohl zu merken, nicht bei Tage, sondern des Abends, wenn schon der Thau gefallen und die Schnecken, aus der Erde sind, bei stillem Wetter, über die durch die Schnecken leidende Grundstücke und man wird des andern Morgens, wo nicht alle, doch die mehrsten in Schleim verwandelt sehen. Je später dies am Abend geschieht, desto mehr Schnecken werden getötet, weil nur die stirbt, die von dem Kalkstaub getroffen wird. Sollten nicht alle Schnecken getödtet seyn, so wiederholt man dieses Mittel. Es ist dazu sehr wenig Kalk, etwa 4 Berl. Scheffel Land, auf ein halb Scheffel Kalk erforderlich.
Vorschrift 920: Um die Schnecken zu vertilgen, nimmt man ein Maaß Mistjauche, versetzt sie mit eben so viel reinem Wasser, und gießt ein Dekost von 2 L Teufelsdreck (asa foetida) darunter. Die Beete, die mit dieser düngenden Jauche begossen werden, bleiben vom Schneckenfraß befreit.
Vorschrift 921: Auch pulverisierter Ofenruß, mit gelöschtem Kalk versetzt, wirkt auf gleiche Weise, wenn die Beete damit bestreut werden. Man bestreut die Beete mit Asche von Torf. Die rote Torfasche ist besser als die graue, weil sie Vitriol enthält, der die Schnecken allemal tödtet.
Vorschrift 922: Will man die Schnecken von den Obstbäumen abhalten, so schlingt man, wenn die Bäume frei stehen, 2 oder 3 Fuß hoch von der Erde, ein Seil von Pferdehaaren um den Stamm. Bilden sie ein Spalier, so befestigt man ein Seil von Pferdehaaren um die Mauer, und schlingt es, ½ Fuß hoch von der Erde, um jeden Stamm herum. Nie werden die Schnecken diese Seile überschreiten. Denn, wenn sie es versuchen, so ziehen sie sich durch die Wunden, welche ihnen die Pferdehaare an ihrem sehr zarten Bauche machen, den Tod zu.
Auch Freiherr von Schilling befasst sich in dem bereits bekannten Artikel mit Vergrämungsmitteln und schreibt hierzu folgendes:
Andere wollen Abschreck- und Abhaltungsmittel anwenden, welche zudem den Schneckenleib schädigen, wenn möglich töten sollen. Man legt z.B. Ringwälle und Schutzwehren von Gerstengrannen aus, die, frisch und trocken, die Tiere wohl abhalten, feucht, aber bald zusammenfallen und verwesen, dadurch leicht übersteigbar werden. Ein vorzügliches Mittel in dieser Hinsicht ist der Staub von frisch gebranntem, noch ungelöschtem Kalk; solcher schreckt nicht nur ab, sondern tötet durch seine scharfätzende Eigenschaft den Schneckenleib. Aber leider, leider nutzt dessen Anwendung nur bei trockenem Wetter: ein einziger starker Regen, auch mehrfacher starker Tau macht seine Wirkung zu Nichte. Dasselbe gilt von Asche, Eisenvitriol mit Sand gemischt, und wohl auch von Kainit und dem alten Mittel Schwefelleber, welche alle drei zudem den Pflanzen nachteilig werden können. Schwefelleber, eine gelbbraune Masse durch Zusammenschmelzen von kohlesaurem Kali mit Schwefel gewonnen, dient zur Darstellung von Schwefelmilch; man streute es früher häufig zwischen die jungen Kulturen, um die darüber kriechenden Schnecken zu töten, hütete sich aber, es an die Pflanze selbst zu bringen. .
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Quellenübersicht
1. Böttner, J. (1899): Gartenbuch für Anfänger. Unterweisung im Anlegen, Bepflanzen und Pflegen des Hausgartens, im Obstbau, Gemüsebau und in der Blumenzucht. Dritte Auflage, Königliche Hofbuchdruckerei Trowitsch und Sohn, Frankfurt a.d. Oder.
2. Freiherr Schilling von Cannstadt, H. (1890): Durch des Gartens kleine Wunderwelt. Naturfreundliche Streifzüge von Heinrich, Freiherr Schilling von Canstatt. Mit 418 Originalzeichnungen des Verfassers in ca. 1000 Einzeldarstellungen. Königliche Hofbuchdruckerei Trowitsch und Sohn, Frankfurt an der Oder.
3. Freiherr von Schilling, H., Böttner J. (1895): Der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau. Ausgaben am 14. April 1895 und am 21. April 1895. Königliche Hofbuchdruckerei Trowitsch und Sohn, Frankfurt an der Oder.
4. Hermanni F. (unbekannt, vmtl. 1840): Gemeinnütziges Hauswirtschafts-Rezeptbuch oder 1149 Rathschläge, Mittel und Vorschriften für Land- und Gartenbau, Viehzucht und Haushaltung, Fisch-, Vogelfang und Bienenzucht, gegen Insekten und schädliche Thiere, für Wein, Bier und Branntwein, Obstbäume, Baukunst, Malerei, Zeichnen- und Schreibekunst, für Firnisse und Kitte, für Feuer, Wasser und Metalle usw., welche leicht anzuwenden sind, einen bedeutenden Vortheil im häuslichen Leben gewähren und die Erfahrung vollkommen bewähret hat. J. Wolfsche Buchdruckerei, Düsseldorf.
5. Jühlke, F. (1874): Gartenbuch für Damen. Praktischer Unterricht in allen Zweigen der Gärtnerei, besonders in der Kultur, Pflege, Anordnung und Unterhaltung des ländlichen Hausgartens. Dritte Auflage, Verlag von Wiegandt, Hempel und Parey, Berlin.
6. Pfenninger M., Weigand A., Bálint M., Klussmann-Kolb (2014): Misperceived invasion: the Lusitanian slug (A rion lusitanicus auct. Non-M abille or A rion vulgaris Moquin-Tandon 1855) is native to Central Europe. Evolutionary Applications, Vol. 7, Issue 6, 702-713. DOI: https://doi.org/10.1111/eva.12177
Bildnachweiß: 1. Abbildung: Freiherr von Schilling, s. Punkt 3 2. Abbildung: Freiherr von Schilling, s. Punkt 2 + 3 3. Abbildung: Freiherr von Schilling, s. Punkt 2 4. Abbildung: Freiherr von Schilling, s. Punkt 3 5. Abbildung: Freiherr von Schilling, s. Punkt 2 6. Abbildung: Böttner Johannes, s. Punkt 1
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